Henemann-Entwurf gelobt! Quakenbrücker Synagogenplatz wird behutsam verändert!

14. Juni 2015
Für diesen Entwurf haben sich der Arbeitskreis Synagogenplatz und der städtische Kulturausschuss ausgesprochen. Architekt Andreas Henemann hatte dazu seinen ursprünglichen Plan aus Kostengründen überarbeitet. Hier ist die Zahl der liegenden Granitstelen, die als Sitzgelegenheiten genutzt werden können, von sechs auf drei reduziert worden. Entwurf: Architekturbüro Andreas Henemann

Für diesen Entwurf haben sich der Arbeitskreis Synagogenplatz und der städtische Kulturausschuss ausgesprochen. Architekt Andreas Henemann hatte dazu seinen ursprünglichen Plan aus Kostengründen überarbeitet. Hier ist die Zahl der liegenden Granitstelen, die als Sitzgelegenheiten genutzt werden können, von sechs auf drei reduziert worden. Entwurf: Architekturbüro Andreas Henemann

noz 13.06.15 Quakenbrück. Der Kulturausschuss der Stadt Quakenbrück hat sich dafür ausgesprochen, den Synagogenplatz nach den Plänen von Andreas Henemann umzugestalten. Für seinen Entwurf, den Standort des früheren Gebetshauses der jüdischen Gemeinde aufzuwerten und so einen Ort der Erinnerungskultur zu schaffen, erhielt der Quakenbrücker Architekt und Grünen-Ratsherr von allen Fraktionen sehr viel Lob und Anerkennung.

Den im April vergangenen Jahres gegründeten Arbeitskreis Synagogenplatz, dem neben Vertretern des Stadtrates auch engagierte Bürger angehören, hatte Henemann bereits überzeugt. Sein Konzept für eine behutsame Veränderung der etwa 400 Quadratmeter großen Gedenkstätte am Kreisverkehr Wilhelmstraße/Friedrich-Ebert-Straße/Kreuzstraße/
Bürgerstraße war bei den Mitgliedern auf große Zustimmung gestoßen. An dieser Stelle wird der jüdischen Gemeinde gedacht, deren Gebetshaus einst hier stand und am 10. November 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt wurde. Erinnert wird aber auch an alle Opfer des NS-Regimes. Dazu sind zwei Gedenktafeln angebracht worden.

Für Andreas Henemann ist der derzeitige Zustand dieser Gedenkstätte alles andere als optimal: Sie ist von allen Seiten kaum einsehbar und liegt etwas versteckt hinter Büschen. „Da gibt es einiges zu tun“, stellte er fest.

Doch nicht alles soll weichen. Erhalten bleiben die gestutzte Trauerweide, die Rhododendren und die Gedenktafeln, die in den künftigen Synagogenplatz integriert werden. Der übrige Platz bekommt eine strenge Ordnung und ist voller Symbole.

Der Platz erhält einen Davidstern aus Granitsteinen, der in einem Kreis aus Granit und Kleinpflastersteinen liegt. Auf diesen Stern führen zwei Wege im rechten Winkel zu. Daneben sind sieben Kreissegmente aus Granit vorgesehen. Die Fläche zwischen den Segmenten ist so groß bemessen, dass dort für eine Gedenkfeier zum Beispiel Stuhlreihen aufgestellt werden können. Entlang der beiden Wege sind Rhododendren vorgesehen, an einer Seite werden die vorhandenen Gedenktafeln sowie eine Neuanfertigung aufgestellt.

Die vorhandene Weide wird bei Dunkelheit angestrahlt. Die Kreissegmente, die beiden Wege wie auch die Spitzen des Davidsterns werden aus sogenannten Leuchtsteinen gestaltet. Diese Steine bestehen aus Beton und speziellen Leuchtkristallen, die das Tageslicht aufnehmen und bei Dunkelheit abgeben. Der Vorteil: Ein Stromanschluss ist nicht erforderlich, eine dezente Beleuchtung möglich. Der Platz ist künftig von allen Seiten einsehbar und barrierefrei.

„Mir ist wichtig, eine Gedenkstätte zu schaffen, die dem Anlass angemessen ist, aber nicht nur an zwei Tagen im Jahr genutzt wird“, sagte Henemann. Der Platz müsse jederzeit nutzbar sein und dürfe auch eine Aufenthaltsqualität haben. Zu diesem Zweck hatte der Architekt in seinem ursprünglichen Entwurf entlang der beiden Wege jeweils drei liegende Granitstelen mit Holzelementen vorgesehen, die als Sitzbänke genutzt werden können.

Verzicht auf drei Stelen

Auf drei Stelen wollen Arbeitskreis und Ausschuss angesichts der Kosten für die Umgestaltung verzichten. Hintergrund: Im Stadthaushalt 2015 stehen nur 10000 Euro für die Umgestaltung des Platzes bereit. Henemann hatte auf Wunsch des Arbeitskreises deshalb seinen ursprünglichen und rund 42500 Euro teuren Entwurf überarbeitet und Ausgaben gesenkt – allerdings mit der Maßgabe, den Charakter des Konzeptes nicht zu verändern. Durch den Verzicht auf drei Granitstelen, durch die Anpflanzung kleinerer Rhododendren und die Verkleinerung einer Gedenktafel vom Format DIN A1 auf DIN A2 summieren sich die Baukosten für die reduzierte Variante auf rund 33700 Euro. Ein Honorar muss die Stadt nicht zahlen, Henemann, selbst Mitglied im Rat und im Arbeitskreis, kündigte an, darauf zu verzichten.

Der Kulturausschuss beschloss nach kurzer Diskussion, dem Stadtrat die Umgestaltung des Platzes nach den reduzierten Plänen zu empfehlen. Gleichzeitig sollen Sponsoren und Unterstützer gesucht werden, die sich durch Spenden einbringen können. Damit griff der Ausschuss eine Anregung des Arbeitskreises auf. Die Berufsbildenden Schulen in Bersenbrück hätten ihr Interesse signalisiert, sich einzubringen, berichtete Matthias Brüggemann (CDU). Der nach Abzug aller Spenden und Zuwendungen noch fehlende Restbetrag soll dann im Haushaltsplan 2016 bereitgestellt werden.