Mit Abwarten und Hoffen erleiden wir Schiffbruch”

18.06.2005

Mit Abwarten und Hoffen erleiden wir Schiffbruch”
Von Christian Geers
Fürstenau
Die Stadt Fürstenau will keine Zeit verlieren bei der Suche nach einer Nachnutzung für die Pommernkaserne. Am 7. September soll der “Runde Tisch Konversion” seine Arbeit aufnehmen. “Das ist die zentrale Zukunftsaufgabe für die Stadt”, sagt Peter Selter, allgemeiner Vertreter des Fürstenauer Samtgemeindebürgermeisters. Das Interview im Wortlaut:

Herr Selter, in der Stadtverwaltung haben die Vorbereitungen für die Zeit nach dem Abzug der Bundeswehr begonnen. Es soll ein “Runder Tisch Konversion” eingerichtet werden. Was genau verbirgt sich dahinter?

Selter: Unter der Federführung der Stadt Fürstenau setzen sich Experten aus verschiedensten Bereichen an einen Tisch und erarbeiten gemeinsam, welche Nachnutzung am heutigen Standort der Pommernkaserne denkbar und planbar ist. Beteiligte sind in der ersten Phase der Landkreis Osnabrück, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WIGOS) des Landkreises und die für die Verwertung der Kaserne zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Mit dabei sind bei Bedarf weitere Fachbehörden, außerdem Vertreter aus Rat und Verwaltung, des Sanitätsregiments 12 und – ganz wichtig – aus der Einwohnerschaft. Denn Vereine, Verbände und Interessengruppen aus Fürstenau wollen und müssen wir unbedingt in diesen Planungsprozess einbeziehen.

Mancher “Runde Tisch” wurde vollmundig angekündigt und hat dann doch nur als bloße Plauderrunde von sich reden gemacht…

Selter: …Das wird es bei uns nicht geben. Der Auftrag an alle Beteiligten ist klar: Wir führen an diesem Tisch Experten mit vielen Professionen, Kompetenzen und Talenten zusammen, die uns als Stadt bei der Entwicklung von Ideen und Konzepten für das Kasernengelände behilflich sind. Im Blick haben wir dabei zunächst die rund 38 Hektar große Fläche mit den Gebäuden und Werkstätten. Der “Runde Tisch” koordiniert die Arbeit und begleitet sie inhaltlich. Alles soll sehr transparent ablaufen. Zum Stichwort Plauderrunde: Der “Runde Tisch” wird sich mit der Aufgabe beschäftigen und nicht mit sich selbst.

Welche ersten Schritte wird es geben?

Selter: Für die Stadt stellt sich zuallererst die Aufgabe, neben einer Untersuchung der Bausubstanz die bisherigen und künftigen Nutzungsideen zu überprüfen und zu bewerten. Ziel ist, ein umfassendes Nutzungskonzept für die Bundeswehr-Liegenschaft in Form eines Masterplanes zu entwickeln. Allein der Analyseprozess ist eine sehr vielschichtige Angelegenheit, für den alleine schon eine fachliche Unterstützung durch externe Fachplaner erforderlich sein wird. Das kann die Stadt Fürstenau selbst nicht komplett leisten.

Wann beginnt das Gremium mit seiner Arbeit?

Selter: Den Startschuss geben Landrat Hugo und Stadtdirektor Helmut Kamlage am 7. September mit einer Auftaktveranstaltung.

Nun könnte die Stadt Fürstenau ja auf die Idee kommen und hoffen, dass nach den in Aussicht gestellten Neuwahlen und dem möglichen Regierungswechsel in Berlin auch die beschlossene Schließung von Bundeswehr-Dienststellen rückgängig gemacht wird…

Selter: Gedankenspiele und bloße Hoffnungen helfen uns keinen Schritt weiter. Wir müssen mit Fakten umgehen. Und danach sind die verkündeten Standortschließungen der Bundeswehr beschlossene Sache. Im Übrigen ist die Schließung der Pommernkaserne keine Einzelentscheidung, sondern Bestandteil eines sehr komplexen Konzeptes. Die Stadt kann nicht abwarten und hoffen. Mit dieser Haltung würden wir ganz sicher Schiffbruch erleiden und unserer Verantwortung überhaupt nicht gerecht werden. Vereinzelte Meinungen, die in diese Richtung gehen, sind für mich inakzeptabel. Die zentrale Zukunftsaufgabe für die Stadt Fürstenau lautet, sich den weit reichenden und sehr schwierigen Folgen der Standortschließung zu stellen und eine für alle zufrieden stellende Lösung für die Pommernkaserne zu finden. Wir müssen jetzt den Weg beginnen.