RÜCKZUG AUS DER GEMEINDEPOLITIK: Nach 40 Jahren hört Meinker (CDU) im Bissendorfer Rat auf

16.10.2016
Foto: Swaantje Hehmann

Foto: Swaantje Hehmann

Nach 40 Jahren im Gemeinderat zieht sich Friedrich Meinker (CDU) aus der Bissendorfer Kommunalpolitik zurück. Eine turbulente Zeit liegt hinter ihm – verhältnismäßig ruhig ging es nur die vergangenen fünf Jahre zu, sowohl für ihn als Mandatsträger als auch für den Rat in Gänze.
Er hat wenig ausgelassen: 13 Jahre lang war Meinker Ratsvorsitzender, mal trat er nach persönlichen Differenzen für einige Jahre als Einzelner aus der CDU-Fraktion aus, mal trat er mit einigen anderen Christdemokraten als WfB („Wir für Bissendorf) als Konkurrenz zur Mutterpartei zur Kommunalwahl an – ebenfalls nach parteiinternem Krach –, bildete dann aber mit der CDU eine Gruppe. Irgendwie kehrte er schließlich immer wieder zurück zu seiner Heimat-Fraktion und blieb der CDU bis heute treu. Für die Partei wird er auch weiter im Kreistag sitzen – doch im Gemeinderat ist nach 40 Jahren nun Schluss. Meinker hatte sich am 11. September nicht erneut zur Wahl gestellt.
Langeweile?
„Die letzten fünf Jahren zählten zu den ruhigsten überhaupt“, bilanziert Meinker. Hört er etwa auf, weil es ihm zu langweilig geworden ist? „Es waren 40 Jahre!“, erwidert der Christdemokrat. „Irgendwann ist mal der Punkt erreicht, wo man sagen darf: Ich mache ein bisschen weniger.“
Einstieg mit 24 Jahren
Der Wulftener war 24 Jahre alt, als er zum ersten Mal für den Rat kandidierte. Es war der erste Rat der Gesamtgemeinde Bissendorf, die im Zuge der Gebietsreform 1972 entstanden ist. An seine erste Wahl erinnert er sich noch gut. „Ich wollte nur ein einigermaßen gutes Ergebnis, mit dem ich mich nicht blamiere“, erzählt Meinker. Er schaffte es, direkt gewählt zu werden. „Ich bin immer direkt gewählt worden“, betont Meinker, „und immer mit dem besten Ergebnis der CDU.“
Wacholder und Pils
Die allererste Ratssitzung fand statt im Gasthaus Schorling in Wissingen. Es waren andere Zeiten – nicht nur, weil Wacholderschnaps, Pils und Zigaretten zu den Sitzungen mit dazugehörten. Bis 1972 waren die Ortsteile eigenständige Gemeinden gewesen, plötzlich nicht mehr. „Damals gab es ganz viel Gezerre“, erinnert sich Meinker. Das Ortsteildenken von damals gebe es mittlerweile nicht mehr.
Wechselnde Versammlungsräume
Ausschuss- und Ratssitzungen fanden immer an anderen Orten statt, erst in Gaststätten, später vermehrt in Schulen. „1972 haben wir da schon drüber diskutiert“, sagt Meinker mit Blick auf den Bau eines neuen Rathauses nebst Ratssaal. Realisiert wurde es erst jetzt. Seit einem Jahr finden alle Sitzungen im neuen Bürgersaal statt, dessen Bau aus Kostengründen im Vorfeld umstritten war. „Man darf die Bedeutung eines solchen Raums nicht unterschätzen“, betont Meinker, der sich für den Saal eingesetzt hatte. „Das gehört einfach zu einer einigermaßen modernen Verwaltung dazu.“
Immer wechselnde Mehrheiten
Neben dem jahrzehntelangen Wechsel von Sitzungssälen hatte noch etwas anderes Tradition in Bissendorf: „Wir hatten immer wechselnde Mehrheiten“, blickt Meinker zurück. 1972 bestand der Rat nur aus SPD, CDU und Wählergemeinschaft. Mittlerweile sind fünf Parteien und Gruppen im Rat vertreten – aber auch dieses Mal deutet vieles darauf hin, dass es keine feste Mehrheit geben wird. SPD und CDU haben jeweils elf Sitze bekommen.
Als Ratsvorsitzender gefordert
Als Ratsvorsitzender in der Zeit von 1998 bis 2011 – davon die letzten fünf Jahre für die WfB – sei er durchaus gefordert gewesen, sagt der Christdemokrat und erinnert an die hitzigen Debatten um die höchst umstrittene Ansiedlung der Spedition Koch auf dem Natberger Feld. Was zählt er zu den Höhepunkten seiner 40 Jahre im Rat? „Ich will da gar nichts besonders hervorheben“, sagt Meinker. „Die Gemeinde hat sich kontinuierlich zum Positiven weiterentwickelt.“
„Warum tust Du Dir das an?“
Gibt es irgendetwas, das er bereut? „Es gab sicher Situationen, wo man nach einer Sitzung nach Hause gefahren ist und sich gefragt hat: ‚Warum tust Du Dir das an?‘“, sagt Meinker. „Aber im Grunde genommen war es spannend und schön.“ Wird ihm die Ratsarbeit nach so vielen Jahren nicht fehlen? „Nein, nein, nein!“, beeilt Meinker sich, zu sagen. „Das fehlt mir nicht.“ Er habe sich ja die vergangenen fünf Jahre darauf vorbereiten können und da schon keine Ausschüsse mehr besetzt. Der Wulftener freut sich darauf, dass sein Terminkalender jetzt „noch entspannter“ werde – und er noch mehr Zeit zum Golfen hat. Sein Kreistagsmandat aber wolle er „noch mit Herzblut wahrnehmen“, betont er. „Ich bleibe Bindeglied zwischen dem Kreis und der Gemeinde.“
Ein Artikel von Sandra Dorn
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