Amprion in Bissendorf offen für neue 380-kV-Trasse – Suche nach der besten Lösung

01.03.2014

NOZ 01.03.2014:
Amprion_2Die Firma Amprion ist bereit, beim geplanten Bau der neuen Höchstspannungsleitung durch die Gemeinde Bissendorf auch völlig neue Wege zu gehen und nicht zwangsläufig eine der beiden bestehenden Hochspannungsleitungen auf 380 Kilovolt (kV) hochzurüsten. Ein Arbeitskreis soll den optimale Trassenverlauf finden.
Bislang hatte Amprion vor, die bestehende 220-kV-Leitung auf 380 Kilovolt hochzurüsten, die von Bad Essen-Wehrendorf quer durch Bissendorf zum Umspannwerk in Osnabrück-Lüstringen führt. Die Folgen: Höhere Masten, breitere Schutzstreifen am Boden und besorgte Anwohner, die wegen der Strahlung um ihre Gesundheit fürchten. Besonders betroffen wären Schledehausen und Wissingen.
Zwei größere Stromleitungen führen derzeit quer durch Bissendorf: eine 110-kV-Leitung im Besitz des Energieversorgers RWE und südlich davon die 220-kV-Leitung der Amprion. Bislang hatte der Übertragungsnetzbetreiber Amprion vor, die südliche hochzurüsten. Hintergrund ist die Energiewende. In der gesamten Republik gibt es 24 Stromtrassen, die zu Strom-Autobahnen ausgebaut werden sollen, um saubere Windenergie aus dem Norden in den Süden zu transportieren.
Entlang der 70 Kilometer langen Gesamt-Trasse Nummer 16 von Wehrendorf über Osnabrück nach Gütersloh haben sich bereits mehrere Bürgerinitiativen gegründet und zur Gruppe „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“ zusammengeschlossen. Überall ist der Protest massiv. Mehrere Kommunen haben bereits Resolutionen verabschiedet, in denen sie sich an die Seite der Freileitungsgegner stellen, die mehr Erdverkabelungen fordern. Nur der Bissendorfer Rat hat sich mit solchen Forderungen bislang zurückgehalten und wollte erst prüfen, was überhaupt realistisch ist. Während das Land Niedersachsen auf dem Abschnitt von Lüstringen bis zur Landesgrenze NRW bereits ein Raumordnungsverfahren mit einer intensiven Prüfung von Trassenvarianten angeordnet hat, stehen die Planungen für den Abschnitt Wehrendorf-Lüstringen noch ganz am Anfang.
Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter hatte deshalb zu einer Informationsrunde alle Beteiligten ins Rathaus eingeladen. Das Ergebnis: Amprion könnte sich auch einen ganz andere als die bestehenden Trassenverläufe vorstellen. Das Jahr 2014 solle dazu genutzt werden, mit der Bissendorfer Politik, mit Experten und den Vertretern der Bürgerinitiativen gemeinsam einen möglichst konfliktarmen Trassenkorridor zu finden, sagte Halfter. Zu den Konflikten in den übrigen Abschnitten kommt es auch, weil Amprion nicht überall die Mindestabstände zu Wohnhäusern – 200 Meter im Innen- und 400 Meter im Außenbereich – einhält.
Sprecher der noch kleinen Bissendorfer Bürgerinitiative ist Martin Schürmeyer, der im Grenzbereich zu Holsten-Mündrup wohnt. „Wir haben schon mehrere Unterschriften gesammelt“, sagte er. Dass sich Amprion offen zeigt, findet er gut. „Die Frage ist aber, ob uns das reicht.“ Die Firma sei „mit Sicherheit inzwischen durch die Proteste sensibilisiert“, so Schürmeyer.
„Das hat nichts mit den Protesten zu tun“, betont Amprion-Pressesprecher Jörg Weber auf NOZ-Anfrage. Zur Zeitschiene sagte er: „Wir werden im März ein Konzept entwickeln und dann den Bürgermeistern vorstellen.“ Dabei gehe es nicht um Wunschvorstellungen, sondern um eine Trasse, „die realisierbar ist.“

KOMMENTAR
Guter Weg von Amprion in Bissendorf
Von Sandra Dorn 

Bissendorf profitiert offensichtlich von den Erfahrungen, die Amprion beim Ausbau des Hochspannungsnetzes im Osnabrücker Land bislang gemacht hat.
Im Abschnitt Lüstringen–Gütersloh sind die Proteste massiv –auch deshalb, weil der Übertragungsnetzbetreiber von vornherein einen Trassenverlauf vorgeschlagen hatte, in dem Mindestabstände zu Wohnhäusern nicht eingehalten werden können.
Bundesweit stockt der Stromnetzausbau, weil sich allerorten Bürgerinitiativen gründen.
Der Plan, erst im Gespräch mit Experten und den örtlichen Politikern einen möglichst konfliktarmen Trassenkorridor in Bissendorf zu suchen, verspricht deutlich mehr Sachlichkeit und Akzeptanz.
Warum ist das Unternehmen Amprion nicht von Anfang an überall so vorgegangen?