Ein „monströser Baukörper“?

05.12.2009

mk Fürstenau.
Eine „Power-Point-Präsentation“ eines Bürgers in einer Bürgerfragestunde? Statt einer Frage ein umfassender Vortrag von immerhin 30 Minuten? Wie ernst Politik und Verwaltung der Stadt Fürstenau die Meinung ihrer Bürger nehmen und dabei kein Problem mit Zugeständnissen haben, war am Donnerstagabend im Ratssaal des Fürstenauer Schlosses zu erleben.

Hier hatten sich die Mitglieder des städtischen Ausschusses für Planung, Bau und Umwelt mit der Änderung des Bebauungsplans „Koppelstraße West“ zu befassen. Es galt, einem bereits geänderten Bebauungsplan zuzustimmen, der dem Betreiber der Postenbörse im Bereich Burgstraße/Fröhlkingstraße die Überbauung dreier Einzelgrundstücke ermöglicht.

Das Bauvorhaben gefällt nicht allen Fürstenauern, die zwischen Koppel-, Burg- und Fröhlkingstraße wohnen, wie deren Sprecher Stephan Selker gleich zu Beginn der Ausschusssitzung im Rahmen der Bürgerfragestunde aufzeigte. In Wort und Bild und zeitlich großzügig bemessen bekam er die Gelegenheit, seine Kritik an dem Vorhaben den Kommunalpolitikern und der Verwaltung darzulegen.

Obwohl sowohl Winfried Knocks (SPD) als auch Stadtdirektor Peter Selter im Verlauf der Präsentation darauf verwiesen, dass die Höhe des Neubaus von ehemals neun auf jetzt sechseinhalb Meter bereits reduziert worden sei, hielt Stephan Selker an seiner Kritik fest.

Er bemängelte unter anderem die Abstände zu den Anliegern und sprach von einem „monströsen Baukörper“, der den innerstädtischen Charakter Fürstenaus gefährde. Stephan Selker unter anderem wörtlich: „Wenn man insbesondere diesen Investor so reinlässt, werden wir uns Nachteile in der Stadtentwicklung einhandeln.“ Beton schaffe Argumente, meinte er schließlich und empfahl, sich Zeit zu nehmen und die Angelegenheit nochmals neu zu überdenken.

Genau das sah Planer Mathias Desmarowitz mit Blick auf den überarbeiteten Entwurf vor dem Hintergrund von Anregungen und Einwänden aller Träger öffentlicher Belange bereits als gegeben an. Er mahnte zur Objektivität und sprach von einer „überschaubaren Fläche“, auf der die neue Postenbörse „weiter nach hinten gebaut, dabei jedoch „keinen Quadratmeter mehr als heute“ einnehmen werde, wie er betonte.

Fürstenau sei als Standort für größere Komplexe generell in keiner günstigen Lage, so Mathias Desmarowitz. Sowohl das Aue-Center als auch die Utdrift seien als Standorte bereits Alternativen gewesen. „In der Stadt ging es nicht“, so der Planer, dessen Entwurf nach der Schilderung weiterer Details schließlich das einstimmige Votum des Ausschusses bekam.

Demnach wird der Anliegerabstand des 6,50 Meter hohen und 80 Meter langen Neubaus nun 15 Meter betragen. Fest steht auch, dass es in dem Gebäude möglicherweise ein Textilgeschäft geben wird, wobei, so Monika Kolosser, diesbezüglich allerdings noch keine verbindliche Zusage vorliege.