Stichwahl in der Samtgemeinde Artland

17. Juni 2014
Nachdenkliche Mienen: Zusammen mit Ehefrau Katja und Matthias Brüggemann, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes (rechts), verfolgt Frank Wuller die Präsentation der Wahlergebnisse im Sitzungssaal des Rathauses.Foto: Rolf Kamper

Nachdenkliche Mienen: Zusammen mit Ehefrau Katja und Matthias Brüggemann, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes (rechts), verfolgt Frank Wuller die Präsentation der Wahlergebnisse im Sitzungssaal des Rathauses.Foto: Rolf Kamper

NOZ 16.06.2014 Quakenbrück. Das Rennen um das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Artland ist entschieden: Claus Peter Poppe (SPD) ist ab 1. November neuer Chef im Quakenbrücker Rathaus. Im Schlussspurt, der Stichwahl, setzte sich der 66-Jährige mit 382 Stimmen Vorsprung gegen Frank Wuller (CDU) durch. Für die Christdemokraten endet dieser Sonntag mit einer herben Enttäuschung, für die Sozialdemokraten kennt der Jubel keine Grenzen.
55 Minuten nach Schließung der Wahllokale gibt Wahlleiter Heinz Korte das vorläufige amtliche Endergebnis bekannt: Mit 3465 Stimmen (52,9 Prozent) gewinnt Claus Peter Poppe die Bürgermeisterwahl, 3083 Stimmen (47,1 Prozent) holt Frank Wuller . Doch zwischen tröstendem Schulterklopfen und aufmunternden Worten für den Verlierer, kräftigem Applaus und freudigen Umarmungen für den Sieger mischen sich Besorgnis und Nachdenklichkeit in viele Gesichter: Die Wahlbeteiligung liegt mit 34,9 Prozent erschreckend niedrig. Von 18830 Stimmberechtigten sind gerade einmal 6573 zur Abstimmung gegangen. Zum Vergleich: Vor drei Wochen waren es noch 8964.
Dass das Interesse der Artländer an dieser Direktwahl nicht besonders hoch ausfallen wird, zeichnet sich schon kurz nach 18 Uhr ab. Nach und nach treffen die Ergebnisse aus den Wahllokalen ein. Claus Peter Poppe und Frank Wuller erscheinen im Ratssaal, beide wirken angespannt. Poppe macht sich eifrig Notizen, schreibt jedes Ergebnis aus den insgesamt 30 Stimmbezirken unter die Zahlen vom 25. Mai. Auch Wullers Frau Katja hat die Liste dabei und vergleicht. Eine Dreiviertelstunde später steht fest: Der Abstand der beiden Bewerber ist ungefähr gleich geblieben, 286 Stimmen waren es beim ersten Durchgang. Das Ergebnis von damals allerdings auch: Poppe macht das Rennen, Wuller wird Zweiter.
„Das Ergebnis ist eindeutig, das ist eben Demokratie“, fasst Frank Wuller das Ende dieses Abends zusammen. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Die Mehrheit der Wähler in Menslage und Badbergen hat der 46-Jährige zwar geholt. In Quakenbrück und auch in Nortrup zieht jedoch Claus Peter Poppe an ihm vorbei. Wuller gratuliert dem Kontrahenten souverän zur Wahl, dankt seiner Frau Katja, der Artländer CDU, „die sich als geschlossene Mannschaft gezeigt hat“ und allen Wählern. „Morgen früh geht die Sonne wieder auf“, versucht Ehefrau Katja ihren Mann aufzurichten. „Die Welt dreht sich weiter“, sagt auch Dirk Kopmeyer, Menslages früherer Bürgermeister. Doch Wullers Lächeln wirkt gequält.
Einigermaßen ratlos blickt Nortrups Bürgermeister Leonhard Renze (CDU) umher. Für die niedrige Wahlbeteiligung und das gezeigte Desinteresse findet er „überhaupt keine Erklärung“. Auch nicht dafür, dass „seine“ Gemeinde mit 61,6 Prozent für den SPD-Kandidaten gestimmt hat. War es die vor Jahren geführte Diskussion um den Fortbestand des Freibades? „Möglicherweise, dabei ist das Thema doch längst erledigt und die Zukunft des Bades gesichert“, sagt der Bürgermeister.
Einige Hundert Meter vom Rathaus entfernt, im „Casa Caiombo“, treffen sich die Sozialdemokraten zur Wahlparty. Ein solider und fairer Wahlkampf, die richtigen Themen – das ist für den SPD-Vorsitzenden Michael Szymanski die Erklärung für den Sieg seines Parteifreundes. Für den SPD-Kreisvorsitzenden Werner Lager „ist das heute ein schöner Tag“. In drei Samtgemeinden im Nordkreis gebe es künftig einen SPD-Bürgermeister: „Wer hätte gedacht, dass das einmal möglich wäre.“ Und weiter: „Die politische Landkarte im Landkreis Osnabrück ist bunter geworden.“
„Der Nordkreis wird rot“, pflichtet ihm Wahlsieger Claus Peter Poppe bei. Auch er hat eine simple Erklärung für den Sieg: „Wir haben einen unaufgeregten Wahlkampf geführt, sind bei unserer Linie geblieben.“