Zwei neue Ratsvorsitzende

14.11.2016

fot-kz7b2914_201611041835_fullGemeinderat haben zwei Neulinge das Sagen: Zum Ratsvorsitzenden hat das Gremium am Donnerstag einstimmig Klaus Dierker (SPD) gewählt, sein Stellvertreter wurde ebenfalls einstimmig Tim Eurlings von der CDU. Nach der Hälfte der Ratsperiode werden sie tauschen.

Darauf hatten sich CDU und SPD bereits im Vorfeld verständigt, da sie bei der Kommunalwahl am 11. September gleich viele Sitze (elf) im Rat bekommen hatten. Die CDU lag bei der Zahl der Wählerstimmen (37,4 Prozent) noch vor der SPD (35,6 Prozent) und durfte daher entscheiden, wer die ersten zweieinhalb Jahre übernimmt. Für Dierker (SPD) wie für Eurlings (CDU) ist es die erste Ratsperiode. Feste Mehrheiten gibt es nicht – so war es auch schon in der zweiten Hälfte der vergangenen Ratsperiode.
LAB-Leiter in Hesepe
Klaus Dierker leitet seit rund einem Jahr die niedersächsische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (Landesaufnahmebehörde, LAB) in Bramsche-Hesepe. Der 56-jährige Polizeibeamte sagte: „Ich bin zwar kein gebürtiger Bissendorfer, aber mittlerweile hier sozialisiert.“ Vor 15 Jahren sei er mit seiner Familie nach Bissendorf gezogen. Bei der letzten Sitzung des alten Rats sei ihm aufgefallen, „dass das Attribut des gegenseitigen Respekts sehr betont wurde.“ Er forderte auch für die neue Ratsperiode, dass alle das „gegenseitige Recht auszureden“ respektieren und „Sachlichkeit auch bei kritischen Fragen“ üben. Und eine Bitte hatte er: „Handys und Tablets aus: Das ist ein Zeichen von Wertschätzung.“ Dierker: „Ich würde mich freuen, wenn wir auch am Ende hier sagen können, wir sind respektvoll miteinander umgegangen.“
Tischglocke weitergegeben
Für den Fall, dass Dierker einmal seine Stimme schonen müsse, um sich Gehör zu verschaffen, überreichte ihm sein Vorgänger als Ratsvorsitzender, der ausgeschiedene SPD-Politiker Wilfried Langhans, die Tischglocke, die er seinerseits vor fünf Jahren vom CDU-Fraktionschef Volker Buch bekommen hatte. „Nutze sie, wenn Du sie brauchst“, sagte er Dierker. Benötigt hat Langhans das Glöckchen selten – wenn überhaupt, dann, um zu Beginn der Sitzungen zur Ruhe zu rufen. Seit der Rat im neuen Bürgersaal am Kirchplatz tagt, ist auch das überflüssig geworden: Pünktlich um 18 Uhr schlagen die Glocken der katholischen St. Dionysius-Kirche.
Stellvertreter ist Schledehausener
Tim Eurlings, der in zweieinhalb Jahren den Ratsvorsitz von Dierker übernehmen wird, ist 38 Jahre alt und in Schledehausen aufgewachsen. Dort lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern und leitet eine Versicherungsagentur. Sollten sowohl Dierker als auch Eurlings einmal ausfallen, übernimmt Bürgermeister Guido Halfter (parteilos) die Sitzungsleitung –eine ungewöhnliche und ebenfalls einstimmige Wahl. Normalerweise wird der zweite stellvertretende Ratsvorsitzende ebenfalls aus den Reihen der Fraktionen bestimmt.
Ratsältester ruft zu Bescheidenheit auf
Bis zur Wahl Dierkers zum Vorsitzenden hatte als ältestes Ratsmitglied Hans-Dieter Schleibaum (SPD) die Ehre, die Ratssitzung zu leiten. Er hob die Herausforderungen hervor, die auf die Gemeinde zukämen: „Wir werden älter, wir werden weniger und wir werden bunter.“ Schleibaum sprach angesichts des Zuzugs vieler Geflüchteter von „Völkerwanderung“ und bemängelte, dass es seitens der Bundespolitik an Lösungen zu deren Integration fehle. Er schloss seine Ansprache mit dem Aufruf zu mehr Bescheidenheit und Gelassenheit angesichts der vielen Krisen weltweit: „Bei aller Freude über die neue Ratsperiode sollten wir nicht vergessen, dass es so viel Elend und Leid auf dieser Welt gibt, dass die Probleme vor Ort verblassen.“ Für die angemahnte Gelassenheit sei die Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg, die in diesem Rat ohne klare Mehrheiten nötig ist, sicher hilfreich, so Schleibaum.