Ausschuss berät über Zukunft der Grundschulen in der Samtgemeinde Fürstenau

25.05.2013

NOZ 25.05.2013

Fürstenau. Acht Kommunen hat der Landesrechnungshof in Niedersachsen unter die Lupe genommen, um die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Grundschulen zu prüfen. Auch für die Samtgemeinde Fürstenau hat die Behörde die Zahlen durchgerechnet. Ergebnis: Die Grundschulen in Grafeld und Schwagstorf sollten geschlossen werden, die Benedikt-Grundschule solle unter das Dach der Grundschule Fürstenau schlüpfen. Wie muss die Samtgemeinde damit umgehen? Das war das Thema der jüngsten Sitzung des Schulausschusses. Das Ergebnis dieses Mal: Ja, die Kommune muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Nein, sie muss keine Schulen schließen. Jedenfalls nicht in nächster Zeit.

In den vergangenen Monaten brodelte die Gerüchteküche in der Samtgemeinde Fürstenau kräftig. Lehrer und Eltern machten sich große Sorgen, als die Kunde vom Bericht des Landesrechnungshofes die Runde machte. Manch einer fürchtete radikale Einschnitte in gewohnte Strukturen, manch einer war drauf und dran, die ersten Protestplakate zu bemalen. Doch nur wenige wussten, was wirklich genau in dem Prüfbericht stand und wie die Aussagen zu bewerten sind.

Die Einordnung nahm nun Samtgemeindebürgermeister Peter Selter im Schulausschuss vor, nachdem er sich vergangene Woche noch einmal mit den Grundschulleitern zusammengesetzt hatte. Die zentrale Botschaft: Der Landesrechnungshof hat in dem Bericht allein aus finanzieller Sicht sowie auf der Grundlage vorliegender Schülerzahlen und des vorhandenen Raumangebotes sein Urteil getroffen. Pädagogische Kriterien hätten keine Rolle gespielt, so Peter Selter.

Auf diese Weise ist die Behörde zu dem Ergebnis gekommen, dass es sinnvoll ist, die Grafelder Schüler künftig in der Berger Grundschule unterzubringen. Weiterhin könnten die Jungen und Mädchen aus Schwagstorf der Grundschule in Fürstenau zugeordnet werden, wie der Rechnungshof weiterhin mitteilt. Das Schwagstorfer Schulgebäude könne die Samtgemeinde dann der Kongregation der Franziskanerinnen Thuine als Schulträger der Marienschule zum Kauf oder zur Miete anbieten. Schließlich müsse auch über die Benedikt-Grundschule in Fürstenau nachgedacht werden, so der Rechnungshof. Sie könne als eigenständige Schule ebenfalls unter das Dach der Grundschule Fürstenau schlüpfen.

Würde die Samtgemeinde den Empfehlungen des Landesrechnungshofes folgen – denen sich auch der Landkreis Osnabrück angeschlossen hat – dann würde die Kommune pro Jahr fast 142000 Euro sparen. Angesichts des Sparzwanges, dem die Samtgemeinde unterliegt, ist das zunächst einmal eine relevante Summe. Aber: Die Berechnungen des Landesrechnungshofes lassen viele wichtige Aspekte außer Acht – vor allem pädagogische, wie Peter Selter betonte. So sei der Raumbedarf der Grundschule in den vergangenen Jahren wegen der gestiegenen Anforderungen kontinuierlich gewachsen. Stichworte seien hier Inklusion und Ganztagsangebote. Das habe der Landesrechnungshof bei seinen Berechnungen nicht berücksichtigt, sei aber auch nicht seine Aufgabe gewesen.

Um nun aus der isolierten Betrachtungsweise der Behörde ein großes Ganzes zu machen, seien nun Schulen, Eltern und Politiker gefragt, wie Peter Selter deutlich machte. Am 20. Juni werde sich zunächst der Samtgemeinderat mit der Angelegenheit befassen, dann liege der Bericht des Landesrechnungshofes sieben Tage für alle Bürger zur öffentlichen Einsicht aus. Anschließend würden die Beratungen fortgesetzt.

Klar sei: Die Samtgemeinde dürfe die Augen nicht vor den aktuellen Entwicklungen verschließen, sie müsse mit allen Akteuren zukunftsfähige Konzepte entwickeln. Klar sei aber auch: Protestplakate müssten nicht gemalt werden, Schulschließungen stünden derzeit nicht an.

Eine wichtige Sitzung: Der Schulausschuss debattierte über die Zukunft der Grundschulen. Foto: Jürgen Ackmann

Eine wichtige Sitzung: Der Schulausschuss debattierte über die Zukunft der Grundschulen. Foto: Jürgen Ackmann

In diese Kerbe schlugen auch die Fraktionen. So erklärte Friedhelm Spree für die CDU und die UWG, dass die Samtgemeinde nicht verpflichtet sei, die Vorschläge des Landesrechnungshofes umzusetzen, gleichwohl könne sich die Kommune den Aussagen nicht entziehen. Wichtig sei auf jeden Fall, dass eine offene und transparente Debatte geführt werde. Das bedeute auch, dass es keine Denkverbote geben dürfe, zumal die Schülerzahlen, die der Landesrechnungshof vorgelegt habe, nicht wegzudiskutieren seien. An der Grundschule Berge beispielsweise sinke die Schülerzahl nun mal bis 2016 auf 102 Schüler. Das sei im Vergleich zu 2011 ein Minus von 24,4 Prozent. In Grafeld gehe die Zahl sogar von 47 auf 32 oder 31,9 Prozent zurück. Das seien Fakten, da die Kinder schon geboren seien. Da müsse natürlich auch überlegt werden, ob beispielsweise die Grundschule Berge zur Ganztagsschule ausgebaut und aufgewertet werde und die Grafelder Schüler dort ebenfalls unterrichtet würden. Im Gegenzug könne dann in der Grafelder Grundschule ein Kindergarten eingerichtet werden, um den St.-Servatius-Kindergarten in Berge zu entlasten, den derzeit ja auch die Grafelder Kinder besuchten, so Friedhelm Spree. Auch ein Zusammengehen von Benedikt-Grundschule mit der Grundschule in Schwagstorf oder mit der Grundschule in Fürstenau wollte Friedhelm Spree vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung nicht kategorisch ausschließen. All das seien Dinge, die mit all ihren Vor- und Nachteilen ausdiskutiert werden müssten.

Rudi Lühn wiederum unterstrich für die SPD und für die Grünen, dass schulpolitische Schnellschüsse nicht angebracht und notwendig seien. Er erinnerte zudem daran, dass die vor einigen Jahren errechneten demografische Entwicklungen allein aufgrund des aktuellen Zuzuges von Menschen aus südeuropäischen Ländern nach Deutschland schon wieder Makulatur seien.

Auch warnte er davor, zu sehr die Einsparung von 142 000 Euro im Blick zu haben. Viel wichtiger sei es, die Qualität der schulischen Angebote zu beachten.

http://www.noz.de/lokales/72360241/ausschuss-beraet-ueber-zukunft-der-grundschulen-in-der-samtgemeinde-fuerstenau