Reitsport statt Schießübung

09.08.2006

Die einen kommen, die anderen gehen: Für unser Foto setzten Dr. Ansgar Peiß und Peter Selter auf der Kutsche sowie einige Soldaten der Pommernkaserne schon mal die künftigen Planungen bildlich um.

Im Landkreis Osnabrück gibt es 12000 Pferde, mehr als 80 Reiterhöfe und gut 4000 Arbeitsplätze, die vom Reitsport abhängen – ein “Pferdeland”, das sich da zwischen dem Börsteler Wald und dem Neuenkirchener Berg ausbreitet. Nun soll es einen eigenen Campus mit allem, was dazugehört, bekommen – ganz im Norden, in Fürstenau, in einer Kaserne.Dass der Reitsport boomt, ist auch im Nordkreis unübersehbar. Alte Höfe haben sich auf die neuen finanzkräftigen Pferdefreunde spezialisiert. Das internationale Fahrturnier “Fürstenauer Frühling” hat sich bereits mit seiner zweiten Auflage einen Namen gemacht, der Berger Reit-, Zucht- und Fahrverein ist regelmäßig Gastgeber für Wanderreiter aus ganz Deutschland, die Hallen in Bippen und Berge sind gerade erst aus- beziehungsweise neu gebaut worden. Großstädtisches Klientel vom Niederrhein lädt zu Schleppjagden ins Börsteler Idyll ein.Das gewichtige i-Tüpfelchen auf alle bisherigen Aktivitäten könnte nun ein Pferdesportcampus in der Pommernkaserne sein, der auf 330 Hektar die Welt des Reitsports fokussieren will. Das Konzept dazu, das Dr. Ansgar Peiß vom Reit- und Fahrverein Fürstenau und der Konversionsbeauftragte für die Pommernkaserne, Peter Selter, entwickelt haben, sieht eine Kombination aus Breiten- und Spitzensport verbunden mit touristischen und vor allem sozialen Aspekten vor. Oberstes Ziel: das riesige Kasernengelände mit seiner Sporthalle, den Werkstätten und den Wohngebäuden auch nach dem Abzug der Soldaten 2008 ganzjährig mit Leben zu fühlen.Nur die Organisation von großen Reit- und Fahrturnieren reicht dafür aber nicht aus. Sie könnten jedoch den geplanten Campus überregional bekannt machen und so weiteren Aktivitäten den Boden bereiten. Dazu gehört beispielsweise das therapeutische Reiten, um benachteiligten jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Hier hoffen Peiß und Selter auf den Landkreis, der gerade dabei ist, dass “Therapieland Osnabrücker Land” auf die Karten der Republik zu bringen. Fürstenau könnte ein Ausrufezeichen setzen.Auch ein Reitinternat, das ein sozialer Träger verantworten soll, und das Wohnen, Lernen und Trainieren unter einem Dach vorsieht, soll für neue Betriebsamkeit in der Kaserne sorgen. Überdies könnte die Fachhochschule Osnabrück dort den Studiengang “Pferdefachwirt” anbieten. Erste – Erfolg versprechende – Gespräche hat es gegeben. Ein Haustierpark, in dem alte Rassen gezüchtet und gezeigt werden, könnte das Angebot abrunden.All das ist noch Zukunftsmusik. Allerdings stehen hinter dem Projekt einige wichtige Namen der Reitsportszene, die mit ihrem Rat dafür sorgen wollen, dass die Idee ihren Kinderschuhen alsbald entwächst – Ulrich Kasselmann, Franke Sloothaak, August Gründker. Auch der Landkreis steht hinter dem Projekt. Einbezogen werden sollen auch die Samtgemeinden in der Region. “Wir wollen keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander”, betonen Selter und Peiß, der als E.ON-Manager übrigens mit Großprojekten vertraut ist. Angelegt ist das Vorhaben auf einen Zeitraum von mehreren Jahren. Mit anderen Worten: Der Pferdesportcampus würde erst im Laufe der Zeit an Kontur gewinnen. Perspektivisch rechnen Peiß und Selter mit mindestens 150 Beschäftigungsverhältnissen.