Ein Abschied nach 43 Jahren

03.11.2006

Eintrag ins “Goldene Buch”

Ein Abschied nach 43 Jahren
Von Jürgen Ackmann
Fürstenau.
Für Bürgermeister Reinhold Schröder war es ein „markanter Tag“ im FürstenauerGeschichtsbuch, für andere war es ein „bisschen traurig“. So oder so: InFürstenau ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eine Ära zu Ende gegangen– die Kamlage-Ära. Mehr als 43 Jahre hat er in Fürstenau in der Verwaltung fürdie Bürger der Region gearbeitet, 20 Jahre lang war er Stadtdirektor, zehnJahre Samtgemeindebürgermeister. Dass da ein würdiger Abschied fällig wird,stand außer Frage.

Sie waren alle gekommen, die Bürgermeister aus Region, dieVorsitzenden der Vereine, die Pastoren, die Schulleiter, die Fraktionssprecher,die Feuerwehrleute, der Bundestagsabgeordnete, die Vertreter der Wirtschaft,des Städte- und Gemeindebundes und des Landkreises Osnabrück. Eine stattlicheZahl von Gästen – weit mehr als 100 –, die sich da in der Aula der IntegriertenGesamtschule gut sechs Stunden vor 24 Uhr versammelt hatte, um denausgewiesenen Verwaltungsfachmann und die politische Integrationsfigur in derSamtgemeinde Fürstenau zu verabschieden. Viele sind im Laufe der JahreArbeitsfreunde von Helmut Kamlage geworden, haben seine Art des Wirkens, seinStreben nach Ausgleich, seine Toleranz gegenüber Andersdenkenden schätzen gelernt.Einer, der dies – er sei hier stellvertretend für alle Redner genannt – sehrpointiert zum Ausdruck brachte, war Reinhard Scholz mit seinem Abschiedsgruß,den er frei nach Theodor Fontane nicht länger fasste als eine„Liebeserklärung“.

Der Bürgermeister der Samtgemeinde Artland, der vor noch nicht allzu langerZeit als Allgemeiner Vertreter Kamlages wichtiges Rüstzeug in der FürstenauerVerwaltung für seinen weiteren Werdegang erwarb, attestierte seinem einstigenChef eine Vorbildfunktion – eben wegen seiner Fähigkeit, eigentlichWiderstrebendes zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Damit war beispielsweise die Vorbereitung von Ratsbeschlüssen gemeint. Hierhat es Helmut Kamlage in seiner Amtszeit als Samtgemeindebürgermeister fertiggebracht, 90 Prozent aller Abstimmungen im Konsens über die politische Bühne zubringen – gemessen an die Zeit davor, als die Debatten bisweilen ins Endloseabdrifteten, ein Erfolg im Sinne zielgerichteter und bürgerorientierterPolitik. Angesichts des verbindlichen und einnehmenden Wesens von Kamlage, derauch Lobendes zur rechten Zeit anzubringen wusste, mag es dem einen oderanderen Zeitgenossen in der Tat schwer gefallen sein, den Widerstand als Wertan sich zu pflegen.

Und so kam es, dass Wörter wie „Ehrlichkeit“, „Fairness“ und „Fachkompetenz“in allen Grußworten – und es waren eine Menge – auftauchten und so in ihrerSumme die Kontur eines Mannes nachzeichneten, der nach eigenem Bekennen seineArbeit stets mit „uneingeschränktem Einsatzwillen“ erledigt hat. Dass Helmut Kamlageam Schluss der Verabschiedung das Lob und den Dank an die Mitarbeiter,politischen Weggefährten und auch an die Familie zurückgab, war für ihneinerseits eine Selbstverständlichkeit, andererseits ein inneres Bedürfnis.