Bersenbrücker Wirtschaftswunder jetzt mit Hochglanz

1. September 2015

H&B Lackierwerke expandieren

Bersenbrück. In der Wirtschaftskrise 2008 gelang den H&B Lackierwerken in Bersenbrück ein kleines Wunder. Als Neugründung blühte ein insolventes Unternehmen wieder auf. Das sei auch ein Verdienst der leistungsfähigen und flexiblen Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück und der Stadt Bersenbück, sagt Geschäftsführer Martin Hülsmann. H&B erweitert gerade mit einer riesigen Industriehalle und einer neuartigen Lackieranlage.

Im Ranking des Magazins „Wirtschaftswoche“ und der Deutschen Bank erreicht der Landkreis Osnabrück den vierten Platz unter den Regionen mit den besten mittelständischen Unternehmen. Dies sei Erfolg einer aktiven Politik, die sich am Beispiel H&B aufzeigen lasse, so Hülsmann. In der Krise half der Landkreis, die Mitarbeiter mit Kurzarbeit und Weiterbildung zu halten.

Ebenso unbürokratisch half die Stadt Bersenbrück, als es darum ging, mit Umstieg auf erneuerbare Energien die Kosten zu senken. „Wir gaben einen Vorschuss, der später mit erhöhten Steuereinnahmen wieder hereinkam“, kommentiert für Bersenbrück Vizestadtdirektor Johannes Koop. Das hat sich gelohnt: H&B ging eine enge Kooperation mit dem direkten Nachbarn Kunststofftechnik Borgmann ein. Die enge Verbindung von Spritzguss und Lackierung sei selten in der Branche und werde von den Kunden aus Autoindustrie und anderen Industriezweigen geschätzt, sagt Hülsmann. H&B und Borgmann teilen sich sogar ein EDV-System.

Die H&B Lackierwerke in Bersenbrück werden erweitert. Von links: Christian Klütsch, Lothar Böse, Martin Hülsmann, Siegfried Averhage, Johannes Koop. Foto: Martin Schmitz

Die H&B Lackierwerke in Bersenbrück werden erweitert. Von links: Christian Klütsch, Lothar Böse, Martin Hülsmann, Siegfried Averhage, Johannes Koop. Foto: Martin Schmitz

Anlass des Treffens war die Vorstellung einer 4000 Quadratmeter großen Industriehalle, die gerade gebaut wird. In der einen Hälfte soll eine neuartige Hochglanzlackieranlage arbeiten, die andere Hälfte wird zum Rangieren der Chargen gebraucht. „Lackieren braucht viel Logistik“, sagt Hülsmann.

Unternehmen dazu gekauft

5000 Quadratmeter Nutzfläche haben die Unternehmen bislang zusammen geschaffen. Dies war möglich, weil die Gewerbegrundstücke im Industriegebiet mit reichlich Reserveflächen zugeschnitten sind, auf Betreiben Lothar Böses in seiner Zeit als Mitarbeiter der Verwaltung. H&B wuchs von 60 auf etwa 110 Arbeitskräfte an, teils durch Aufstockung von Teilzeitjobs. Auch Borgmann wuchs kräftig, kaufte im vergangenen Herbst ein Unternehmen mit 15 Mitarbeitern in Süddeutschland hinzu.

Doch was wäre eigentlich passiert, wenn die öffentliche Hand sich 2008 herausgehalten und die beiden Unternehmen sich selbst überlassen hätte? Dann würde es im schlimmsten Fall statt der zusammen knapp 260 Arbeitsplätze im Bersenbrücker Industriegebiet vielleicht 60 oder 70 geben, rechnet Hülsmann vor. Tristesse statt Hochglanz.

Flüchtlinge zu Facharbeitern

Den Mittelstand zu stärken sei „Philosophie des Landrates“ Michael Lübbersmann, sagt Landkreis-Wirtschaftsförderer Siegfried Averhage. Zum Zeitpunkt der „Lehman-Krise“ 2008 war der auch Samtgemeindebürgermeister in Bersenbrück.

Die regionale Wirtschaftspolitik sei so erfolgreich gewesen, dass nun ein Mangel an Facharbeitern zum vordringlichen Problem geworden sei, sagt Christian Klütsch, Bersenbrücker Bürgermeister. Auch dort versuche der Landkreis zu helfen über seine kommunale Arbeitsvermittlung „Maßarbeit“, so Averhage. Hülsmann kann sich vorstellen, auch Flüchtlinge als Mitarbeiter zu beschäftigen. Der Landkreis arbeite an einer pragmatischen Lösung, antwortet Averhage. Ob die aber zustande komme, sei angesichts eines komplizierten Asylrechts offen.

Artikel des Bersenbrücker Kreisblattes/Martin Schmitz vom 01.09.2015