Blaulichtempfang auf dem Marktplatz! Thomas de Maizière lobt Ehrenamtliche in Quakenbrück!

2. Februar 2017

Der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Quakenbrück durfte natürlich auch nicht fehlen. Foto: Mirko Nordmann

noz 02.02.2017 Quakenbrück. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat am Donnerstagmittag bei seinem Besuch in Quakenbrück die Arbeit der bundesweit 1,8 Millionen Ehrenamtlichen in den Hilfsorganisationen gelobt. Dass Deutschland im Katastrophenfall auf Profis im Ehrenamt setze, sei alles andere als ein Armutszeugnis: „Es zeigt, wie reich unsere Gesellschaft ist.“

Um kurz vor eins halten zwei dunkle Limousinen vor dem Portal der St.-Marien-Kirche. Zehn Minuten früher, als es der enge Zeitplan vorgibt, schüttelt Bundesinnenminister Thomas de Maizière die ersten Hände anlässlich seines 90-minütigen Besuchs in der Burgmannstadt. Bürgermeister Matthias Brüggemann, Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe, Bundestagsabgeordneter André Berghegger und THW-Ortsbeauftragter Frank Albutat nehmen den Gast aus Berlin in Empfang. Der CDU-Politiker scheint allerbester Laune – und ist ziemlich gut informiert über den Standort Quakenbrück.
THW präsentiert Fuhrpark und Ausrüstung auf dem Marktplatz

Auf dem Marktplatz hat das THW den Fuhrpark in Stellung gebracht, davor stehen in Reih und Glied etwa 70 der insgesamt 105 Mitglieder. „Was sagen denn Ihre Arbeitgeber dazu, dass Sie mitten am Tag hier sind?“, ist der Minister sichtlich überrascht über die stattliche Anzahl. Schnell ist klar: Für die Mitglieder der Jugendgruppe ist heute schulfrei. Die Arbeitgeber haben ihre ehrenamtlich tätigen Arbeitnehmer freigestellt. „Das klappt in Niedersachsen ganz gut“, ergänzt Sabine Lackner, Niedersachsens THW-Landesbeauftragte. Nachwuchssorgen gebe es nicht. Viele, die in jungen Jahren den Weg ins technische Ehrenamt gefunden hätten, kämen als Erwachsene wieder zum THW zurück und seien bereit, Führungsaufgaben zu übernehmen. Lackner: „Das sieht in anderen Regionen anders aus.“
Werbung über Menschen

In kurzen Worten stellt Frank Albutat dem Minister die Ortsgruppe Quakenbrück des Technischen Hilfswerkes mit den beiden Fachgruppen für Räumen und Sprengen vor. Von Michael Backstein will der Gast wissen, was ihn bewogen habe, dem THW beizutreten. Der 42-jährige Quakenbrücker, der als Busfahrer arbeitet, muss nicht lange überlegen: „Der Spaß an der Arbeit, die gute Ausstattung und die Herausforderungen.“ Von den Jugendlichen erfährt de Maizière, dass die meist über die eigene Familie oder Bekannte zum THW gefunden hätten. „Die beste Werbung geht eben doch über die Menschen. Das schaffen nicht einmal die besten Hochglanzbroschüren“, sagt der Minister. Und vor dem Empfang im Franziskushaus lässt sich der studierte Jurist von Steffen Kröger erklären, welche Vorzüge die 16-Gang-Splitschaltung gegenüber dem Automatikgetriebe bei Einsatzfahrzeugen hat. Über die detaillierten Nachfragen staunt nicht nur der 20-Jährige im blauen THW-Dress.
De Maizière: Wertschätzung entsteht durch gute Arbeit

Vor Vertretern von Polizei, Feuerwehr, DLRG, THW, Deutschem Roten Kreuz und Malteser-Hilfsdienst erntet der Innenminister erst einmal leichtes Erstaunen. Genau wie André Berghegger ist er zwar der Auffassung, dass es in Deutschland eine einzigartige Kultur des Ehrenamtes und Menschen gibt, die große Verantwortung auf sich nehmen. Aber einen Anspruch auf Wertschätzung gebe es nicht. „Wertschätzung entsteht durch gute Arbeit“, rät de Maizière den 1,1 Millionen ehrenamtlich Tätigen in den Freiwilligen Feuerwehren, den 600000 Helfern in den Hilfsorganisationen wie DRK, Maltesern, Johanniter-Unfallhilfe, DLRG und Arbeiter-Samariterbund und den 80000 Mitgliedern im Technischen Hilfswerk.
Politik in der Pflicht

Denn wer Wertschätzung einfordere, müsse erkennen, „dass sie auf diesem Wege nicht zurückkommt“. Der Gast wünschte sich von den Ehrenamtlichen, „Freude, Stolz und Spaß zu zeigen, den Sie bei Ihrer Arbeit haben“. Das sei die beste Werbung, nicht aber „gesenkte Köpfe“ und „schwermütige Vorträge, wie schwer doch alles sei. „Wenn das tatsächlich der Fall wäre, müsste ich ja fragen, warum es dann so viele Ehrenamtler in den Hilfsorganisationen gibt“, erntete er mit dieser Bemerkung zustimmendes Nicken unter den etwa 150 Zuhörern. Auch für seine Zusage, dass die Politik für gute Rahmenbedingungen und Ausstattung sorge werde. „Beides können Sie verlangen.“ Das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist nach Meinung von Thomas de Maizière einzigartig in der EU. „Dass wir bei Katastrophen wie einem Hochwasser auf das Ehrenamt vertrauen, ist kein Armutszeugnis. Es zeigt, wie reich unsere Gesellschaft ist, wie großartig und ungewöhnlich“, sagt der Minister. Dass es dafür „nur einen warmen Händedruck“ gebe, nähmen seine Innenministerkollegen in Europa immer wieder mit Erstaunen zur Kenntnis.
Gesellschaft hat Nachholbedarf bei „vorbeugendem Krisenschutz“

Doch auch das technische Ehrenamt in den Hilfsorganisationen stehe vor neuen Herausforderungen. Das Thema IT-Sicherheit sei eine große Aufgabe, „die wir gerade erst beginnen zu begreifen“, sagte er mit Blick auf Hackerangriffe Unbekannter auf das Netz des Bundestages oder andere Institutionen und Behörden. Brauche Deutschland nicht vielleicht eine freiwillige IT-Feuerwehr?, fragt er. Es gelte, in kommenden „neuen Aufgaben auch neue Chancen zu sehen“. Auch die Gesellschaft müsse sich besser als bisher auf mögliche Krisen vorbereiten. „Das hat überhaupt nichts mit Panikmache zu tun, sondern ist klug“, so Thomas de Maizière. Allein die Hackerangriffe zeigten deutlich, wie verletzlich eine moderne Gesellschaft wie die deutsche sei.