Hier der Artikel von der NOZ:

Acht Jungtiere im Rudel im Börsteler Wald

Zahl der Risse durch Wölfe steigt stark / Treffen in Grafeld

Berge/Menslage/ Bippen Nun ist es offiziell: Im „Herzlaker Rudel“, das auch den Raum Berge, Bippen und Menslage durchstreift, leben acht Welpen. „Eine enorm hohe Zahl“, so Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann. Entsprechend stark sei die Zahl der Risse gestiegen. Auch vor diesem Hintergrund haben sich der Kreisjägermeister und der Landtagsabgeordnete Christian Calderone aus Quakenbrück mit Weidetierhaltern getroffen. Tenor: Es muss eine Höchstgrenze für Wölfe her.

Dass diese Forderung nicht unbegründet ist, belegen Zahlen von Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. Nach den neuen Erkenntnissen des Wolfmonitorings ist die Zahl der nachgewiesenen Rudel von 28 auf inzwischen 35 gestiegen. Laut Martin Meyer Lührmann ist die Wolfspopulation in Niedersachsen damit längst gesichert. Die Wölfe würden auch bei einer Bejagung nicht mehr verschwinden. Wie der Kreisjägermeister weiter berichtet, gingen die acht Jungtiere inzwischen mit auf Beutezug und würden sich in den nächsten Monaten auch aktiv an der Jagd beteiligen. Das Rudel werde sich dadurch mehr zutrauen. Das zeige sich schon jetzt. Damhirsch gestorben

So hätten die Wölfe vor einigen Tage im Bippener Ortsteil Lonnerbecke einen starken Damhirsch gerissen. Dies sei am Rissbild eindeutig zu erkennen. In Menslage sei überdies ein Fohlen gerissen worden. Auch hier bestehe der klare Verdacht, dass Wölfe am Werk gewesen seien.

Darüber hinaus würde das Rudel immer wieder Schafe reißen. Sie seien eine einfach Beute. „Das ist für die Wölfe wie eine Imbissbude“, so der Kreisjägermeister. Dies belegten auch die inzwischen weit mehr als 200 Risse im Raum Löningen, wo die Tiere an der Hase weideten und nicht geschützt werden könnten.

Der Kreisjägermeister geht davon aus, dass die Zahl der Risse noch weiter steigen wird, auch wegen des Nahrungsbedarfs der acht Jungtiere, die anhand von Fotofallen-Aufnahmen nachgewiesen worden sind. Wenn die Jungtiere mitjagten, könne es für die Weidetierhalter im Nordkreis heftig werden.

Und die machen sich derzeit große Sorgen. Sie fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen, wie Biolandwirt Guido Holtheide aus Grafeld bei einem Ortstermin auf seinen Hof erklärte. Neben ihm, Christian Calderone und Martin Meyer Lührmann nahmen auch Äbtissin Britta Rook vom Stift Börstel, Pferdehalter Hermann Wübbel, Klaus Overbeck, Vorsitzender der Jägerschaft Bersenbrück, sowie Dirk Imke und Friedhelm Spree von der CDU in der Samtgemeinde Fürstenau an dem Gespräch teil, wie es in einer Mitteilung heißt.

Wie berichtet, hatte Britta Rook im Mai einen Herdbuch-Zuchtbock der seltenen Haustierrasse „Weiße Gehörnte Heidschnucke“ durch einen Wolfsriss verloren. Hermann Wübbel wiederum ist Besitzer der Pferde in Börstel, die offenbar nach einer Wolfsattacke in Panik ausgebrochen waren und nun teilweise Bisswunden an den Läufen aufweisen. Der Wolfsberater sei am Wochenende des Vorfalls nicht erreichbar gewesen, dabei hätten so schnell wie möglich Proben genommen werden müssen, hieß es bei dem Treffen. Eine mangelnde Kooperation machten die Betroffenen auch für die Bearbeitung des gemeldeten Vorfalls beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz geltend.

Unterdessen wies Britta Rook darauf hin, dass es inzwischen tagsüber Wolfssichtungen auf stark frequentierten Wanderwegen in den Wäldern des Stiftes Börstel gebe. „Der Wolf hat seine natürliche Scheu vor den Menschen verloren“, betonte die Äbtissin.Plädoyer für Abschüsse

Auch deshalb hoffen die Weidetierhalter darauf, dass künftig „Vergrämungsabschüsse“ möglich sind – beispielsweise während eines Angriffes auf eine Schafherde. Dann würden die Wölfe wieder mehr Scheu entwickeln, so Martin Meyer Lührmann. Er und die Weidetierhalter warten nun auf die niedersächsische Wolfsverordnung, die erlassen werden soll. Dort sollen unter anderem auch Regeln erlassen werden, die einen erleichterten Abschuss zur Prävention von Rissen ermöglichen.

Christian Calderone verwies unterdessen mit Blick auf eine Begrenzung der Wolfspopulation auf andere europäische Länder, die die Wölfe ebenfalls schützten, aber dafür sorgten, dass durch gezielte Abschüsse die Wolfspopulation gleich und für Mensch sowie Tier verträglich gehalten werde. Weiterhin mahnte der Landtagsabgeordnete eine schnelle Bearbeitung der Fälle durch die zuständigen Behörden an.

Hier sei der zuständige Umweltminister gefordert, für schnelle, transparente und nachvollziehbare Verfahrensabläufe und ein gutes Miteinander zwischen Betroffenen und Behörden zu sorgen.