Zwei Millionen Euro investiert – Landmaschinen-Firma Kotte baut in Rieste aus

01.08.2013

Bramscher Nachrichten 01.08.2013

Rieste. Um der wachsenden Firmengröße gerecht zu werden, hat der Landmaschinenhersteller Kotte seinen Firmensitz in Rieste ausgebaut. Der Bau des neuen Gebäudes, das Büros sowie eine Ausstellung- und Vorführhalle beherbergt, hat nach Angaben von Geschäftsführer Stefan Kotte rund zwei Millionen Euro gekostet.
Stefan Kotte gehört nicht zu den Chefs, die in der obersten Etage ihrer Firma logieren. Im ersten Stock des Neubaus an der Malgartener Straße hat der Geschäftsführer sein Büro – nicht direkt am Empfang, so dass jeder Kunde direkt auf ihn zuläuft, aber eben auch nicht weitab vom Tagesgeschäft: Er wolle sich schließlich „nicht abkapseln“, sondern mit den Kunden in Kontakt bleiben. An den Wänden seines Büro fehlten noch die Bilder, sagt der 42-Jährige entschuldigend. Ende März, Anfang April haben er und die Mitarbeiter aus Verwaltung, Verkauf, Konstruktion und Marketing die neuen Räume bezogen.

„Ziemlich genau ein Jahr“ haben die Bauarbeiten gedauert. „Die Handwerker sind ausnahmsweise alle pünktlich gewesen“, sagt Kotte und grinst. Er kann sich diesen Scherz erlauben, denn das ernst gemeinte Lob schließt sich sofort an: Im Wesentlichen sei auf Firmen gesetzt worden, die sich in der Vergangenheit schon als „zuverlässige Partner“ erwiesen hätten. Das war ein gewichtiges Auswahlkriterium. „Wir haben nicht nur die Firmen mit dem günstigsten Preis genommen“, unterstreicht Kotte. Von der Investition profitiert das Umfeld. Die Bauunternehmen stammten „in der Regel aus der Region“.

Zwei Millionen Euro sind – gerade in einer noch überschaubaren Gemeinde wie Rieste – „eine erkleckliche Summe“, ist Kotte bewusst. Ohne Investition wäre das Unternehmen aber schnell an seine Grenzen gestoßen: „Bei den Büros waren wir komplett am Limit“, erklärt der Geschäftsführer. In jüngerer Vergangenheit seien „jedes Jahr zehn bis 15 Mitarbeiter hinzugekommen“. Heute beschäftigt die Firma 100 Angestellte. Bei neuen Büros mit einer Gesamtfläche von 900 Quadratmetern hat es Kotte nicht bewenden lassen.

Neben Besprechungsräumen für Verkaufsgespräche ist im Erdgeschoss ein großer Konferenzraum untergebracht: Dort werden unter anderem die Vertriebspartner geschult. „Unsere Produkte werden immer komplexer und erklärungsbedürftiger“, sagt der Geschäftsführer. Jeder, der ein Kotte-Produkt verkauft, soll wissen, was die Technik kann. Der Konferenzraum sei dementsprechend in kurzer Zeit „schon sehr häufig genutzt worden“.

Zurückgreifen können die Angestellten auf moderne Technik, was der Tatsache geschuldet ist, dass ihr Chef ein Fan von technischen Entwicklungen ist. Im November hat Kotte die „SmartControl“-Applikation fürs iPad vorgestellt. Mithilfe eines Funkadapters am Güllewagen kann der Tablet-PC allerlei Daten liefern: Der Fahrer kann sich zur Fläche navigieren lassen, die beackert werden muss, kann die ausgebrachte Güllemenge kontrollieren und bekommt angezeigt, wie lange der Füllstand im Anhänger noch ausreicht. Das Echtzeitprotokoll der Arbeit kann später exportiert werden und Lohnunternehmern als Grundlage für die Abrechnung dienen. Mit dieser Entwicklung sieht Kotte sein Unternehmen „sehr weit vorne und der Konkurrenz hoffentlich noch einige Jahre voraus“.

Was sich nicht am Bildschirm erklären lässt, kann in der Ausstellungs- und Vorführhalle unter die Lupe genommen werden. Dort stehen einige Einzelbauteile. „Wir können Details direkt am Produkt erklären und brauchen dafür nicht mehr in die Produktionshallen zu gehen“, erklärt Kotte. Die Exponate wirken geradezu klein neben den riesigen Güllewagen, die vorübergehend in der 600 Quadratmeter großen Halle geparkt sind. „Wenn Sie drei oder vier Maschinen hier abstellen wollen, dann müssen Sie diese Dimensionen haben“, sagt Kotte. Damit geht auch einher, dass die Firma bei Verkaufsveranstaltungen genug Platz hat, um „ein paar Hundert Kunden in adäquater Umgebung unterzubringen“. Weil im November die Agritechnica stattfindet, verzichtet Kotte in diesem Jahr auf ein solches Event. Eine Hausmesse und das Großereignis in Hannover könnten „eine gewisse Dopplung“ mit sich bringen. „Für 2014 ist aber schon ein Lohnunternehmertag für Kunden aus der Gülletechnik geplant“, verrät Kotte.

Über 600 Quadratmeter Platz freuen sich Carolin Baumeister aus der Öffentlichkeitsarbeit und Geschäftsführer Stefan Kotte. In der neuen Halle stehen zurzeit Güllewagen, aber in Zukunft… Foto: Johannes Kapitza

Über 600 Quadratmeter Platz freuen sich Carolin Baumeister aus der Öffentlichkeitsarbeit und Geschäftsführer Stefan Kotte. In der neuen Halle stehen zurzeit Güllewagen, aber in Zukunft… Foto: Johannes Kapitza

Bis dahin muss die Halle nicht ohne Leben bleiben: „Ich werde dem Bürgermeister anbieten, dass ich die Halle zur Verfügung stelle, wenn mal eine Bürgerversammlung abgehalten werden soll“, kündigt der Geschäftsführer an. Dafür sei das „Forum“ – so der Name, der unübersehbar an dem Gebäude angebracht ist – schließlich auch da, bekräftigt der Firmenchef.

In Rieste hat der Neubau schnell eine Anziehungskraft entwickelt: Zwei Fahrradfahrer haben den Weg aufs Firmengelände gefunden, und schauen sich in der Vorführhalle um. Um sich ein Bild vom Unternehmen zu machen, „sind auch schon mal Leute mit dem Auto bis in die Produktionshalle gefahren“, berichtet Kotte. Sie hätten es etwas einfacher haben können: Auch im Internet-Netzwerk Facebook ist das Unternehmen vertreten und gibt Einblicke. Während der Bauarbeiten veröffentliche der Landmaschinenhersteller regelmäßig Fotos von der Baustelle. „Das hat dazu geführt, dass mein Cousin, der nicht vor Ort war, mehr über den Baufortschritt wusste als meine Mutter“, erzählt Kotte mit einem Schmunzeln.

In der Realität seien es noch „wesentlich mehr Kunden“, aber in dem Internet-Netzwerk bringt es das Unternehmen immerhin schon auf etwas mehr als 1700 „Freunde“ – und diese Zahl sorgt locker für eine bisweilen unerwartete Dynamik. „Man wundert sich manchmal, welche Wellen das schlägt, aber das ist Social Media“, sagt Kotte über das Foto eines Vierachsgüllewagen im Einsatz auf Rügen. Die Aufnahme verbreitete sich Anfang Mai in Windeseile: Durch die Multiplikatoren sei das Bild „von Tausenden angeguckt“ worden und ein Gesprächsthema bei der nächsten größeren Veranstaltung gewesen. Vielleicht sorgt das Motiv ja eines Tages auch dafür, dass die Wände in Kottes Büro keiner Entschuldigung mehr bedürfen.