Schulabschluss nachholen! Auf Bildungsreise im Artland

23. Februar 2014
Vereint: Lehrer, Schüler, einige Ehemalige sowie Vertreter der Kooperationspartner. Gemeinsam leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Foto: Jürgen Ackmann

Vereint: Lehrer, Schüler, einige Ehemalige sowie Vertreter der Kooperationspartner. Gemeinsam leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Foto: Jürgen Ackmann

NOZ 20.02.2014 Quakenbrück. Nicht immer klappt es mit dem Abschluss in der Schule. Das ist ein Problem – vor allem im Blick auf das berufliche Fortkommen. Das Ende der Karriere muss der fehlende Abschluss aber nicht sein. In den Räumen des Mehrgenerationenhauses in Quakenbrück haben Menschen die große Chance, das einst Versäumte auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen – mithilfe des Vereins für Jugendhilfe und der Volkshochschule Osnabrücker Land. Das soll auch in Zukunft so bleiben, wünschen sich die Verantwortlichen.Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. Seit 2005 sind acht Hauptschulkurse über die Bühne gegangen. Seit 2008 zudem fünf Realschulkurse. 61 Teilnehmer haben inzwischen ihren Hauptschulabschluss in der Tasche, 78 den Realschulabschluss, davon 33 den erweiterten Abschluss, der beispielsweise dazu berechtigt – je nach Alter –, Abitur oder Fachabitur zu machen. Weit mehr als die Hälfte der Schüler absolvierte anschließend eine Ausbildung. Aktuell besuchen 17 Schüler den Hauptschulkurs, 15 den Realschulkurs.
Diese Erfolgsbilanz wollen die Verantwortlichen gerne weiter ausbauen. Sie möchten, dass der Standort Quakenbrück als Anlaufstelle für den ganzen Nordkreis dient, wie Christa Rapp, die Programmbereichsleiterin der VHS, bei einem Treffen in dieser Woche im Mehrgenerationenhaus erklärte. Ein zentrales Angebot in der Region sei wichtig, um benachteiligten jungen Menschen ohne unüberwindbare räumliche und finanzielle Hindernisse die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Der Weg zum nachträglichen Schulabschluss ist allerdings nicht immer einfach zu beschreiten. Es bedarf vieler Kooperationspartner, die sich ergänzen, wie Urthe Böhnert, die Geschäftsführerin des Vereins für Jugendhilfe, deutlich machte. So unterstützt die Samtgemeinde Artland die Projekte von VHS und Verein ideell und auch sächlich. Weiterhin gibt es eine Zusammenarbeit mit der Oberschule Artland, um Schüler zu begleiten, die aus vielschichtigen Gründen ohne Abschluss gehen. Überdies ist deren Schulleiterin Elfriede Brunken zugleich Vorsitzende der Prüfungskommission für die Abschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg. Und schließlich kümmert sich der Verein für Jugendhilfe in Zusammenarbeit mit der Maßarbeit um die Schaffung und Finanzierung von Arbeitsgelegenheiten für die Schüler. So können viele junge Leute Bezüge nach ALG II erhalten und dabei zusätzlich den Schulabschluss nachholen. Das ist in der Regel die Grundvoraussetzung, um überhaupt den zweiten Bildungsweg in Angriff nehmen zu können.
Auf diese Weise haben es die Partner bisher stets geschafft, jungen Menschen den Weg zu neuen Bildungszielen zu ebnen. Ist ein Kurs erst einmal voll, beginnt die Arbeit aber oft erst richtig. Das machte Lehrer Gerhard Marbold deutlich. Er habe gelernt, zunächst die Lerninhalte beiseitezuschieben. Vielmehr gehe es darum, den Schülern wieder eine positive Einstellung zum Leben und zum Lernen zu vermitteln, ihnen den negativen Stempel zu nehmen, um sie dann mit auf die folgende Bildungsreise nehmen zu können.
Trotz aller Kooperationspartner – ohne Ilona Thumann ginge es nicht. Die Lehrerin ist der Motor und die Seele der Projekte. Sie freut sich mit den jungen Leuten, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Note „zwei“ in Mathematik schreiben. Sie ist begeistert, wenn sie später erzählen, dass sie auch die Ausbildung erfolgreich geschafft haben.
Gelebtes Engagement, das die Kommune gern unterstützt, wie der Erste Samtgemeinderat, Frank Wuller, sowie der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Quakenbrück, Paul Gärtner, betonten. Die Arbeit der VHS und des Vereins für Jugendhilfe sei ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems in der Region. Überdies könne es sich die Gesellschaft nicht leisten, auch nur ein Talent verloren zu geben, betonten die beiden. Sätze, die alle Beteiligten gerne hörten. Quakenbrück und das Mehrgenerationenhaus wird so auch weiterhin ein guter Ausgangspunkt von erfolgreichen Zweitbildungswegen bleiben. Die Schüler werden es danken.