Ganztagsregelung: Wittlager Schulen schlagen Alarm

Altkreis Wittlage. Mit dem Schuljahresbeginn 2014/2015 wird ein neuer Berechnungsmodus für den Ganztag eingeführt. Während große Bildungsstätten, wo viele Schüler das Ganztagsangebot nutzen, profitieren, macht die Neuregelung kleineren Schulen große Sorgen. Auch die Ganztagsschulen im Wittlager Land schlagen Alarm.

Verheißungsvoll klang der Brief, den die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt Ende Januar an die Schulen im Land verschickte. „Endlich gute Ganztagsschule in Niedersachsen!“ lautete die Überschrift des Schreibens, welches ankündigte, dass bis Ende 2017 rund 260 Millionen Euro für die Qualitätsverbesserung des Ganztags eingesetzt werden. Blätterten Betroffene jedoch ein paar Seiten weiter, wurde deutlich, was tatsächlich gemeint war: So wird mit dem Schuljahresbeginn 2014/2015 ein neuer Berechnungsmodus eingeführt, der die Lehrerstunden für den Ganztag pro teilnehmenden Schüler berechnet. Während große Bildungsstätten, wo viele Schüler das Ganztagsangebot nutzen, profitieren, macht die Neuregelung kleineren Schulen große Sorgen.

Obwohl Heiligenstadt erklärt, dass keine Schule langfristig schlechtergestellt werden soll, sehen die Schulleiter und Gemeinden im Wittlager Land den neuen Schlüssel kritisch. „Wir würden uns in der Stundenzahl für den Nachmittag verschlechtern“, klagt eine Schulleiterin aus Bad Essen. „Zwar bleiben wir bestenfalls auf dem aktuellen Stand. Aber selbst das ist nicht zufriedenstellend.“ Denn sowohl in Bad Essen als auch in Bohmte und Ostercappeln müssen die Lehrerstunden für die Nachmittagseinheiten kapitalisiert und von schulexternen Anbietern übernommen werden, damit die Betreuung überhaupt gewährleistet ist.

Carsten Meyer, Erster Gemeinderat in Bad Essen, zieht hierzu ein ernüchterndes Resümee: „Von der Mehrausstattung in Hannover kommt nicht viel bei uns an. Das Land nutzt das Geld, um in weiteren Schulen den Ganztag einzuführen.“ Die Mehrheit der Schulen in
Bad Essen hätte nach der neuen Berechnung weniger Stunden als vorher zur Verfügung.

Ähnlich sieht es in Bohmte aus. „Das ist eine absolute Katastrophe für das Wittlager Land“, meint die erste Gemeinderätin Sabine de Buhr-Deichsel. „Aber für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie brauchen Eltern ein qualitativ hohes Ganztagsangebot.“ So müsse bei weniger Nachmittagsstunden erneut die Kommune eingreifen. „Eigentlich ist das nicht unsere Aufgabe“, erklärt de Buhr-Deichsel. „Derjenige, der bestellt, sollte auch bezahlen.“

Rainer Ellermann, Bürgermeister von Ostercappeln, hofft wie seine Kollegen, dass durch die aktuelle Umfrage an den Schulen noch ein Umdenken in Hannover einsetzt. Ostercappeln könne den Ganztag nur schwer alleine stemmen, schließlich seien die Fixkosten für das Nachmittagsangebot hoch. „Unsere Schulen werden schlechtergestellt. Wenn das so weitergeht, bedeutet das irgendwann den Tod der kleinen Grundschule“, so Ellermann. Dabei sind diese für Gemeinden wie beispielsweise Schwagstorf oder Wehrendorf essenziell. Eine eigene Schule macht einen Ort lebenswerter und zudem interessanter für junge Familien. „Vor allem in Zeiten des demografischen Wandels brauchen wir Schulen an unseren Standorten“, macht Ostercappelns Bürgermeister deutlich.

Dennoch wollen alle drei Gemeinden an ihrem Ganztagsangebot festhalten, dieses notfalls mit alleinigen Mitteln weiterlaufen lassen. So bleibt zu hoffen, dass die kleinen Ganztagsschulen tatsächlich ihre Nachmittagsstunden trotz niedrigerem Schlüssel behalten dürfen. Denn „kleine Beine brauchen kleine Wege“, hält de Buhr-Deichsel die Wichtigkeit der kleinen, persönlichen Schulen auch für Kinder treffend fest.

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