„Wer im Heiligen Land nicht an Wunder glaubt ist kein Realist!“

22. März 2009

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„Der Friede ist im Nahen Osten eine Utopie“, dies war die zentrale Aussage von Henning Niederhoff vor den Quakenbrücker Stadtgesprächen der CDU. Niederhoff, ehemaliger Leiter des Palästinensischen Verbindungsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, referierte in Quakenbrück zum Thema „Perspektive Nahost – Friede in Israel und Palästina?“.

Mit einigen Zahlen machte der Referent zunächst die geographische Dimension deutlich: das Israelische Kernland entspricht ungefähr der Größe Hessens, Israel inklusive der palästinensischen Autonomiegebiete umfasst etwa ein Gebiet der Größenordnung Brandenburgs. „Von manchen Stellen des Westjordanlandes sieht der Betrachter sowohl das Mittelmeer, als auch den Jordan!“ In diesem kleinen Staat gebe es an sich keine Alternative zum Frieden.

Niederhoff zeigte in einem differenzierten Bild auf, dass sich der Konflikt jedoch aus einer Vielzahl von Facetten zusammen setzt, die sich gegenseitig überlagern: religiöse, ethnische, nationale, demographische und territoriale. Angesichts dieser Fülle an Ursachen sei Israel von einem Frieden weit entfernt. „Wer allerdings im Heiligen Land nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“, wollte Niederhoff die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben nicht ganz beiseite schieben. Allerdings sei ein wann auch immer eintretender Friede nach menschlichem Ermessen nicht organisierbar: „Israel ist Gottes eigenes Land – und Gott muss es in Israel selber richten!“

Während seines mehrjährigen Aufenthaltes in der Region habe er sich oft gefragt, wie die Konfliktparteien ständigen Terror und psychische Belastung aushielten: „Beide sitzen auf ihren Zäunen, reden die Nöte und Verluste des anderen klein und sind unfähig zum Gespräch.“ Die Unterschiede seien gravierend und das Unverständnis für die Situation des anderen gesellschaftlich akzeptiert, so dass Friede als Utopie bezeichnet werden könne: „Die Palästinenser akzeptieren keinen jüdischen Staat, der 1948 auf Beschluss der Vereinten Nationen (UNO) entstanden ist, die Israelis haben den sie umgebenden arabischen Staaten demonstrativ den Rücken gekehrt und schauen Richtung Westen, begreifen sich zum Teil sogar als Staat Europas.“

CDU-Vorsitzender Christian Calderone bezeichnete Israel im 61. Jahr seines Bestehens zugleich als einen Staat ständiger Konflikte und als einen Staat des Westens, dessen Umfang an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religions- und Meinungsfreiheit in der Region seinesgleichen suche. In diesem Spannungsfeld Israel zumal als Heiliges Land dreier Weltreligionen differenziert zu betrachten, sei dem Referenten eindrucksvoll gelungen.