Vorsitzender des Finanzausschusses: „Mit Augenmaß Gewerbe nach Bissendorf holen“

07.12.2016
Der 31-jährige Versicherungsfachwirt Simon Dresing ist neuer Vorsitzender des Finanzausschusses der Gemeinde. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Der 31-jährige Versicherungsfachwirt Simon Dresing ist
neuer Vorsitzender des Finanzausschusses der Gemeinde.
Foto: Bärbel Recker-Preuin

Simon Dresing ist Neuling im Rat der Gemeinde Bissendorf, er arbeitet in drei Ausschüssen mit und wurde Vorsitzender im Finanzausschuss. Ein ausgeglichener Gemeindehaushalt sei auf Jahre wohl nicht mehr zu erreichen, meint der 31-jährige Versicherungsfachwirt aus Schledehausen. Dennoch habe Bissendorf gute Chancen, Schulden abzubauen.
Herr Dresing, Sie sind Neuling im Rat, auch Neuling im Ehrenamt?
Nein, Ehrenämter gehören zu meinem Leben. Ich bin im Schützenverein Schledehausen aktiv, Stadionsprecher bei den Sportfreunden, seit meinem 18. Lebensjahr Wahlhelfer, seit  2008 Mitglied der CDU und 2011 wurde ich Gründungsmitglied der Jungen Union Bissendorf. Gerade im ländlichen Bereich ist das Ehrenamt Verpflichtung, meine ich.
Und jetzt haben Sie diese Fülle an Ehrenämtern mit der Ratsmitgliedschaft und gleich dem Vorsitz im Finanzausschuss getoppt. Wie kam es dazu?
Über die CDU bin ich zur JU gekommen, weil ich mitgestalten und mich für meine Heimatgemeinde einbringen möchte. In diesem Jahr habe ich mich dann bei der Kommunalwahl aufstellen lassen. Mein Listenplatz Nummer elf war keineswegs exponiert, aber ich habe für ein Mandat gekämpft und schließlich ein Direktmandat geholt. Es gab in unserer Fraktion drei Ratsmitglieder, die Interesse am Finanzausschuss hatten – alle sind neu im Rat. Die CDU hatte Vorschlagsrecht für den Vorsitz, also habe ich die Aufgabe übernommen.
Der Finanzausschuss ist ein wichtiger Ausschuss, der zukunftsweisende Entscheidungen trifft. Fühlen Sie sich als Ratsneuling dieser Aufgabe gewachsen?
Jawohl, sonst hätte ich die Aufgabe nicht angenommen. Ich bringe als Versicherungsfachwirt mein berufliches Wissen ein. Aber natürlich: Ich muss noch viel lernen und mich einfinden. Gemeindehaushaltsplan und Doppik sind für mich in der Tat Neuland. Auf meine erste Aufgabe im Finanzausschuss wurde ich von Kämmerer Andre Middelberg bestens vorbereitet.
Wie ist Ihre erste Finanzausschusssitzung verlaufen?
Die hätte besser laufen können, inhaltlich, meine ich. Ich hatte die Aufgabe zu moderieren, und das hat wohl geklappt. Dass der Haushaltsplan nach drei ausgeglichenen Jahren wieder einen Fehlbetrag ausweist, ist kein gutes Ergebnis der Sitzung. Leider sehe ich auch in den nächsten Jahren keinen ausgeglichenen Haushalt.
Woran liegt das?
Das liegt an den Ausgaben. Wir mussten 70 zusätzliche Kita-Plätze schaffen und die Oberschule am Sonnensee verursacht mit dem Angebot des gymnasialen Zweiges hohe Kosten. Für diese Aufwendungen gibt es keinen Ausgleich durch Land oder Bund. Die Leistungen für gute Bildung – die sicherlich gut angelegt sind – wurden uns aufgestülpt. Eine Gemeinde wie Bissendorf kann das nicht so wegstecken. Außerdem werden hohe Kosten für die Instandhaltung des Straßen- und Wegenetzes auf uns zu kommen. Dieser Posten ist mir sehr wichtig. Am Gemeindestraßennetz haben wir schon zu lange gespart.  In unserer Flächengemeinde gibt es ein Netz von 275 Kilometern, viele Kilometer müssen dringend saniert werden, damit nicht noch höhere Folgekosten entstehen.
Wie sieht es denn mit zusätzlichen Einsparungen aus, um den Fehlbetrag zu verringern?
Ich glaube nicht, dass ernst zu nehmende Einsparungen möglich sind. Sicherlich müssen wir immer wieder genau hinsehen, ob noch etwas geht, aber ich bin da skeptisch. Wir sollten auch nicht auf „Teufel kommt heraus“ einsparen, das tut der Gemeinde nicht gut. Besser ist es, die Einnahmenseite zu verbessern.
Und an welchen Posten denken Sie?
Bei den Gewerbe- und Grundsteuereinnahmen stehen wir gar nicht schlecht da – bis auf die Tatsache, dass die Gewerbesteuer der Firma Solarlux nach ihrem Wegzug fehlt. Meiner Meinung nach sollten wir den erfreulich hohen Bedarf an Wohnraum noch besser abdecken. Mit der Ausweisung von neuen Wohngebieten könnte Bissendorf für Familien noch interessanter werden. Einnahmen bei der Gewerbesteuer haben nach meiner Auffassung aber das größte Potenzial, um irgendwann wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. Das heißt: Wir sollten in Bissendorf offen für neue Gewerbeansiedlungen sein. Mit Augenmaß Gewerbe nach Bissendorf holen, das wäre der beste Weg, um die Einnahmenseite zu verbessern.
Ein Artikel von Bärbel Recker-Preuin