Mit Megafon und Fanfaren

24.04.2009

Von Jürgen Ackmann
Fürstenau.
Laut war es, bunt war es und fröhlich: Mehr als eine halbe Stunde lang schlängelte sich gestern ein Demonstrationszug durch Fürstenau, bevor er vor den Treppenstufen des alten Rathauses am Marktplatz stoppte. Dort machten Eltern- und Schülervertreter gegen die Pläne der Landesregierung mobil, an Gesamtschulen das Abitur nach zwölf Jahren einzuführen. Auch 2000 Unterschriften wechselten den Besitzer.

Alexander Moor bei der Arbeit. Fotos: Egmont Seiler
Alexander Moor bei der Arbeit. Fotos: Egmont Seiler
Die Druckluftfanfaren aus der Postenbörse tönten, Plakate mit Aufschriften wie „Abi nach zwölf Jahren gehört verboten – wir wollen gute Noten“ flatterten im Wind, ein Polizeiauto fuhr gemächlich voran, dahinter Andreas Moor mit seinem Megafon als Taktgeber für insgesamt 700 Demonstranten. Er erledigte seine Aufgabe selbstbewusst und cool – auch später auf der Rathaustreppe als Sprücheklopfer und Moderator. Damit zeigte er zugleich, warum er Kreisschülersprecher ist.

War es ein „historisches Ereignis“ für die IGS, wie manch einer auf dem Marktplatz raunte? In gewisser Weise schon. Die letzte große Demonstration ging in den 70er-Jahren über die Bühne. Damals wie heute ging es um die Zukunft der Schule und um ihre pädagogische Ausrichtung. Das machte auch die Vorsitzende der Elternschaft, Kerstin Höfer-Schmidt, klar. Es könne nicht sein, dass die Landesregierung ein überaus erfolgreiches Konzept zerschlagen wolle. Werde an der IGS das Abitur nach zwölf Jahren 2018 eingeführt, sei es mit dem gemeinsamen Lernen und der Chancengleichheit unabhängig von der Herkunft vorbei. Dann werde das passieren, was an Gymnasien in diesen Tagen immer wieder zu hören sei. Dass also Schüler mit der Stofffülle und dem Druck nicht mehr fertig würden, Depressionen und Bauchschmerzen bekämen. Es sei kein Zufall, dass die IGS inzwischen die Schüler, die von anderen Schulen kommen wollten, gar nicht mehr alle aufnehmen könne. „Gebt unseren Kindern Zeit für einen guten Schulabschluss“, appellierte sie an die Politiker. Auch der Samtgemeinderat sei gefordert, sich für die IGS einzusetzen.

Kaum waren die Worte von Kirsten Höfer-Schmidt verklungen, war wieder Alexander Moor an der Reihe, um rund 2000 Unterschriften an Samtgemeindebürgermeister Peter Selter zu übergeben. Der erklärte, dass er Verständnis für die Eltern und Schüler habe. Gleichwohl werde Kritik nur wirkungsvoll sein, wenn sie konstruktiv sei. Er arbeite deshalb mit einer kleinen Expertenrunde einen Vorschlag, damit der integrative Aspekt der Arbeit im Sinne der IGS erhalten bleibe. In dieser Sache habe er im Mai ein Gespräch in der Staatskanzlei, um das Fürstenauer Konzept vorzustellen, dass sich nach Möglichkeit in einem neu auszugestaltenden Gesamtschulerlass wiederfinden solle.

Weiterhin erklärte Peter Selter, dass der Samtgemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag wahrscheinlich einen Beschluss fassen werde, um die IGS im Sinne des erarbeiteten Konzeptes zu unterstützen. Auch die Unterschriften werde er in Hannover gut platzieren, betonte der Samtgemeindebürgermeister.

Auf diese Weise ging die Demo tatsächlich konstruktiv und hoffnungsvoll zu Ende – vielleicht sogar als Lehrstück in Sachen Demokratie für die Schüler. Und auch in Solidarität. Denn die jetzigen Eltern und Kinder sind gar nicht vom IGS-Abi nach zwölf Jahren betroffen. Erst die heutigen Drittklässler.