Leserbrief zum Vollsortimenter

27. März 2013

Lange habe ich mich zurückgehalten mit einer persönlichen Meinung in der Öffentlichkeit, aus Rücksicht auf die Fördergemeinschaft Aktuelles Bersenbrück, deren Vorsitz ich seit über 4 Jahren inne habe. Jetzt reicht es.
Die aktuellen Nachrichten bzgl. des Urteils, das wohl das Projekt Kaufland so nicht entstehen wird, erschüttern mich. Was mich noch mehr erschüttert, ist die Diskussion darüber. Nach Schließung des Combi ist eine neue Situation entstanden. Diese allein schon hätte das Gericht zu einer positiven Entscheidung führen müssen. Die angebliche Nähe zur Innenstadt kann es doch wohl nicht sein, das LNK-Grundstück ist nur einen Steinwurf entfernt, also von der Begründung aus meiner Sicht völliger Quatsch. Die Kaufland-Gegner, die sich vor allem aus der wortführenden IG Innenstadt rekrutieren, vertreten nach meiner Ansicht nicht wirklich das Interesse der Innenstadt, sondern ausschließlich ihre eigenen Interessen. Ich behaupte sogar ihre eigenen, wirtschaftlichen Interessen und nicht das Gemeinwohl der Stadt Bersenbrück. Da fällt es mir schwer als Vorsitzender, der viele, viele Stunden ehrenamtlich für die Fördergemeinschaft Aktuelles Bersenbrück arbeitet und die Unternehmen und unsere Stadt voran bringen will, weiterhin zur schweigenden Mehrheit zu gehören.
Und das was da gerade passiert, bringt unsere Stadt garantiert nicht voran. In vielen Gesprächen mit Menschen aus unserer Stadt habe ich rausgehört, dass die letzten drei Monate seit Schließung des Combi-Marktes nicht nur die Menschen zum Einkaufen in die Nachbargemeinden getrieben, sondern auch zur Änderung im
Einkaufsverhalten geführt hat. Mir wurde von Betreibern von Einzelhandelsflächen in Bersenbrück mitgeteilt, dass die Umsätze Januar und Februar 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 10% und mehr zurückgegangen sind.
Die Ansiedlung eines Edeka-Vollsortimenters in der Innenstadt war wohl nur Wahlkampf-Gerassel oder Wunschdenken – auf jeden Fall sind wir, die Bürger getäuscht worden. Bisher hat sich auf der angedachten Fläche NICHTS getan. Aus dem Rathaus ist zu hören, der Bauantrag sei zurück gezogen. Der mögliche neue Markt und seine Nachbarn hätten außerdem noch einige Arbeitsplätze wieder zur Verfügung gestellt. Ein Totschlagargument, aber nicht zu vernachlässigen.
Ich mag gar nicht an die Zukunft denken. Beim derzeitigen Abwandern des Einzelhandels in Bersenbrück werden wir in naher Zukunft, neben den vielen Dienstleistern, die jetzt schon klassische Einzelhandelsstandorte belegen, bald Wohnungen hinter den Schaufenstern haben. Aber dann kaufen alle wahrscheinlich nur noch im WorldWideWeb. Die Selbstdemontage, die Bersenbrück gerade in zwei Lager spaltet, tut dem Ort nicht gut.
Meine Forderungen:
– lasst die Investoren bauen, sie tragen das finanzielle Risiko,niemand anderes.
– seid so mutig etwas neues zu zu lassen, Konkurrenz belebt das Geschäft.
Und ich spreche als Konsument und Bürger das aus, was die meisten Bersenbrücker Bürgerinnen und Bürger ebenfalls denken: “Gebt uns einen Vollsortimenter zurück, uns ist egal wo der steht, wir erledigen dannwieder alle unsere Einkäufe in Bersenbrück.” ANDREAS WIEGMANN,Bersenbrück