„Fürsten Forest“: Betreiber übernimmt Biotoppflege – Vertragsunterzeichnung mitten in der Natur

06.04.2012

NOZ 05.04.2012

Fürstenau. Es gibt Flächen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände, die ähneln der Lüneburger Heide. Wacholder, Heidebüsche und Sandmagerrasen prägen die Landschaft. Diese Biotope – insgesamt etwa 30 Hektar groß – gelten als besondere Naturlandschaften. Um ihren gesetzlich vorgeschriebenen Erhalt kümmert sich nun der Ferien- und Freizeitpark „Fürsten Forest“. Den Vertrag haben dessen Betreiber mit der Stadt Fürstenau und dem Landkreis Osnabrück geschlossen.

Die Situation: Insgesamt gibt es auf dem Gelände des früheren Standortübungsplatzes westlich von Fürstenau insgesamt 15 gesetzlich geschützte Biotope. Die sind registriert und der Öffentlichkeit zugänglich. Die Naturschutzbehörde des Landkreises Osnabrück hat auf Schutz und Erhalt von Flora und Fauna zu achten.

Die Planungen: Die Betreiber des „Fürsten Forest“ haben für das Gelände der früheren Pommernkaserne viele Pläne: Motorsport, Golfplatz, Reitsport, Ferienhäuser, Freizeitpark. Wie die rund 400 Hektar genutzt werden können, regelt ein Flächennutzungsplan. Einige Vorhaben wie Campingplatz, Kartbahn und Hotel sollen in Kürze verwirklicht werden.

Der Vertrag: So viel ist klar: Alle Projekte des Ferien- und Freizeitparkes sind mit „Eingriffen in Natur und Landschaft“ verbunden, für die an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden muss. Und das geschieht durch den Vertrag über die Biotoppflege, den die Betreiber des „Fürsten Forest“ mit Landkreis und Stadt ausgehandelt haben. Das heißt, für alle gesetzlich geschützten Biotope im Ferien- und Freizeitpark gibt es nun dauerhaft einen „Kümmerer“. Der bekommt dafür sogenannte „Ökopunkte“ gutgeschrieben, die bei kommenden Projekten angerechnet werden.

Mitten in einer der schützenswerten Heideflächen, die einst als Schießplätze genutzt wurden, unterzeichneten Jürgen Herpin (Landkreis Osnabrück), Projektmanager Jan Koers und Fürstenaus Stadtdirektor Peter Selter (von links) den Vertrag über die Biotoppflege. Foto: Christian Geers

Mitten in einer der schützenswerten Heideflächen, die einst als Schießplätze genutzt wurden, unterzeichneten Jürgen Herpin (Landkreis Osnabrück), Projektmanager Jan Koers und Fürstenaus Stadtdirektor Peter Selter (von links) den Vertrag über die Biotoppflege. Foto: Christian Geers

Die Pflege: Ein Planungsbüro hat gemeinsam mit der Naturschutzbehörde die schützenswerten Flächen genau unter die Lupe genommen und alle Flächen erfasst. Außerdem sind in dem Vertrag die regelmäßig auszuführenden Arbeiten aufgelistet. Die Pflege der Biotope, die einer Instandsetzung gleichkam, ist nach Ansicht von Jürgen Herpin vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis dringend notwendig gewesen. Vergrasung und Bewaldung gefährdeten die Heideflächen im Bestand. „Das Gelände wird entkusselt, junge Laub- und Tannenbäume werden entfernt und die Heide zurückgeschnitten“, erläutert er. Würde dies nicht geschehen, verwandelten sich die Heideflächen auf Dauer in einen Wald.

Das Besondere an diesen Biotopen sei, dass Heide- und Sandmagerrasenflächen erst durch den Menschen zu schützenswerten Gebieten geworden sind. Zauneidechsen, Wildbienen und Ziegenmelker könnten in ihren Beständen nur gesichert werden, wenn deren Lebensraum weiterhin kontinuierlich gepflegt werde.

Die Arbeiten: Etwa 30000 Euro haben sich die Betreiber des Ferien- und Freizeitparkes die Pflege der Biotope bereits kosten lassen. Die Heide wurde entbuscht, die Flächen geschlegelt. Das allerdings muss regelmäßig wiederholt werden. Deshalb wird in den Sommermonaten ein Schäfer mit seiner Herde über die Flächen ziehen. „Stoßbeweidung“ nennt es der Fachmann, wenn eine große Schafherde über eine kleine Fläche zieht. „Dabei verbeißen die Tiere die jungen Baumtriebe“, so Herpin. Ein Effekt, der überdies auch dem Tourismus zugute kommen könnte. „Schäfer und Schafherde schaffen hier ein kleines Stück Lüneburger Heide“, sagt Jürgen Herpin.

Die Stimmen: Fürstenaus Stadtdirektor Peter Selter begrüßt das ausgearbeitete Vertragswerk. Er ist sich mit Herpin einig, dass hier eine Lösung gefunden sei, die sowohl die Interessen des Naturschutzes als auch die des Investors berücksichtigt. „Es muss ja auch für den Investor wirtschaftlich tragbar sein“, so der Landkreis-Vertreter. Denn dieser werde ja in den kommenden Jahren die Kosten für die Pflege der Biotope schultern. Wenn beide Parteien profitierten, sei das wie in der Wirtschaft mit einer „Win-win-Situation“ zu vergleichen. „Die Pflege ist uns das Geld wert“, sagt „Fürsten Forest“-Geschäftsführer Jan Koers zur vorliegenden Rahmenvereinbarung.

Für die Vertragsunterzeichnung hatten sich die drei übrigens ein lauschiges Plätzchen ausgesucht: Auf einer Lichtung, die einst als Schießplatz diente und auf der wieder die Heide blüht, stellten sie einen Tisch und drei Stühle auf.