Debatte um Schulstandorte

16.02.2013

NOZ 13.02.2013
Von Jürgen Ackmann
FÜRSTENAU. Hinter den Schulkulissen in der Stadt Fürstenau rumort es. Wie werden sich die Schulstandorte in den nächsten Jahren, entwickeln? Das ist die entscheidende Frage, die derzeit für viele Spekulationen und Ängste sorgt. Dabei spielen zwei Faktoren eine große Rolle: die Schülerzahlen und die finanzielle Situation der Samtgemeinde Fürstenau. Eine durchaus schwierige Mischung mit einer gewissen Sprengkraft.

Die Ausgangslage: Auf der einen Seite gibt es beispielsweise die lntegrierte Gesamtschule in Fürstenau, die bekanntlich aus allen Nähten platzt. 1425 Schüler werden dort derzeit unterrichtet. Die Schule hat nun weiteren Raumbedarf. Ein Neubau von Klassenzimmern kommt allerdings nicht in Betracht. Zum einen, weil die Schülerzahlen demografisch bedingt mittel- und langfristig wieder zurückgehen werden. Zum anderen, weil der Samtgemeinde als Schulträger einfach das Geld fehlt. Die Verwaltung soll nun bis Ostern Lösungsvorschläge erarbeiten, die diesen Aspekten Rechnung tragen.
Auf der anderen Seite gibt es die Grundschule im Ortsteil Schwagstorf sowie die beiden Grundschulen in Fürstenau. Dort sind wegen der zurückgehenden Schülerzahlen teilweise Kapazitäten in den Klassen frei. Das ist auch dem Rechnungshof des Landes Niedersachsen bei einer Untersuchung zur demografischen Entwicklung in ausgewählten Kommunen nicht entgangen. In einem ersten Entwurf, den die Behörde der Samtgemeinde Fürstenau zur Stellungnahme vorgelegt hat, wird unter anderem angesichts des demografischen Wandels und der finanziellen Situation der Kommune empfohlen, aus den drei Grundschulen im Stadtgebiet zwei zu machen, die aber nur an einem Standort in Fürstenau untergebracht werden, wie Samtgemeindebürgermeister Peter Selter auf Nachfrage in dieser Woche bestätigte. Diese Überlegungen fußen unter anderem darauf, dass die Grundschule in Fürstenau zwar vierzügig geplant ist, derzeit aber nur dreizügig mit 241 Kindern ausgelastet ist. Die Grundschule in Schwagstorf wiederum ist einzügig mit vier kleinen Klassen, in denen insgesamt 65 Kinder unterrichtet werden. Weiterhin gibt es die Benedikt-Grundschule, ebenfalls mit vier Klassen mit 69 Kindern einzüg geführt wird. Das sind zunächst nur Rechenexempel, die weder die politische Willensbildung in der Samtgemeinde berücksichtigen noch den Elternwilllen einkalkulieren. Nicht zuletzt deshalb betont beispielsweise der Sprecher der CDU/UWG-Gruppe im Samtgemeinderat, Friedhelm Spree, dass die Kommune rechtlich nicht verpflichtet sei, diesen Empfehlungen zu folgen. Gleichwohl sei die Kommunalpolitik angesichts der schwierigen Haushaltslage gefordert, maßvoll und zukunftsweisend zu agieren. Diese Position vertritt auch der Sprecher der Gruppe SPD/Grüne, Benno Trütken. Er verweist zudem darauf, dass es abseits der reinen rechnerischen Betrachtung des Rechnungshofes viel weitere Faktoren gibt, die in Schulstandortfragen entscheidend seien. überdies müsse sich in nächster Zeit erst noch zeigen, welche schulpolitische Rahmenbedingung die neue Landesregierung in Hannover setzen werde. Aber gerade angesichts der vielen offenen Fragen sprechen sich beide Fraktionsvorsitzende dafür aus, eine Grundsatzdebatte über die künftige Entwicklung der Schullandschaft in der Stadt und Samtgemeinde zu führen auch angesichts der Tatsache, dass Verwaltung und Politik in den nächsten Jahren als Gegenleistung für die Finanzspritze in Hot. von fünf Millionen Euro mehr als zwei Millionen Euro einsparen müssen. Da könnten eben auch Fragen zu Schulstandorten nicht  ausgeklammert werden. Die Debatte werde aber völlig ergebnisoffen geführt. Alle Karten müssen hier auf den Tisch, sagt Benno Trütken.,, Transparenz ist wichtig, erklärt Friedhelm Spree. So oder so: Ein politisches Diktat” schließen beide Kommunalpolitiker aus. Das werde es nicht geben. Eltern und Schulen würden auf jeden Fall in die Debatte einbezogen und deren Willen auch gehört und berücksichtigt. Das . die Diskussion bereits entbrannt ist, zeigen die Gerüchte, die derzeit unter den Eltern der Benedikt_Grundschule kursieren. Sie befürchten, dass ihre Schule aufgelöst wird und die Schüler künftig in Schwagstorf zur Schule gehen müssen. Gegen solche Spekulationen wehrt sich Schulleiterin Elke Kessler energisch. Der Erhalt der Benedikt-Grundschule- ist gesichert betont sie. Die Schule steht unter Konkordatsschutz. Das bedeutet, sie kann nur aufgelöst werden, wenn sich bei einer Befragung eine Mehrheit der Eltern dafür ausspricht. Unsere Eltern stehen voll hinter unserer Schule. Das belegten auch die in den vergangenen Jahren gestiegenen Schülerzahlen. Spekulationen über eine Standortverlegung etwa nach Schwagstorf entbehrten jeder Grundlage”, betont die Schulleiterin. Peter Selter wiederum erklärt, dass es bei den anstehenden Debatten nicht um eine einzelne Schule gehe, sondern um eine grundsätzliche konzeptionelle Ausrichtung der Schulpolitik in den nächsten Jahren. Das sei vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der finanziellen Situation zwingend notwendig. Vor diesen Rahmenbedingungen die Augen zu verschließen sei schlicht fahrlässig. Das müsse allen klar sein.