MASSNAHMEN GEGEN FLUT IN BISSENDORF: Wissinger sehen Hochwasser entspannt entgegen

22.08.2015
Links die Wierau – rechts der Linner See: Beides verbindet die neue Flutmulde, die (von links) Bürgermeister Guido Halfter, Christoph Börger, Rolf Detert, Michael Watzenig und Peter Kühn besichtigen. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Links die Wierau – rechts der Linner See: Beides verbindet die neue Flutmulde, die (von links) Bürgermeister Guido Halfter, Christoph Börger, Rolf Detert, Michael Watzenig und Peter Kühn besichtigen. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Als das Tiefdruckgebiet Florian über das Osnabrücker Land hinweg zog, schauten nicht wenige Wissinger mit mulmigen Gefühlen in die Wolken. Erinnerungen an Cathleen wurden wach. Ein Tief mit diesem Namen hatte am 27. August 2010 den Ortsteil in weiten Teilen überschwemmen lassen. „Alles ganz entspannt“, fasste Bauhofleiter Peter Kühn die aktuelle Lage des vergangenen Wochenendes zusammen. Passgenauem Hochwasserschutz sei Dank.
Florian wird also schnell in Bissendorf in Vergessenheit geraten, nicht aber Cathleen. Starke Regenfälle hatten Ende August 2010 zum Jahrhunderthochwasser geführt, das weite Teile Wissingens unter Wasser setzte. Überschwemmungsgefahr drohte nicht von der breiten Hase, sondern von der kleinen Wierau , die normalerweise als idyllisches Bächlein durch Wissingen in Richtung Hase fließt. Die Wierau-Schwachstellen in Wissingen waren schon 2010 bekannt, denn schon häufiger, auch bei niedrigeren Pegelständen, tritt hier das Wasser über die Ufer. Besonders bei den Hochwassern 1968 und 1998. Seit der Oktoberflut 1998 gab es in Rat und Verwaltung intensive Überlegungen, wie Abhilfe zu schaffen wäre.
Hochwasserschutzkonzept umgesetzt
Nach Cathleen machte die Gemeinde Druck, da das nächste Jahrhunderthochwasser schneller kommen kann, als man denkt. Die Hydroingenieure der HI Nord entwickelten ein Hochwasserschutzkonzept, das der Rat umgehend bewilligte. Als dann die Zusage der NLWKN (Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) über eine Fördersumme von 560000 Euro, also über 70 Prozent der Gesamtinvestitionssumme von 800000 Euro, eintraf, wurde der Hochwasserschutz zwar nicht zum Schnäppchen , aber es gab die Chance zur Umsetzung des hochwertigen Konzeptes. Die Schäden des letzten Hochwassers wurden mit 2,2 Millionen veranschlagt.
Im Dezember 2014 gab es den ersten Spatenstich für den Überflutungsschutz, nach den Herbstferien 2015 soll alles fertig sein. Schon jetzt schauen die Hydroingenieure Christoph Börger und Michael Watzenig zufrieden in die Wierau. „Ein sehr schönes Projekt des Hochwasserschutzes hier in Bissendorf, drei Maßnahmen, die wirklich greifen,“ so Watzenig.
Gebündelte Wieraufluten
Entspannt beobachtet Bürgermeister Guido Halfter den Fluss und die nächtlichen Kontrollgänge am letzten Wochenende ließen auch Peter Kühn anschließend ruhig schlafen. „Wissingen ist wesentlich sicherer geworden“, fasst Wierau-Anlieger Rolf Detert zusammen.
Dreimal Hochwasserschutz

Am Flut-Nadelöhr Wierau: mit einer 1,75 Meter hohen Spundwand wird der Fluss in seinem Bett gehalten. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Am Flut-Nadelöhr Wierau: mit einer 1,75 Meter hohen Spundwand wird der Fluss in seinem Bett gehalten. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Drei Hochwasserschutzmaßnahmen wurden in Bissendorf umgesetzt. Auffällig ist die neue Spundwand an der Engstelle „An der Wierau“. Von hier hatte sich 2010 das meiste Wasser in den Ort ergossen. Bis auf wenige Verblendsteine, Fugen und den Straßenbau ist hier alles fertig. Die Wierau fließt jetzt hinter einer 1,75 Meter hohen Wand. Da die Straße erhöht wurde, ragt die Mauer 1,40 Meter hoch hinaus. Weiterlesen: Hochwasseralarmplan für Bissendorf entwickelt.
Fluss ist jetzt deutlich entlastet
Wenn ein künftiges Hochwasser dieses Nadelöhr erreicht, ist der Fluss bereits deutlich entlastet. Die Hydroingenieure legten etwa zweihundert Meter flussaufwärts einen Überlauf an. Hier fließt die Wierau mit einem Abstand von nur 20 Metern am Linner See entlang. Hier wurden beide Gewässer durch eine Flutmulde verbunden. Das heißt, der Zwischenraum von Wierau und Linner See wurde um etwa 1,80 Meter abgesenkt. Das Wierauufer wurde mit Wällen, Spundwand und Tauchwand ausgebaut, sodass sich im Gefahrenfall das Wasser in den See ergießt. 160000 Kubikmeter Wasser können überfließen, ohne dass ein Tropfen überflutet. Beim Jahrhunderthochwasser von 2010 zeigte der Pegel 75,32 Meter über Normalnull an. Die Ingenieure legten noch einmal einen Sicherheitspuffer von 30 Zentimetern drauf.
Dritte Maßnahme startet bald
Mit der dritten Maßnahme flussabwärts Richtung Hase wird Ende des Monats begonnen. Der Linner Weg und der Bröckerweg werden um 70 beziehungsweise 110 Zentimeter erhöht und wirken dann als Schutzwälle zum Hasetal und zur Mündung der Wierau.
Ein Artikel von Bärbel Recker-Preuin.
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