“Die Stimme erheben, wenn Freiheit unterdrückt wird”

14.05.2005

“Die Stimme erheben, wenn Freiheit unterdrückt wird”
Fürstenau (cg)
Zackige Kommandos hallen über den Platz. Das Musikkorps der Bundeswehr aus Münster intoniert “Kurfürstlichen Reitermarsch” und Nationalhymne. Fotoapparate klicken. Gespannt schauen viele hundert Zuschauer dem Spektakel auf der Schlossinsel zu: 478 Rekruten bekennen in Fürstenau ihre Treue zur Bundesrepublik Deutschland.
Anlässe wie diese wird es nach dem Abzug der Bundeswehr aus Fürstenau Ende 2007 wohl nicht mehr geben. Umso eher bleiben feierliche Gelöbnisse wie diese in guter Erinnerung, denn die Kulisse mit dem Schloss im Hintergrund ist durchaus beeindruckend.
478 Rekruten der 2. und 3. Kompanie des Versorgungsausbildungszentrums 163 in Lingen und der 6. und 7. Kompanie des Sanitätsregimentes 12 stehen – umringt von Eltern, Freunden, Verwandten und Bekannten – nicht nur heute, sondern als neue Soldaten immer mitten in der Gesellschaft. Für Hans-Ullrich Wanning, den Kommandeur des Sanitätsregimentes 12, zeugt das Gelöbnis auf der Schlossinsel von einer “lebendigen Partnerschaft der Soldaten mit der Stadt Fürstenau”.
In seiner Ansprache bezieht der Oberfeldarzt Position und lobt das bewährte System der allgemeinen Wehrpflicht. “Nur so bleibt die Bundeswehr ein Spiegelbild der Gesellschaft.” Sie brauche das Wissen aus verschiedensten Berufsgruppen und Bevölkerungsschichten für einen immer komplexer werdenden Auftrag. Gleichzeitig wünscht er sich “selbstbewusste und selbstständige Soldaten” mit Zivilcourage. Trotz des soldatischen Prinzips von Befehl und Gehorsam seien die Vorgesetzten offen für jede Art konstruktiver Kritik. Wanning: “Soldat zu sein bedeutet nicht zu schweigen.”
Bevor ihm die Rekruten die Treueformel nachsprechen, wendet sich Fürstenaus Bürgermeister Reinhold Schröder an die Staatsbürger in Uniform. Er ruft die Soldaten auf, “mutig zu sein, hinzuschauen und die Stimme zu erheben, wenn die Freiheit unterdrückt wird”. Gerade junge Menschen müssten gewarnt werden vor “radikalen Unheilsboten von rechts, die unserem Volk die Unfreiheit verheißen”. Die Bundeswehr habe seit ihrem Bestehen den Wert der Freiheit stets geschätzt und sie als höchstes Gut gehütet.
Nach einer Dreiviertelstunde ist das militärische Zeremoniell auf der Schlossinsel vorbei. Die Ehrenformation der Bundeswehr mit den Truppenfahnen marschiert mit dem Wehrbereichsmusikkorps vom Platz. Es folgen die vier Kompanien aus Lingen und Fürstenau. Aus den Rekruten sind nun Soldaten geworden. Und wieder klicken die Fotoapparate.