Chance und Herausforderung – In Fürstenau leben Menschen aus 58 Nationen

03.01.2018

NOZ
Altkreis Bersenbrück. Im Altkreis Bersenbrück leben viele Menschen mit nicht deutschen oder doppelten Staatsangehörigkeiten: Flüchtlinge, Saisonarbeiter und diejenigen, die seit vielen Jahren hier wohnen und heimisch geworden sind. Gemeinsam bilden sie eine Vielfalt, die die Gemeinden vor Chancen und Herausforderungen stellt.

Spitzenreiter im Altkreis Bersenbrück, was die Vielfalt der Nationalitäten betrifft, ist die Stadt Quakenbrück. Hier leben 87 verschiedene Nationalitäten. Auf eine Einwohnerzahl von rund 14200 kommen 5097 Personen mit einer fremden Nationalität. Den größten Anteil darunter bilden Rumänen. 1015 Menschen sind mit rumänischer Staatsangehörigkeit in Quakenbrück gemeldet. Ihnen folgt die große Gruppe der Griechen mit 983 Personen. Auf dem dritten Platz befinden sich 844 Russen, dann 505 Polen, und 171 Personen haben einen bulgarischen Pass.

„Die Anzahl an Nationalitäten in der Stadt stellt eine Chance und eine Herausforderung zugleich dar“, erklärt Stadtdirektor Claus Peter Poppe. Er sagt weiter, dass Quakenbrück den höchsten Ausländeranteil nicht nur im Vergleich mit dem Altkreis Bersenbrück aufweise, sondern im kompletten Landkreis Osnabrück. „Mit dieser Herausforderung gehen die Bürgerinnen und Bürger der Kleinstadt bemerkenswert gelassen um. Wir sind guten Mutes, die hierdurch entstehenden Aufgaben mithilfe des Förderprogrammes Soziale Stadt und weiterer Förderinstrumente bewältigen zu können“, so Poppe.

Nationalitäten im Altkreis: Vier Beispiele. Quelle: Städte und Gemeinden (Stand Dezember 2017) Grafik: NOZ/

Nationalitäten im Altkreis: Vier Beispiele. Quelle: Städte und Gemeinden (Stand Dezember 2017) Grafik: NOZ/

Immerhin 65 Nationalitäten aus dem inner- und außereuropäischen Ausland leben in der Stadt Bersenbrück. Die Integration der größten Gruppe, der 783 Russen, sei teilweise schwierig, so Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch. Die erste Aussiedlerwelle habe mehr in einer Parallelwelt inmitten von Bersenbrück gelebt, als wirklich am Stadtalltag teilzunehmen. Hingegen habe die Generation, die bereits hier geboren wurde, mit der deutschen Sprache aufgewachsen sei und hier eine Ausbildung gemacht und einen Beruf ergriffen habe, Bersenbrück als Heimat anerkannt. „Sie bauen hier ihre Eigenheime und sind hier zu Hause“, so sieht es der Bürgermeister. Zahlenmäßig folgen auf die Russen 403 Kasachen und 90 Syrer.

Für die Flüchtlinge stünden Integrationspaten bereit, die ankommende Familien begleiten. „Sie helfen im Alltag und leisten Hilfe bei komplizierter Bürokratie“, so Christian Klütsch. Eine wichtige Rolle für die Integration spiele der TuS Bersenbrück. Vor allem in den Jugendfußballmannschaften kickten besonders viele Nationen miteinander, freut sich der Bürgermeister.
Integration durch Sprachkurse

Die Stadt Fürstenau zählt 58 verschiedene Nationen. Von den 9808 Einwohnern haben 756 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Rumänen machen mit 143 Personen den größten Anteil aus. Auf sie folgen 86 Polen, 60 Syrer und sowohl 48 Bulgaren als auch 48 Niederländer. Sie zusammen bilden die fünf größten Ausländergruppen in Fürstenau.

Für die Integration der vielen verschiedenen Kulturen und Nationen ist hier Antigone Mally zuständig. Sie wird angesichts der vorbildlichen Zusammenarbeit mit den ausländischen Mitbürgern häufig zu Vorträgen eingeladen. Sie selbst lobt vor allem die vielen Ehrenamtlichen, die die Neuankömmlinge willkommen heißen. Im Zentrum ihrer Integrationsarbeit stehe dabei das Erlernen der deutschen Sprache in entsprechenden Kursen. „Neuankömmlinge wollen wir so schnell wie möglich integrieren, sie sollen deshalb schnell die Sprache lernen“, wünscht sich Antigone Mally.
Viele Eigenheimbesitzer, wenig Arbeitslose

Mit 41 verschiedenen Staatsangehörigkeiten bildet die Gemeinde Neuenkirchen das Schlusslicht im Altkreis Bersenbrück. Von den 4703 Einwohnern haben 13,8 Prozent eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit. In Neuenkirchen zählen zu den fünf größten Gruppen 194 Russen, 88 Kasachen, 85 Polen, 55 sowjetische sowie 48 rumänische Staatsangehörige. In den 1990er-Jahren seien viele aus der ehemaligen Sowjetunion nach Neuenkirchen gekommen, sagt Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay. Die meisten dieser Gruppe seien gut integriert, sie würden in den ortsansässigen Handwerksbetrieben arbeiten oder seien selbstständig. Es gebe unter den nicht deutschen Staatsangehörigen viele Eigenheimbesitzer und eine geringe Arbeitslosigkeit, so Hildegard Schwertmann-Nicolay weiter. „Wir haben in Neuenkirchen auch Vandalismus oder Kriminalität, aber diese ist nicht an die Staatsangehörigkeit gebunden“, sagt die Samtgemeindebürgermeisterin.