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Fürstenau. Seit dem 19. März ist Manuela Nestroy Bürgermeisterin der Stadt Fürstenau. Im Interview blickt sie auf ihre ersten sieben Monate im Amt zurück.

Wie geht es Ihnen nach rund sieben Monaten im Amt?

Es geht mir sehr gut, obwohl vieles ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt habe. Absolut positiv ist, dass ich mit vielen Menschen in Kontakt komme, quer durch alle Altersklassen, von den Kindern in Kitas und Schulen bis zu den Älteren und Hochbetagten. Sie alle geben mir viel zurück an Sympathie und Anregungen, wenn ich ihnen aufmerksam und interessiert begegne. 

Wie viel Zeit investieren Sie in die Aufgaben als Bürgermeisterin?

Die Tage sind sehr ausgefüllt, und ich bringe mehr Zeit ein, als ich ursprünglich geplant hatte. Unter anderem nehmen die Vor- und Nachbereitung von Terminen ein großes Zeitfenster ein. Doch das ist so in Ordnung, denn für die Gespräche mit den Menschen vor Ort brauche ich Zeit, und die nehme ich mir auch gerne. Dafür erhalte ich viele Anregungen, die ich an die Verwaltung weitergebe. Deren Mitarbeit ist hervorragend, wir schauen zusammen, was umgesetzt werden kann.

Was macht Ihnen am meisten Spaß bei der Arbeit als Bürgermeisterin?

Der direkte Kontakt zu den Menschen ist mir äußerst wichtig. Wie etwa im Seniorenheim La Vida, da ist seit der ersten Sprechstunde mit rund 30 Personen immer volles Haus. Ich nehme Anstöße mit, berichte über das, was schon umgesetzt werden konnte, und werde motiviert durch das große Interesse, was mir als Person und für meine Arbeit entgegengebracht wird. Und natürlich bleibt noch Zeit, eigene Projekte an den Start zu bringen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat in Fürstenau?

Ich bin seit drei Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, und es macht mir immer noch viel Freude, an einvernehmlichen Lösungen im Rat mitzuarbeiten, gerne auch dann, wenn zuvor kontroverse, aber konstruktive Gespräche geführt werden. In meiner Position als Bürgermeisterin agiere ich allerdings parteiunabhängig, denn die Belange der Bewohner der Stadt sowie der Ortsteile haben für mich oberste Priorität.

Was konnten Sie im ersten halben Jahr schon anschieben?

Erst einmal habe ich mir Arbeitsblätter entwickelt, um Anregungen – etwa aus der Bürgersprechstunde – umfassend aufzunehmen. Die gebe ich dann an die Verwaltung weiter und nutze sie auch als Vorlage, um den Bürgerinnen und Bürgern die erreichten Ergebnisse mitzuteilen. Aktuell bearbeiten wir die Hinweise einer Rollstuhlfahrerin, die mir eine Ausarbeitung über die Hindernisse in Fürstenaus Straßen aus ihrem Blickwinkel übergeben hat. Es umfasst neben Stolperstellen auch wild parkende Autos. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial, von dem langfristig auch Menschen mit Geheinschränkung, mit Rollator oder auch mit Kinderwagen profitieren können.

Wie reagieren die Menschen in Fürstenau auf Sie?

Als erste Frau im Bürgermeisteramt der Stadt habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht, die Menschen kommen mir offen entgegen und akzeptieren mich, wie ich bin. Möglicherweise treten manche anders an mich heran als an meine männlichen Vorgänger. Dadurch ergeben sich aber auch Perspektiven, um neue Themen zu entdecken und weitere Schwerpunkte zu setzen, ohne die bisherigen zu vernachlässigen.

Was war Ihre größte Herausforderung bisher?

Durch meine vorherige berufliche Tätigkeit im Marketingvertrieb und Management habe ich viele Fähigkeiten entwickelt, die ich jetzt gut einbringen kann. Dazu gehört sicherlich ein selbstbewusster Ehrgeiz, Dinge anzutreiben und voranzubringen. Dabei schätze ich für meine Arbeitsweise ein durchaus energisches Tempo, das andere manchmal doch überrascht. Im Alltag von Politik und Verwaltung gibt es allerdings andere Zeitfenster als in der freien Wirtschaft. Da ist Geduld eine zielführende Eigenschaft, und die habe ich auch.

Welche Themen sind für Sie besonders wichtig?

Neben den regelmäßigen Seniorensprechstunden im La Vida und den Bürgersprechstunden an jedem dritten Donnerstag im Rathaus ist das seit drei Jahren super angenommene Seniorenkino ein Projekt, das ich weiter unterstütze. Am 6. November startet zudem das Frauenforum mit einem Info- und Workshop-Abend als Auftakt. Mit diesem langfristigen Projekt möchte ich die Frauenpower in Fürstenau stärker vernetzen und wünsche mir, dass viele Frauen dabei mitmachen. Sowohl die, welche sich jetzt schon in Vereinen wie Landfrauen, KFD oder anderen Gruppen engagieren, aber auch neue interessierte Frauen, die sich einbringen möchten. Dabei möchte ich betonen, dass ein Frauenforum in Fürstenau nicht gegen Männer gerichtet ist, sondern ein Austausch von Frauen zu Frauen sein soll. Denn ohne den Rückhalt unserer Männer in den Familien würden viele Dinge anders laufen. Doch die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich, und hier gibt es viel Energie, die durch bessere Vernetzung noch mehr für die Frauen in Fürstenau und in den Ortsteilen bewirken kann.