Kritik an Gesamtschulplänen! Scholz warnt vor „Schulkrieg“ im Altkreis Bersenbrück

9. März 2014
Die Samtgemeinde Artland will in der Diskussion über die künftige Schulentwicklungsplanung im Landkreis Osnabrück das Artland-Gymnasium Quakenbrück und die Oberschule Artland (Bild) unbedingt erhalten. Foto: Christian Geers/Archiv

Die Samtgemeinde Artland will in der Diskussion über die künftige Schulentwicklungsplanung im Landkreis Osnabrück das Artland-Gymnasium Quakenbrück und die Oberschule Artland (Bild) unbedingt erhalten. Foto: Christian Geers/Archiv

NOZ  09.03.2014 Quakenbrück. Der Artländer Samtgemeindebürgermeister Reinhard Scholz hat Äußerungen seines Bersenbrücker Amtskollegen Horst Baier und des Bramscher SPD-Bürgermeisterkandidaten Heiner Pahlmann zur künftigen Schullandschaft scharf kritisiert. Beide Politiker halten im Altkreis Bersenbrück die Gründung von zwei neuen Gesamtschulen für möglich und sprechen sich für Ankum und Bramsche als Standorte aus. „Ich warne vor solchen Schnellschüssen. So wird die verabredete Diskussion über die künftige Schulstruktur unmöglich“, sagte Scholz.
Deutliche Worte fand der Artländer Verwaltungschefin der Sitzung des Samtgemeinderates. Er wundere sich sehr über die Äußerungen von Baier und Pahlmann. Diese seien in der laufenden Beratung über die künftige Schulstruktur in den vier Samtgemeinden und der Stadt Bramsche wenig hilfreich. „Ein Schulkrieg im Altkreis Bersenbrück“ wäre die Folge solcher Vorfestlegungen, befürchtete Reinhard Scholz.
Auch die Samtgemeinde Artland, da sei er sich sicher, könne umgehend einen Beschluss zur Gründung einer Gesamtschule fassen. „Das geht schneller, als sich das manche denken.“ Er kritisierte, dass sich Bersenbrück und Bramsche „schon die Rosinen herauspicken“ und Festlegungen träfen. „Wir haben uns alle darauf verständigt, dass unter Moderation des Landkreises Osnabrück im Herbst ein Vorschlag vorgelegt wird“, so der Samtgemeindebürgermeister. Voreilige Aussagen und Forderungen machten eine Kommunikation unmöglich.
Unterstützung erhielt Scholz von fast allen Fraktionen des Samtgemeinderates. Deren Sprecher äußerten Verständnis für die geäußerten Befürchtungen und teilten die Sorgen.
Allerdings mochte Jürgen Lindemann die „ganze Aufregung nicht verstehen“, hielt den Begriff „Schulkrieg“ für „überzogen“. Die Forderung nach Gesamtschulen in der Samtgemeinde Bersenbrück und der Stadt Bramsche sei ja nicht neu, sagte der SPD-Fraktionschef. „Aus deren Sicht ist der Wunsch nach einer IGS ein berechtigtes Anliegen.“ Dennoch: CDU und SPD hätten sich im Kreistag auf ein abgestimmtes Verfahren geeinigt, zunächst Suchräume für neue Gesamtschulstandorte zu benennen und anschließend zu entscheiden. Nach Lindemanns Worten sei es das erklärte Ziel der Samtgemeinde Artland, bestehende Schulstandorte – das Artland-Gymnasium und die Oberschule Artland – unbedingt zu erhalten. Eine zweite IGS im Nordkreis bedeute aber auch, dass mit Blick auf den Standort Fürstenau „keine Überkapazitäten geschaffen werden dürfen“.
Noch deutlicher wurde Hubert Schwertmann. Die Äußerungen Baiers und Pahlmanns seien sehr zu kritisieren. „Jeder kocht sein eigens Süppchen, ohne sich mit den Nachbargemeinden abzustimmen und an die Konsequenzen zu denken.“ Seine Forderung an die SPD: Sie müsse Baier an den verabredeten Fahrplan auf Kreisebene erinnern und ihm deutlich machen, „dass er so nicht vorgehen kann“. Und weiter: „Wir können in dieser Frage in der Kreismitte nicht jeden alleine wurschteln lassen.“  Claus Peter Poppe (SPD) versuchte, die Wogen zu glätten. „Kampfgeschrei“ sei das falsche Mittel, obwohl klar sei, dass solche Mitteilungen „natürlich Reaktionen hervorrufen“. Er sprach sich dafür aus, die auf Kreisebene vereinbarte Diskussion abzuwarten. Martin Lampe (FDP) erinnerte an die Vielzahl der Interessen im Landkreis in der Frage der künftigen Schulstruktur. „Darin muss sich die Samtgemeinde Artland wiederfinden“, forderte er. Christian Calderone (CDU) wies darauf hin, dass im vorgelegten Kompromisspapier auf Landkreisebene von „bis zu zwei Gesamtschul-Standorten“ die Rede sei. „Das kann auch heißen, dass es keine gibt.“ Johannes Jordan (Grüne) erkannte in allen Äußerungen, „dass wir uns mitten im Wahlkampf befinden“. Gleichwohl habe Scholz das Thema zurecht angesprochen. Mit Blick auf Bersenbrück und Bramsche stellte er fest: „So geht man nicht miteinander um.“

Einzig die Fraktion Die Linke scherte aus der Geschlossenheit aus. Nach den Worten von Andreas Maurer „macht die Samtgemeinde Bersenbrück ihre Hausaufgaben, während wir wieder schlafen“. Die mögliche Gründung einer IGS in Ankum sei nichts anderes als eine Reaktion auf den Elternwillen. Auch im Artland müsse es eine Gesamtschule geben, forderte er.