Ausschuss für Postenbörsen-Pläne

18.02.2010

ja Fürstenau.
Der Neubau der Postenbörse für 2,7 Millionen Euro nebst der Ansiedlung eines Textilfachgeschäftes bleibt ein Thema in den Fürstenauer Ratsgremien. Nachdem die Verwaltung die geänderten Pläne erneut ausgelegt und ein Planer Abwägungsvorschläge gemacht hat, empfahl nun der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen, den Bebauungsplan als Satzung zu beschließen – sehr zum Missfallen von Anliegern.

Komplett neu gestaltet werden soll das Gelände, auf dem sich die Postenbörse, eine Disco und ein ehemaliger Blumenladen befindet. Foto: Jürgen Schwietert
Komplett neu gestaltet werden soll das Gelände, auf dem sich die Postenbörse, eine Disco und ein ehemaliger Blumenladen befindet. Foto: Jürgen Schwietert
Der Vorgang „Postenbörse“ dürfte inzwischen viele Aktenordner füllen. Auch die Diskussionsbeiträge der vergangenen Monate lassen sich wohl nur noch in Stunden bemessen. Ein Konsens ist aber deshalb noch nicht in Sicht. Die Anlieger – namentlich sei hier stellvertretend Stephan Selker genannt – monieren nach wie vor, dass die Stadt bei dem Bauprojekt vorrangig die Interessen des Investors berücksichtige, also die von Georg Dobelmann. Insbesondere die zulässige Bauhöhe von maximal 6,50 Metern ist in der Kritik. Änderungsvorschläge – ein Anlieger reichte sogar eine Zeichnung ein – fänden weder bei der Stadt noch beim Investor Gehör, hieß es. In diesem Zusammenhang beklagte Stephan Selker in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung einen Wertverlust von bis zu 25 Prozent der umliegenden Immobilien – bedingt durch die erdrückende Wucht des geplanten Gebäudes. Insgesamt entstehe so ein Wertverlust von etwa einer Million Euro für die Anlieger. Stephan Selker wünschte sich deshalb, dass sich eine kleine Gruppe von Fachleuten noch einmal zusammensetze, um alle Fragen rund um die Gebäudehöhe zu klären.

Was die Träger öffentlicher Belange angeht, so gab es von der Industrie- und Handelskammer sowie vom Landkreis Osnabrück Bedenken. Während die IHK durch den geplanten Umzug und die gleichzeitige Vergrößerung des KiK-Marktes ein Überangebot von Textilfachmärkten in Fürstenau befürchtet, wies der Landkreis auf Fragen zur schalltechnischen Beurteilung hin. Da sie sich nicht auf die vorhandenen Außenwohnbereiche bezögen und eine konstruierten Vorbelastung vorgenommen werde, sei sie möglicherweise „gerichtlich nicht […] belastbar“ – ein Punkt, den auch der Ausschussvorsitzende Ulrich Geers noch einmal ansprach. Matthias Desmarowitz, der die Abwägungsvorschläge erarbeitet hatte, sah aber keine ernsthaften Probleme – weder im speziellen Fall noch sonst.

Ähnlich beurteilten das die Fraktionssprecher von CDU/FDP und SPD/Grüne. So erklärte Friedrich-Wilhelm Oldenhage, dass die Stadt in einem langen Prozess alle Bedenken und Anregungen sorgfältig abgewogen und geprüft habe. Nun müsse entschieden werden. Das sah auch Winfried Knocks ähnlich. Er wies zudem – so wie Oldenhage – auf die Vorteile hin, die das Bauprojekt bringe. Die Disco verschwinde, das Erscheinungsbild des Geländes werde sich zum Wohle der Stadt positiv verändern.

Zu den Befürwortern des Vorhabens zählt auch die Werbegemeinschaft Fürstenau. „Generell sehen wir eine Neugestaltung durch den Neubau der jetzigen Postenbörse als positiv für die Einmündung zur Innenstadt. Da es sich bei dem Bauvorhaben um einen bereits vorhandenen Betrieb handelt, wird die Innenstadt dadurch nicht negativ beeinflusst. Auch gegen die Ansiedlung eines 700 Quadratmeter großen Textildiscounters, der bereits in Fürstenau angesiedelt ist, haben wir keine Bedenken“, heißt es in einem Brief an die Stadt.

Nun wird sich am 25. Februar der Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung mit dem Thema befassen, dann folgt die Entscheidung am 11. März öffentlich im Rat. Unterdessen deutete Stephan Selker nach der Sitzung an, gerichtliche Schritte prüfen zu wollen.

Kommentar: Klare Ansage
Von Jürgen Ackmann
Die Fraktionen von CDU/FDP und SPD/Grünen im Fürstenauer Stadtrat verdienen Anerkennung. In der Auseinandersetzung um den Neubau der Postenbörse haben sie auf den sonst so gern in der Politik aufgeführten „Eiertanz“ verzichtet und stattdessen klar Position bezogen. Es war richtig, am Dienstagabend im Ausschuss vor den versammelten Anliegern öffentlich eine Empfehlung auszusprechen – ohne Wenn und ohne Aber. Das macht Kommunalpolitik berechenbar und nützt am Ende allen Bürgern – mögen sie auch nicht immer mit den Entscheidungen einverstanden sein. Insofern ist es Friedrich-Wilhelm Oldenhage und Winfried Knocks hoch anzurechnen, dass sie den Mut gezeigt haben, den Kommunalpolitiker heutzutage brauchen, um im vielstimmigen Chor der Meinungen bestehen zu können.