Keine Medizin gegen Praxissterben?

26.06.2009

ms Altkreis Bersen brück.
Eine Bevölkerung, die im Durchschnitt immer älter wird, bräuchte eigentlich mehr Ärzte, Praxen, Gesundheiteinrichtungen. Es werden aber eher weniger, ergab ein „Runder Tisch“ zum Thema ärztliche Versorgung“ in Bersenbrück.

Lokales Gegensteuern funktioniert nur begrenzt, scheitert an Vorbehalten. Die Politik müsste die Rahmenbedingungen im ländlichen Gesundheitswesen radikal ändern. Dr. Michael Kampmeyer hatte zu diesem Treffen gebeten, um das Projekt seines Palliativ-Care-Teams „Indian Summer“ vorzustellen, und überbrachte damit noch die beste Nachricht des Abends: Wenn die Medizin nicht mehr heilen kann, soll es künftig flächendeckend Sterbebegleitung geben durch speziell geschulte Teams von Ärzten, Pflegern, Begleitern, ganzheitlich und humanitär ausgerichtet. Ärzte und Krankenkassen verhandeln intensiv über die Bedingungen.

Doch der „Ferienstress“ der Landärzte, die sich um die 1500 oder mehr Patienten der Nachbarpraxis zusätzlich kümmern müssen, wenn der Kollege in Urlaub ist – das könnte Dauerzustand werden, fürchtet Dr. Michael Lübbersmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Bersenbrück. Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung aus Osnabrück mochten ihm nicht widersprechen. Sie vermitteln zwischen Ärzteschaft und Krankenkassen, sind damit eingebunden in die Umsetzung von Bedarfsplanungen, Budgetierungen, Deckelungen.

Zurzeit sind die Samtgemeinden Bersenbrück mit 15 Hausärzten und Fürstenau mit elf überdurchschnittlich versorgt, berichtet Marco Kania. Doch die Zahl wird zwangsläufig sinken, weil ältere Ärzte ausscheiden und weniger jüngere den Sisyphos-Beruf Landarzt anstreben, ist er sich mit seinem Chef Norbert Wrase einig.

Die Kassenärztliche Vereinigung versucht, dem Praxensterben gegenzusteuern mit finanziellen Anreizen für niederlassungswillige Ärzte. Deshalb habe sie auch die Bezirke für die „Bereitschaftsdienste“ vergrößert, damit Ärzte mehr Freizeit haben: In den Samtgemeinden Bersenbrück und Fürstenau hat nur noch eine Praxis Rufbereitschaft, wenn alle anderen geschlossen sind. Ein Fahrdienst transportiert gehunfähige Patienten, die schlimmstenfalls von Fürstenau nach Gehrde müssen.

Unzumutbar für die Patienten, Stückwerk obendrein, kritisierten Ärzte aus der Runde: Wer wirklich Ärzte aufs Land holen wolle, müsse ihnen den Mühlstein der Regresspflicht von den Schultern nehmen. Und die Budgetierung kippen: Landärzte müssen eh überdurchschnittlich viele Patienten versorgen. Das Budget zwingt sie, Patienten abzuweisen oder kostenlos zu behandeln.

Zurückhaltend reagierte die niedergelassene Ärzteschaft auf das Werben Ralf Brinkmanns und Josef Heiles um verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ankumer Marienhospital. Man könne sich gegenseitig finanziell absichern, statt um den gleichen Topf zu konkurrieren. Die Zurückhaltung könnte damit zusammenhängen, dass in Ankum gerade gleich zwei Ärztehäuser gebaut werden. Georg Dobelmann stellte sein Projekt vor und zeigte sich optimistisch, auch die zwei von vier Praxen zu vermieten, für die er zurzeit noch keine Interessenten hat.

An eine Bereitschaftspraxis vielleicht, die das Krankenhaus schon einmal anstrebte? Ralf Brinkmann versichert, das Marienhospital sei nur an Fachärzten interessiert.

„Hochinteressant“ fand die Diskussion Fürstenaus Samtgemeindebürgermeister Peter Selter. Die Herausforderungen dadurch lösen zu wollen, in Ankum die medizinischen Angebote zu stärken, greife seiner Meinung nach vollends zu kurz, teilte er gestern mit. „Unsere Aufgabe ist es, die Versorgung mit Haus- und Fachärzten in der Fläche so optimal wie möglich zu erhalten und zu stärken. „Dabei komme der KVN eine zentrale Rolle zu.“