Erleichterte Grafelder: Schule bleibt

13.05.2007

Massive Präsenz zeigten die Grafelder Eltern und Kinder im Sitzungssaal des Fürstenauer Schlosses. Schließlich ging es um ihre Grundschule. Am Ende gab es ein klares Bekenntnis der Kommunalpolitik für den Standort.
Foto: Jürgen Ackmann

Erleichterte Grafelder: Schule bleibt
ja Fürstenau/Berge/ Bippen.
So klar, wie die Grafelder Eltern ihre Wünsche formuliert hatten, so klar antwortete am Donnerstagabend die Kommunalpolitik. Der Samtgemeinderat sprach sich einstimmig und “nachdrücklich” für den Erhalt der Grundschule in Grafeld aus. Gleichzeitig hob er einen Beschluss aus dem Jahre 2003 auf, der vorsah 2008 noch einmal über die Zukunft der Schule zu beraten. Von mehr als 100 Grafelder Eltern gab es dafür viel Applaus.
Es war schon ein interessanter Anblick, wie Väter, Mütter und Kinder in langer Reihe in den Sitzungssaal des Fürstenauer Schlosses einmarschierten – mit Transparenten ausgerüstet und mit guten Argumenten präpariert, die sie wohl in der Einwohnerfragestunde angebracht hätten, wenn es denn erforderlich gewesen wäre. Doch als der Ratsvorsitzende Rudolf Lühn nach der Abstimmung pflichtgemäß nachfragte, ob es noch fragen gebe, blieb es still. Die Grafelder waren am Ziel. Wieder einmal. Ihr Engagement, ihr Zusammenhalt hatte sich ausgezahlt.
Wie berichtet, hatte sich eine längere Zeit unterschwellig geführte Debatte mit dem angekündigten Abschied von Schulleiter Harry Hahn dramatisch zugespitzt. Die Stunde der Entscheidung war früher gekommen als angenommen. Die Landesschulbehörde machte zusätzlich Druck, die Grafelder Eltern reagierten sofort, die Kommunalpolitik musste wegen der Personalfrage umgehend handeln. Das tat sie auch. Die Fraktionen steckten die Köpfe zusammen, zurrten ihre Positionen in Windeseile fest, die Verwaltung arrangierte für den 10. Mai einen Sitzungsmarathon: 17 Uhr Schulausschuss, 18.30 Uhr Samtgemeindeausschuss, 19.30 Uhr Samtgemeinderat.
Auf all das wies Samtgemeindebürgermeister Peter Selter – maßgeblich am Findungsprozess beteiligt – in seinem Eingangsstatement hin. Überdies betonte er, dass Verwaltung und Politik trotz eines Schreibens der Landesschulbehörde Anfang des Jahres zunächst keinen Handlungsbedarf für die Grundschule in Grafeld gesehen hätten. Bei Vergleichstests hätten die Schüler trotz des Kombiklassen-Modells ebenso gut – und teilweise sogar besser – abgeschnitten wie Jungen und Mädchen anderer Schulen. Auch bei Laufbahnempfehlungen habe es im Vergleich zu anderen Einrichtungen keine Abweichungen geben. Das seien die harten Fakten. Hinzu gekommen sei die Zufriedenheit der Eltern mit dem Unterricht als weicher Faktor. Dann jedoch habe die Debatte durch die Personalfrage eine “neue Qualität” gewonnen, die zum raschen Handeln gezwungen habe.
Ähnlich argumentierten auch die Sprecher von CDU/FDP und SPD/Grüne. Die Diskussion sei der Politik von der Landeschulbehörde aufgezwungen worden, betonten Friedhelm Spree und Benno Trütken übereinstimmend. Beide machten zudem deutlich, dass sie den Elternwillen respektierten und dass es keinesfalls um eine Entscheidung für Grafeld oder gegen Berge gehe. “Beide Standorte müssen getrennt betrachtet werden”, sagte Friedhelm Spree. Benno Trütken wies unterdessen darauf hin, dass die Unterrichtsversorgung in Grafeld nun zwar gesichert sei, aber die Qualität noch nicht. Auf den neuen Schulleiter kämen besondere pädagogische Herausforderungen zu, die es zu bewältigen gelte. Es müsse deshalb abgewartet werden, wie sich die Dinge entwickelten. Eine Garantie für die Ewigkeit könne es für die Grafelder Grundschule nicht geben.
Vor der Ratssitzung hatten die Kommunalpolitiker diese Statements bereits im Schulausschuss abgegeben. Hinzu kam noch eine Stellungnahme von Burkhard Hömme für die Berger Eltern. Er wies unter anderem noch einmal mit Nachdruck auf die Probleme mit der Teilungsgrenze hin, die zu großen Klassen mit 28 oder 29 Kindern führe (wir berichteten) und fragte sich, wie vor diesem Hintergrund der Begriff der “gerechten Unterrichtsversorgung” zu interpretieren sei. Ausschuss-Mitglied Wolfgang Deffner – zudem Schulleiter der Haupt- und Realschule in Berge – wiederum erklärte, dass die schulfachlichen Aspekte und die bevorstehende Einführung der eigenverantwortlichen Schule mit erheblichen Mehrbelastungen für die Pädagogen in der Debatte zu kurz gekommen seien. Überdies monierte er, dass die Schreiben der Landesschulbehörde nicht vorlägen.
Das Abstimmungsergebnis nach dieser Debatte im Schulausschuss: 18 Ja-Stimmen für den Erhalt der Grafelder Grundschule, zwei Enthaltungen, eine Nein-Stimme. Das weitere Ergebnis: Am 21. Juni werden sich die Grundschulen der Samtgemeinde an einen Tisch setzen, um über zukünftige Formen der Zusammenarbeit zu sprechen. “Wir wollen für alle Schulen etwas tun”, betonte Peter Selter. Kurzum: Die Debatte ist noch lange nicht beendet, aber immerhin gibt es jetzt Klarheit, wohin die Reise gehen soll.