Geheime Abstimmung im Rat – Krippe in Berge: Neubau statt Anbau

09.02.2012

NOZ 09.02.2012

Berge. Die Entscheidung ist gefallen: Der Berger Gemeinderat hat sich nach geheimer Abstimmung mit 10 zu 5 Stimmen dafür ausgesprochen, die Krippe für Kinder von 0 bis drei Jahren als Neubau auf dem Grundstück der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde hinter dem Gemeindehaus zu bauen. Zuvor war der Antrag der CDU, einen Anbau am katholischen Kindergarten St. Servatius zu errichten, mit 5 zu 10 Stimmen abgelehnt worden.

Selten war eine Ratssitzung in Berge so gut besucht wie dieses Mal. Einige Gäste mussten im Heimathaus sogar stehen, da keine Sitzplätze mehr vorhanden waren. Das Thema bewegte im besten Sinne des Wortes. Da es im Vorfeld der Entscheidung in der Bevölkerung teilweise auch heftige Debatten um das Für und Wider der Standorte, aber auch um die Frage „evangelisch“ oder „katholisch“ gegeben hatte, machten sowohl Bürgermeister Volker Brandt als auch der Sprecher der CDU-Fraktion Burkhard Hömme noch einmal deutlich, dass es nicht um „Konfessionsfragen“ gehe. Entsprechend distanzierte sich Burkhard Hömme auch von bestimmten Äußerungen im Vorfeld. Bei der Entscheidung stünden allein Sachfragen im Zentrum. An diese Marschrichtung hielten sich in der folgenden Debatte alle Ratsmitglieder.

Bevor es zum finalen Austausch der Argumente kam, hatten auf CDU-Wunsch die Bürger in einer vorgezogenen Einwohnerfragestunde das Wort. Sie wollten unter anderem wissen, ob es nicht besser sei, wenn die Krippe am katholischen Kindergarten angebaut werde. Dies sei für Eltern, die Kinder im unterschiedlichen Alter hätten, fahrtechnisch wesentlich einfacher, da sie nur ein Ziel ansteuern müssten. Dem entgegnete Volker Brandt, dass Eltern mit mehreren Kindern gegenwärtig auch mehrere Ziele ansteuerten – die Spielkreise der Pusteblume, des Leuchtturms oder eben die Kindergärten. Bei einem Neubau auf dem Grund der evangelischen Kirchengemeinde verschlechtere sich die Situation also nicht.

Eine weitere Frage galt der demografischen Entwicklung. Was sei, wenn die Kinderzahlen weiter zurückgingen? Sei es da nicht sinnvoller, auf einen Neubau zu verzichten? Hier erklärte Volker Brandt, dass es zwar einen Rückgang der Kinderzahlen gegeben habe, aber die Betreuungsquote deutlich gestiegen sei. Allein die Einführung des beitragsfreien letzten Kindergartenjahres habe in Berge dazu geführt, dass die Jungen und Mädchen länger in den Kindergarten gingen. Derzeit sei der katholische Kindergarten voll ausgelastet, auch der Ein-Gruppen-Kindergarten des Leuchtturms – trotz des demografischen Wandels. Diese Entwicklung werde seiner Ansicht nach weitergehen.

In seinem Abschlussstatement kurz vor der Entscheidung erläuterte Volker Brandt diese Aussagen noch einmal etwas näher. Für ihn hätten bei seiner Entscheidung zwei Prämissen zugrunde gelegen: Zum einen gehe er davon aus, dass der Betreuungsbedarf generell steigen werde. Dies zeigten auch die Entwicklungen in anderen Kommunen. Zum anderen habe er sich vor diesem Hintergrund eine Lösung gewünscht, die baulich in die Zukunft gerichtet sei. Der Neubau der Krippe für Kinder von 0 bis drei Jahren auf dem Gelände der evangelischen Kirche biete die problemlose Möglichkeit einer Erweiterung um eine zweite Gruppe. Weiterhin erhalte sich der katholische Kindergarten so für die Zukunft die Option, bei neuen Herausforderungen rund um die Betreuung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren baulich reagieren zu können. Auch hier gehe es darum, künftige Entwicklungen im Blick zu behalten. Es seien alle Gedanken und Möglichkeiten durchgespielt worden, betonte Volker Brandt.

Dass sich der Rat intensiv mit dem Für und Wider auseinandergesetzt hat, bestätigte Burkhard Hömme. Er lobte, dass der Rat im Januar noch einmal die Möglichkeit erhalten habe, sich mit den Konzepten der beiden potenziellen Träger – der katholischen und evangelischen Kirchen – auseinanderzusetzen. Dabei sei seine Fraktion zu einer anderen Einschätzung gekommen also SPD/UWG und Grüne. Unter anderem wies Burkhard Hömme auf die unterschiedliche Höhe der Kosten für beide Projekte hin. Der Anbau sei nach den zunächst vorliegenden Zahlen rund 60000 Euro günstiger. Dass die Samtgemeinde zwei Tage vor der Sitzung noch 50000 Euro für eine Verbindung zwischen Alt- und Anbau draufgepackt habe, sei für ihn unverständlich. Sei das nicht in den vorher ermittelten Kosten schon enthalten gewesen? Überdies betonte Burkhard Hömme, dass bisher in der Samtgemeinde alle Krippen als Anbau realisiert worden seien. Einen Neubau habe es bisher noch nicht gegeben, dies sei auch mit Blick auf die Kosten durchaus ein Risiko.

Weiterhin wies Burkhard Hömme auf die Vorteile beim Personalaustausch zwischen katholischem Kindergarten und einer direkt angegliederten Krippe hin – zum Beispiel bei Krankheitsfällen. Gleichzeitig ließ er aber nicht unerwähnt, dass auch die evangelische Kirchengemeinde Ergänzungskräfte vorhalten werde, die in die alltägliche Arbeit mit einbezogen würden.

Im Weiteren ging es um Fragen von Personalkostenzuschüssen, Verfügungszeiten und Integrationskonzepte. Hier sah Burkhard Hömme Vorteile beim Konzept der katholischen Kirche – eben auch, weil sie im Verbund mit dem Kindergarten alles aus einer Hand biete.

Nachdem alles gesagt war, folgten schließlich die Abstimmungen mit den bereits erwähnten Ergebnissen. Nun ist in einem letzten Schritt der Rat der Samtgemeinde Fürstenau am Zug, um ebenfalls abzustimmen. Wie aber bereits von verschiedenen Seiten signalisiert worden ist – unter anderen vom Samtgemeindebürgermeister –, soll die Entscheidung des Berger Rates respektiert werden. Dann könnte die Krippe Anfang 2013 in Trägerschaft der evangelischen Kirche in Betrieb gehen.