„Gedanken des Friedens“ auf der Fürstenauer Schlossinsel

22.04.2013

NOZ 22.04.2013

Fürstenau. Die Fürstenauer Kunstspur ist um eine Attraktion reicher geworden. Während einer Feierstunde wurde die Skulptur „Gedanken des Friedens“ des 1934 in Solingen geborenen Künstlers und mittlerweile Pfarrers im Ruhestand Heinrich Welter enthüllt. Damit steht nunmehr die zweite Dauerleihgabe des in Bippen lebenden und wirkenden Bildhauers in Fürstenau.

Die Kunstspur in Fürstenau initiierte der Arbeitskreis II des Vereins Fürstenau aktiv Marketing und Tourismus mit seiner Sprecherin Birgit Ahaus an der Spitze. Sie hieß die Gäste im Eingangsbereich des Schlosses willkommen. „Ich freue mich, dass wir auf der Schlossinsel eine Erweiterung der Kunstspur vornehmen dürfen. Die Schlossinsel wird touristisch immer attraktiver“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Heinz Santel anschließend. „In Berlin haben sie eine Museumsinsel. In Fürstenau haben wir eine Kunstinsel“, merkte er humorvoll an. Santel erinnerte an die Enthüllung des ersten Welter-Werkes im Jahr 2010.

Weiterhin ging er auf die aktuelle Skulptur „Gedanken des Friedens ein“ und hinterfragte, was der Künstler damit ausdrücken wolle. Mit einem Dank an den Künstler und die Initiatorin endete er. Den geistlichen Aspekt beleuchteten mit Gedanken des Friedens Pastorin Anke Kusche und Pfarrer Hubert Schütte. Pastorin Kusche ging auf die Beschreibung des Kunstwerkes durch den Künstler ein: „Bewusst wurde eine einfache Form gewählt. Das Gewicht der Stele liegt im oberen Bereich. Zwei kreuzförmig angelegte Einschnitte legen vier Stammteile frei, die in die jeweilige Himmelsrichtung weisen. Aus einer dürren Wurzel öffnet sich die Stele und weist den Weg des Friedens in alle Welt“. Mit Gedanken zum Frieden skizzierte Anke Kusche Assoziationen zum Kunstwerk. „Frieden muss sich seinen Weg bahnen, Frieden braucht Einwicklung und Entwicklungshelfer. Wir alle sind aufgefordert, am Frieden mitzuwirken. Das Kunstwerk ist Fingerzeig Gottes auf unsere Verantwortung für den Frieden in dieser Welt“, betonte sie.

Birgit Ahaus und Heinrich Welter enthüllten vor vielen Gästen auf der Schlossinsel zu Fürstenau die Stele Gedanken des Friedens. Foto: Jürgen Schwietert

Birgit Ahaus und Heinrich Welter enthüllten vor vielen Gästen auf der Schlossinsel zu Fürstenau die Stele Gedanken des Friedens. Foto: Jürgen Schwietert

Pfarrer Hubert Schütte erinnerte zunächst an den Beginn des Aufstandes im Warschauer Getto vor 70 Jahren. Weiterhin ging er auf den österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl ein. Frankl habe hinterfragt, weshalb manche Menschen selbst im Angesicht des Todes und der Vernichtung ihre Lebenshoffnung erhalten. Frankl wurde in das KZ Theresienstadt deportiert, erlebte eine Odyssee und wurde am 27. April in Türkheim von der US-Armee befreit. Seine Frau und zahlreiche Angehörige aber fielen den Nationalsozialisten zum Opfer.

„Menschen bei der Sinnfindung, bei der Suche nach einem gesunden, tragfähigen Wertesystem zu helfen, kann auch Aufgabe eines Künstlers sein“, betonte Schütte. Die Stele weise im Sinne Frankl über sich hinaus in die vier Himmelsrichtungen und weise den Weg des Friedens in alle Welt.

„Wenn ich diese Stele ,Gedanken des Friedens‘ genannt habe, habe ich damit ein zentrales theologisches Thema benannt“, erklärte Heinrich Welter. Welter ging auf die Erstellung des Werkes aus einem 2,5 Meter langen Eichenstamm (50 Zentimeter Durchmesser) der Baumschule Lienesch in Grafeld ein. Dort wurde das Werk in elementarer Arbeit mit Unterstützung von Franz Lienesch aus dem Baumstamm herausgearbeitet.

Abschließend informierte der Vorsitzende des Kunstvereins Wir, Gerd-H. Reitzig, über den Werdegang des Künstlers, der von 1961 bis 1996 in verschiedenen Aufgabenbereichen der evangelischen Kirche im Rheinland tätig war. „Saxination“ mit Heidi Greten (Bariton-), Claudia Schade (Alt-), Volker Wohlgemuth (Tenor-) und Olaf Schmidt-Kinne (Sopran-Saxofon) bereicherte sehr gekonnt den Festakt musikalisch.