Kein „Lieblingsprojekt“ Bahnhof Quakenbrück: Großes Bürger-Interesse an Konzepten

10. April 2013
An den Stellwänden drängten sich die Besucher, um sich die Pläne für die drei Vorhaben erläutern zu lassen, hier im Bild Katrin Fritz. Foto: Elisabeth Gadeberg

An den Stellwänden drängten sich die Besucher, um sich die Pläne für die drei Vorhaben erläutern zu lassen, hier im Bild Katrin Fritz. Foto: Elisabeth Gadeberg


noz 10.04.2013 Quakenbrück. Die Zukunft des Bahnhofs bewegt die Menschen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Als am Dienstagabend im Forum der Oberschule die Konzepte der drei Investoren für den Quakenbrücker Jugendstilbahnhof vorgestellt wurden, erwartete die Initiatoren ein volles Haus.
Bürgerbeteiligung habe man sich auf die Fahnen geschrieben, eröffnete Stadtdirektor Reinhard Scholz den Abend mit dem Hinweis, Politik und Verwaltung sei es wichtig gewesen, noch vor der Entscheidungsfindung in Bauausschuss (15. April) und Rat (24. April) die Meinung der Bürger einzuholen.
Nun, so freute sich auch Bürgermeister Claus Peter Poppe, sehe man sich in dem Entschluss, die Diskussion mit den Bürgern zu suchen, bestätigt. „Dies ist keine Showveranstaltung“, ließ er wissen, dass Ideen, Anregungen und Kritik der Bürger in die Entscheidungsfindung mit einbezogen würden.
Im Anschluss stellten drei sachkundige, unabhängige Moderatoren die Konzepte vor. Danach konnten sich die Bürger an Stellwänden selbst ein Bild von den Plänen machen, Fragen stellen oder Kommentare zu den Projekten abgeben.
„Sachbearbeiter“ für die Seniorenresidenz war an diesem Abend Erster Samtgemeinderat Frank Wuller, der die von den Bürgern angesprochenen Themen referierte. Unter anderem waren es der massive Eingriff in die historische Bausubstanz (Anbau und Fahrstuhl in der Halle), die Sicherheit demenzkranker Bewohner, die Lärmemissionen durch ein geplantes Café und die Verknüpfung von Bahn und ÖPNV, die kritische Fragen hervorriefen.
Katrin Fritz (BauBeCon) hatte sich der sogenannten Office-Station angenommen. Hier galten Fragen vor allem der Wirtschaftlichkeit – nicht zuletzt angesichts der in der Stadt bereits vorhandenen Leerstände. Ebenfalls thematisiert wurden Mietpreise und Öffnungszeiten des geplanten Bistros– auch an Wochenenden zur Belebung des Bahnhofs.
Gleich zu Beginn regelrecht „bestürmt“ wurde die Stellwand mit den Plänen für „Gehobene Gastronomie mit Stadthallenfunktion“. Hier stand Jens Markendorf (ehemals BauBeCon) als Ansprechpartner zur Verfügung. Er vermerkte „positive wie negative Reaktionen“. „Was geschieht, wenn das Unternehmen nicht so läuft wie erwartet und der Investor sich zurückzieht“? Kommt dann doch die nicht gewünschte Diskothek? Wie kann die Anbindung von 200 Parkplätzen funktionieren?“ Es waren viele Fragen, die sich zu diesem Thema stellten, unter anderem auch die nach der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung sowie Fragen des Lärmschutzes und der Verdrängung vorhandener Gastronomie. Bezweifelt von vielen wurde der von dem Investor genannte Einzugsbereich von 40 Kilometern und die erwarteten 150 000 bis 160000 Besucher pro Jahr.
Eine Frage, die alle drei Konzepte berührte, war die Erreichbarkeit von Parkplätzen in der Neustadt und die damit verbundene Querung der Gleise sowie die öffentliche Zugänglichkeit des Gebäudes (Fahrkartenschalter oder Toiletten).
Am Ende der Präsentation war zwar noch nicht alles ausdiskutiert, zwei Dinge aber standen fest, so Stadtdirektor Reinhard Scholz: „Solche Konzepte wecken Emotionen“ und: „Es ist klasse, dass wir drei solvente Investoren gefunden haben“.