Missbrauch: Gymnasium im emsländischen Handrup ruft Betroffene zum Kontakt auf

28.04.2010

NOZ 28.04.2010
hav Handrup/Bonn.
Mit einer Offensive reagiert das katholische Gymnasium Leoninum im emsländischen Handrup auf Vorwürfe von Missbrauch und Gewalt in dem von Herz-Jesu-Priestern geführten früheren Internat. So hat die Schule zusammen mit der Provinzleitung des Ordens ein Gremium zur Aufarbeitung der Vorgänge berufen.

Ihm gehören Pater Rektor Olav Hamelijnck, Schulleiter Franz-Josef Hanneken und sein Stellvertreter Paul Wöste an. Die Schule bittet alle, die von den Vorgängen betroffen sind oder zur Klärung der Vorgänge beitragen können, sich an einen der Ansprechpartner zu wenden.

„In jedem Fall sichern wir Vertraulichkeit zu“, erklärt die Schulleitung auf der Homepage der Schule. Dort stehen auch die Namen von zwei externen Ansprechpartnern: des Missbrauchsbeauftragten der Orden, Georg Beirer aus Bischberg, und der Ärztin Irmgard Witschen-Hegge aus Westerkappeln.

In den nächsten Tagen will der Orden der Herz-Jesu-Priester einen Brief an alle Ehemaligen schicken, wie der Provinzial der deutschen Ordensprovinz, Pater Heiner Wilmer, am Dienstag in Bonn ankündigte. Auch auf der Homepage der Herz-Jesu-Priester äußert er sich zu den Vorwürfen: „Es tut uns weh anzuerkennen, dass es in der Vergangenheit Gewalt an Schutzbefohlenen gegeben hat“, erklärt Wilmer, der bereits längere Gespräche mit Opfern führte. Per Brief, Telefon und Email hatten sich Betroffene an den Orden gewandt.

„Es geht um physische, sexuelle und psychische Gewalt von Mitbrüdern an Schülern und Schülerinnen, die zwischen 25 und über 50 Jahre zurückliegen“, erklärt der Provinzial. „Wann immer durch Mitbrüder ein Kind oder ein Jugendlicher verletzt wurde, bedauere ich dies zutiefst“, schreibt Wilmer, der von 1998 bis 2007 selbst Schulleiter in Handrup war.

„Schüler und Schülerinnen sahen sich der Anwendung von Gewalt und sexuellen Übergriffen ausgesetzt“, heißt es in der Stellungnahme. „Sie erlebten ein Gefühl von Scham, Ohnmacht und Ausgeliefert sein. Ihre Stimme wurde nicht gehört, manchmal erstickte sie in der eigenen Beklemmung.“