CDU debattierte über das christliche Element in der Parteiprogrammatik

13. Juni 2003

Dickerhoff: „C als Orientierungshilfe für Partei und Gesellschaft!“

CDU debattierte über das christliche Element in der Parteiprogrammatik

Quakenbrück
Das christliche Element nicht als Alibi zu missbrauchen und sich selbst nicht durch einen hohen moralische Anspruch zu überfordern, dazu rief Dr. Heinrich Dickerhoff vor der CDU Quakenbrück auf. Die Christdemokraten hatten den stellvertretenden Direktor der Katholischen Akademie „Kardinal-von-Galen“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Quakenbrücker Stadtgespräche“ eingeladen.
In seiner Einführung zitierte Moderator Christian Calderone aus dem Grundsatzprogramm der Partei. Darin sei formuliert, dass die Politik der CDU auf dem christlichen Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott beruhe. „Was aber lässt sich aus diesem christlichen Verständnis ableiten?“ Um als größte christdemokratische Partei Europas glaubwürdig zu sein, gelte es schließlich das ‚C’ im Parteinamen nicht nur vor sich herzutragen, sondern zu füllen.
„Mit dem neuen Testament lässt sich kein Staat machen,“ eröffnete Dickerhoff seinen Vortrag. Es führe keine direkter Weg vom Evangelium zur konkreten Politik. Damit sei das Christentum als einzige der drei monotheistischen Weltreligionen in seinen Ursprüngen nicht staatsbildend. Christen hätten es politisch grundsätzlich schwieriger als Juden und Muslime, die aus den jeweils verfassten religiösen Texten Koran und Altem Testament konkrete politische Handlungsmaxime erhielten. Aus christlicher Sicht müsse eher jeder „glatten“ Verbindung von Politik und Religion misstraut werden. Ein derart nahtloser Übergang sei vielmehr gefährlich, wie der Theologe am Beispiel des Islam verdeutlichte. Dennoch sei es legitim, als Christ Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. „Es gibt jedoch keinen Königsweg vom Glauben zur politischen Option, sondern nur den Weg der kreativen Konkretisierung der Glaubensüberzeugung in der Tagespolitik,“ zeigte sich Dickerhoff, der beim ehemaligen Quakenbrücker Kaplan Dieter Emeis promovierte, überzeugt. Ausgangspunkt sei, was nach christlichem Glauben Menschsein bedeutet. Danach werde der Mensch gleichzeitig als unvollkommen und als Geschöpf sowie Bild Gottes betrachtet. Daraus ergebe sich beispielsweise in der Sozialpolitik die Bedingung, als Politik den Menschen nicht durch einen extensiven Sozialstaat die wirtschaftliche Selbstverantwortung zu entziehen. Vielmehr habe zunächst der Einzelne die Pflicht, sich und seine Angehörigen zu versorgen. Familienpolitisch liege die Verantwortung für die Erziehung der Kinder bei den Eltern und dürfe ihnen nicht durch eine fortschreitende Ausdehnung des staatlichen Betreuungsaperrates entrissen werden. „Das ‚C’ ist damit eine Orientierungshilfe für eine im besten Sinne konservative Partei und für eine Gesellschaft, die sich immer schneller verändert, ohne zu wissen warum und wohin,“ so Dickerhoff abschließend.