Christian Calderone ist seit 2010 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Osnabrücker-Land und sitzt seit 2013 im Niedersächsischen Landtag (Archivfoto) Michael Gründel

Kreisvorsitzender im Interview – Christian Calderone über CDU-Wahlpleiten und seine politische Zukunft

29. Dezember 2021
NOZ von Nina Strakeljahn
Christian Calderone über CDU-Wahlpleiten und seine politische Zukunft
Kreisvorsitzender im Interview
 
Quakenbrück. Das Jahr 2021 lief für die CDU im Osnabrücker Nordkreis nicht gut. Bei Kommunal- und Bundestagswahlen gab es herbe Verluste. Im Interview zieht der Kreisvorsitzende Christian Calderone aus Quakenbrück Bilanz.

Herr Calderone, wie bewerten Sie mit ein wenig zeitlichem Abstand die Ergebnisse der Kommunalwahl?
Das war eine Wahl unter schwierigen Bedingungen. Nach den Analysen unserer Landespartei hatte der Bundestrend auch auf die Kommunalwahl Auswirkungen. Ich habe eine Analyse der letzten niedersächsischen Wahlen vor Augen, die zeigte, dass der Bundestrend in Niedersachsen immer dominierend war, auch beispielsweise bei den Landtags- und Kommunalwahlen. Ich glaube daher, das hat uns beeinflusst, bei allen Unterschiedlichkeiten, die es auch regional gibt. Deshalb gibt es meines Erachtens auch keine Erklärung über alle Kommunen hinweg. 

Zur Person

Seit elf Jahren Kreisvorsitzender
Christian Calderone (44 Jahre) ist seit 1996 Mitglied der CDU. Im Jahr 2010 wurde er zum Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Osnabrück-Land gewählt und ist seit 2010 zudem stellvertretender Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland.
Im Jahr 2013 kandidierte der freiberufliche Jurist erstmals für einen Sitz im Niedersächsischen Landtag und gewann gegen den SPD-Bewerber Claus-Peter Poppe das Direktmandat im Wahlkreis 73, der die Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen sowie die Stadt Damme und die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden umfasst. Bei seiner Wiederwahl 2017 setzte er sich gegen den SPD-Bewerber Matthias Wübbel durch.
Seit 2001 gehört Calderone dem Quakenbrücker Stadtrat und dem Rat der Samtgemeinde Artland an. Seit 2011 ist er Mitglied des Kreistages im Landkreis Osnabrück. 

Der Bundestrend ist ein Erklärungsansatz. Aber selbst in Hochburgen wie der Samtgemeinde Neuenkirchen hat die CDU deutlich verloren, im Artland und Fürstenau sind Mehrheiten verloren gegangen. Warum ist die CDU nicht mehr so gefragt?
Neben allgemeinpolitischen Trends hat die Wählerwanderung auch viel mit der Veränderung der Gesellschaft zu tun. Die Gesellschaft wird auch in unserem Raum heterogener. Die Bindungskraft von denjenigen, die früher eine hohe Bindungskraft hatten, wie Kirchen und Vereine, nimmt ab und das trifft auch die Christdemokratie. Dann gibt es sicherlich auch im ländlichen Raum in der Frage des sozialen Miteinanders, in der Frage ökologischer und klimapolitischer Ausrichtung neue Präferenzen der Menschen, denen wir uns als CDU bislang vielleicht nicht immer ausreichend gewidmet haben. Das ist eine große Aufgabe. Wir waren in unserer Geschichte als Union eigentlich immer diejenigen, die politisch die verschiedenen Enden zusammenbinden konnten. Wir waren immer Volkspartei. Von christlich-demokratischer Arbeitnehmerschaft bis Mittelstandsvereinigung, von Senioren Union bis Junger Union hatten wir immer ein breites Spektrum. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert und das müssen wir uns wieder erarbeiten. 

Inwieweit treffen diese Veränderungsprozesse in der Gesellschaft gerade die CDU?
Wir haben bundes- und landesweit schon das Phänomen, dass die Christdemokratie vor allem in katholisch geprägten Regionen stärker ist. In Niedersachsen sind wir zum Beispiel traditionell im Westen, also im Emsland, Osnabrücker Land, Cloppenburg und Vechta, sehr stark. Diese Wahlkreise waren früher durch das katholische Milieu geprägt und das verändert sind in den vergangenen Jahren stark. Hinzu kommt noch die Veränderung durch Zuzüge, die Gesellschaft wird heterogener. Gerade in Quakenbrück ist das von Bedeutung, denn wir haben sehr viele verschiedene Communities, die Stadtgesellschaft prägen. Da ist sicher eine große Herausforderung, das wir unter unserer Mitgliedern und bei den Kandidaten diese Vielfalt abbilden. Das passiert nicht immer in ausreichendem Maße.

Ist der Generationswechsel missglückt?
Nein, das würde ich nicht sagen. Wenn Sie auf die Kandidatenlisten schauen, haben wir schon ein breites Spektrum in den Generationen. Unsere Listen sind auch weiblicher geworden, das war nötig. Die CDU bildet vor Ort die verschiedenen Generationen und Geschlechter ab. Was schlechter funktioniert hat, war, uns für neue Bevölkerungsgruppen zu öffnen. 

Wollen Sie sich Ökologie und Klima jetzt noch mehr auf die Fahne schreiben?
Die CDU ist in stadtklimapolitischen Fragen in Quakenbrück schon recht fortschrittlich. Wir haben uns stark bei der Berücksichtigung ökologischer Belange in der Bauleitplanung oder bei der Stadtbegrünung eingebracht. Im Landkreis setzen wir mit dem Thema der Wiedervernässung der Moore ein Zeichen. Das müssen wir aber den Menschen näher bringen. Auch das Thema Mobilität spielt bereits eine große Rolle, ich setze mich auf Landesebene beispielsweise intensiv ein für die Verbesserung der Schienenverbindungen Osnabrück-Oldenburg und Osnabrück-Bremen. 

Woran liegt es, dass das die Menschen nicht erreicht?
Wir müssen unsere Kommunikationswege verbessern, das ist eine nächste Herausforderung, die alle Parteien haben. Die Menschen holen sich ihre Informationen heute über viele verschieden Kanäle.

Die CDU ist weiblicher geworden, das war auch nötig, sagen Sie. Wäre eine paritätische Listenaufstellung etwas für die nächste Wahl?
Ich habe keine Bedenken, dass wir auf dem Weg weiter voranschreiten, mehr Frauen, aber auch mehr Menschen mit Migrationshintergrund zu begeistern, für uns zu kandidieren. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir auch bestehende Milieus haben und das wir auch mit denjenigen stark sind, die schon lange Politik machen. Denn Ratsarbeit lernt man nicht durch einen Fingerschnipp, das ist auch ein Prozess. 

Welche Niederlage hat Sie in den vergangenen Jahren am meisten geschmerzt?
Als Kreisvorsitzender war das sicher die Landratswahl 2019.

Inwiefern zweifeln Sie nach solchen Niederlagen?
Natürlich habe ich nach solchen Wahlen Zweifel. Natürlich schiebe ich eine solche Wahl nicht einfach weg und sage, jetzt mache ich mal schön weiter. Was ist der richtige Weg für die Kreispartei, für die Region, für die eigene politische Arbeit – diese Frage stelle ich mir selbstverständlich. Wir haben natürlich im Kreisverband und in allen Gremien die Wahl intensiv aufgearbeitet

Inwiefern schwächen die Niederlagen Ihre Position als Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter?
Das ist eine Frage, die die Delegierten und Mitglieder immer wieder neu entscheiden. Ich fühle mich weiterhin getragen, sowohl kreisweit als auch im Wahlkreis. 

Nächstes Jahr ist Landtagswahl. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Treten Sie wieder an?
Das entscheiden die Mitglieder. Für das Frühjahr 2022 sind die Nominierungen terminiert. Lust habe ich auch weiterhin. Und vielleicht kann ich weiter einen Beitrag leisten, diese Region positiv zu entwickeln. Ich empfinde es als Geschenk, hier politisch tätig sein zu dürfen. (Weiterlesen: Quakenbrücker Christian Calderone kandidiert für die CDU)

Am Ende eines schwierigen Jahres hat die CDU hat einen neuen Bundesvorsitzenden. Wie ist Ihre Haltung zu Friedrich Merz?
Ich finde zunächst die Bestimmung des Bundesvorsitzenden über eine Mitgliederbefragung zeitgemäß und sinnvoll. Unser Kreisverband hat dafür intensiv gegenüber Landes- und Bundespartei geworben. Am Wahlergebnis lässt sich der Wunsch der Mitgliederschaft nach klaren Botschaften ablesen. Das ist nach langjähriger Regierungsverantwortung, die immer mit Kompromiss und Konsens verbunden ist, nicht außergewöhnlich. Und das Wahlergebnis zeigt eine große Geschlossenheit unserer Partei, indem bei einer hohen Wahlbeteiligung fast zwei Drittel der Mitglieder für Friedrich Merz gestimmt haben.

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