Einer, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt

27.04.2007

Einer, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt
ja Fürstenau.
Eines kann Herbert Gans nicht vorgeworfen werden – dass er keine klaren Standpunkte hat. Sie sind nicht immer sonderlich bequem, doch von ihnen aus kann der Fürstenauer Bürgermeister wenigstens gerade Furchen ziehen.

Herbert Gans – das ist zunächst einmal der Vater zweier Söhne, das ist zudem der Soldat, der 36 Jahre lang gedient hat, als Gefreiter, als Feldwebel und als Personaloffizier in der Pommernkaserne. Das ist auch der ehemalige Trainer von Grün-Weiß Schwagstorf und natürlich der derzeitige Bürgermeister von Fürstenau – einer, der seine repräsentativen Pflichten ernst nimmt und nicht als lästiges Beiwerk betrachtet. Einer der selten ein Blatt vor dem Mund nimmt. Zum Beispiel, wenn Bürger seiner Meinung nach ständig kritisieren und fordern, aber nur Eigeninteressen verfolgen und das Wohl der Allgemeinheit nicht im Blick haben. “Das ärgert mich”, sagt Herbert Gans. Auch, wenn das “Verursacherprinzip” missachtet wird, kann Herbert Gans deutlich werden. Was er damit meint? Zum Beispiel die Verkehrssünder vor Schulen, die meist die Eltern von Schülern selbst seien. Zum Beispiel die Kunden von McDonald’s. Sie selbst seien es, die den Müll in die Straßengräben beförderten – nicht das Unternehmen. Natürlich könne sich die Kommune einschalten – das sei in vielen Fällen auch sinnvoll -, doch die Lösungen für solche Probleme müssten am Ende nur aus der Mitte der Bevölkerung herauskommen. Jeder Einzelne sei hier aufgefordert nachzudenken und umzudenken.

Und überhaupt: Sei der Stolz auf das Geschaffene und Geschaffte nicht viel größer, wenn der Ruf nach Hilfe der öffentlichen Hand unterblieben sei? Müsse nicht vielmehr das Ehrenamt gestärkt und der Gemeinschaftssinn weiterentwickelt werden? “Ja”, sagt Herbert Gans und sieht hier ein wichtiges Aufgabenfeld für seine Arbeit als Bürgermeister.

Im Gegenzug fordert er von sich und der Kommunalpolitik “Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern”. Zum Beispiel bei der Debatte um das “Aue-Center”. Es mache keinen Sinn, es zu verhindern. Mache die Stadt den Investoren einen Strich durch die Rechnung, wandere die Kaufkraft nach Merzen, Ankum oder Freren ab, sagt Herbert Gans. Der Innenstadt selbst würde von einem Verzicht auf das Einkaufszentrum nicht profitieren. “Wir können vor der Zukunft nicht weglaufen”, betont Herbert Gans. Umso mehr seien neue Ideen und auch Visionen gefragt, um die Stadt liebenswert und lebenswert zu erhalten.

Das gilt auch für die Pommernkaserne. Hier eine geeignete Nachnutzung zu finden sei für die nächsten Jahren – neben dem Ausbau des Bildungsangebotes, der weiteren Dorfentwicklung in den Ortsteilen oder der Schaffung neuer Touristik-Angebote – die wichtigste Aufgabe, betont Herbert Gans und fügt wehmütig hinzu: “Der Abzug der Soldaten trifft mich menschlich und persönlich hart. Es hängt eine Menge Herzblut dran. Diese Gefühle kann und will ich nicht unterdrücken.” Aber es gibt natürlich auch viel Freude. Zum Beispiel über das Freibad, das nach dem Sturm wieder repariert ist. Am Samstag bei der Eröffnung darf Herbert Gans natürlich nicht fehlen.