Ich war eben so wie ich war“

13.11.2006

Eintragung ins “Goldene Buch”

„Ich war eben so wie ich war“
ja Fürstenau.
30 Jahre und fünf Tage war er als Bürgermeister im Amt – Reinhold Schröder. EinMann, für den das Wort „Kontinuität“ erfunden worden sein könnte, ein Mann, derüber sich selbst sagt: „Ich war eben so wie ich war.“ An die 200 Gäste hattensich in der Aula der IGS versammelt, um ihrem frisch gebackenenAltbürgermeister die Ehre zu erweisen.

Was mit einem Gottesdienst um 16 Uhr in der Schlosskirchebegonnen hatte, endete irgendwann am späten Abend mit kleinen Plaudereien amRande und einem Buffet, das das Hotel Stratmann in der IGS servierte.Dazwischen gab es eine Kutschenfahrt, Ehrenmedaillen, die Nationalhymne mit derStadtkapelle, zwei Bilder mit Fürstenauer Ansichten, mehr als ein DutzendAnsprachen und ein bisschen Statistik – zum Beispiel, dass Reinhold Schröder inseiner Amtszeit 19 Kommandeure in der Pommernkaserne hat kommen und gehensehen, oder dass er an rund 120 Ratssitzungen teilgenommen hat.

Zahlen, die vor allem eines belegten: Reinhold Schröders Leistung ist undwar einmalig. Am 22. Oktober 1972 in den Rat gewählt, trat er vier Jahre späterseinen langen Weg als Bürgermeister an. Damals steckte die Gebietsreform nochin den Kinderschuhen, wie sein Nachfolger im Amt, Herbert Gans, in seinerAbschiedsrede anmerkte. Pionierarbeit habe er damals geleistet, ausgleichendgewirkt, um stolze Gemeinden zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Von einem„segensreichen Wirken“ sprach der stellvertretende Landrat Dr. Hermann Meyer,von einem „Glücksfall für die Region“. Ähnliche Worte fanden auch die anderenRedner, was Reinhold Schröder am Ende des offiziellen Teils der Verabschiedungnoch einmal zu einer spitzbübischen Anmerkungen veranlasste: „So gut wie ihrmich dargestellt habt bin ich gar nicht.“

Nun gut. Auf jeden Fall wird der Name von Reinhold Schröder immer verbundensein mit seinem Engagement für die Pommernkaserne und die Partnerschaft, die ermit den Soldaten begründete. Auch in Borgsdorf im Land Brandburg hat ReinholdSchröder seine Spuren hinterlassen, indem er im Zuge der deutschen Einheitebenfalls eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ankurbelte und fürAufbauhilfe sorgte. Und auch die Partnerschaft zum niederländischen Ort Ruurlo– speziell zur Feuerwehr – ist in seiner Amtszeit gewachsen. Sein Engagementbrachte ihm das Ehrenkreuz in Gold der Bundeswehr ein sowie dasBundesverdienstkreuz ein.

Dass in einem so langen Politikerleben nicht nur die Sonne scheint, liegtnahe. Den vielleicht schmerzlichsten Einschnitt musste Reinhold Schröder inseiner letzten Amtszeit hinnehmen: die nicht mehr abwendbare Schließung derPommernkaserne. Noch in den Sitzungen am Anfang dieses Jahres – als es längstum die Nachnutzung ging – war ihm die Enttäuschung über die Entscheidungen der„großen Politik“ anzumerken. Die nämlich ließ genau das vermissen, was ReinholdSchröder stets verkörpert hat – Kontinuität.

Ach ja. Auch das soll nach angemerkt sein. Als das letzte Wort des Dankesverklungen war, da nahm Reinhold Schröder noch einmal den Taktstock in die Handund dirigierte die Stadtkapelle. Ganz konnte er es doch nicht lassen.