Großes Denken für ein großes Gelände

12.08.2006

vl. Peter Selter, Manfred Hugo, Ulrich Kasselmann, August Gründker

“Geplättet” sei er zunächst gewesen, sagte Ullrich Kasselmann. “Kurzatmig” sei er geworden, erklärte August Gründker.Beide sprachen von ein und derselben Immobilie: der Pommernkaserne inFürstenau. Riesig ist sie – 330 Hektar groß. Nicht minder groß muss das Denkensein, um dort Neues zu etablieren. Immerhin, einen Namen hat das Neue bereits:Pferdesportcampus.

Auf die Präsentation des ehrgeizigen Projektes, die gesternin der Pommernkaserne über die Bühne ging, hatten in den vergangenen Tagenviele gespannt gewartet – Politiker, Pferdeexperten und Privatleute. Sie allehatten die ersten Ideen für das Vorhaben als gut bewertet. Gelänge dasVorhaben, wären die Fürstenauer nicht nur viele ihrer Sorgen um die Zukunft derKaserne los, sie – und auch der gesamte Landkreis – wären überall in derRepublik im Gespräch. Nicht umsonst ließ Landrat Manfred Hugo erklären, dassdie Entwicklung eines Pferdesportcampus eine “einzigartige Chance für dasgesamte Osnabrücker Land” sei. Die geplante Kombination vonTurnierstandort, Therapieeinrichtung und Tourismus – gebündelt auf demKasernengelände – gäbe der Region wichtige Impulse. Bei der Präsentation sprachder Landrat zudem von einer “faszinierenden Idee” und davon, dass derLandkreis zukünftig einen deutlichen Schwerpunkt beim “PferdelandOsnabrücker Land” setzen wolle.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Konversionsbeauftragte für die Kaserne, PeterSelter, bereits die Bausteine des Konzeptes vorgestellt, das seinen Ursprung ineinem Telefonat von ihm mit Dr. Ansgar Peiß vom Reit- und Fahrverein Fürstenauhat und das die zunächst “platten und atemlosen” Pferdesportfachleutealsbald um wichtige Aspekte bereicherten. Ullrich Kasselmann beispielsweisegeht es – wie auch den anderen Mitstreitern – zunächst einmal darum, eineganzjährige und nachhaltige Nutzung hinzubekommen. Dabei spielt besonders dertherapeutische Bereich mit der Betonung auf “Wellness” eine zentraleRolle. Dies sei ein Markt mit Zukunft, betonte Ullrich Kasselmann. InDeutschland sei die präventive Rolle, die die Therapie mit Pferden einnehme,noch zu wenig entwickelt – sei es als Trainingsbaustein für Sportler allerDisziplinen oder als Maßnahme gegen Rückenleiden.

Auch der Haustierpark biete die Möglichkeit, eine vernünftigewirtschaftliche Grundlage für das Gesamtprojekt zu schaffen, erklärteKasselmann weiter. In Verbindung mit landwirtschaftlichen Betrieben in derRegion könnten hier seltene, vom Aussterben bedrohte Rassen gezüchtet undvermarktet werden. Die Reit- und Fahrturniere müssten hingegen als zusätzlichesAngebot betrachtet werden, um den Campus auf die Landkarte des Reitsports zubringen.

Und wie geht es nun weiter? In möglichst kurzer Zeit wollen Peter Selter unddie Mitstreiter die Ideen in konkrete Plänen umwandeln. Überdies werden innächster Zeit die Telefonleitungen glühen, um weitere Kontakte zu öffentlichenGeldgebern und privaten Investoren zu knüpfen. Und dann ist da noch dieBundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die 330 Hektar an eine noch zugründende Unternehmung veräußern müsste. Dass schon während der Präsentationerste Anläufe zu Verhandlungen unternommen wurden, und dass sich der Vertreterder Bundesanstalt durchaus kompromissbereit zeigte, darf als gutes Zeitengewertet werden. So oder so: In 16 Monaten wissen alle mehr. Dann wird derletzte Soldat abgerückt sein.