Nikolaus-Pfusch an der B 214 in Gehrde

24. Dezember 2012

Asphaltarbeiten bei minus sechs Grad am 8.12.2012! – Anmerkung Webmaster

Gehrde. Wurde bei der Sanierung der B 214 in Gehrde gepfuscht? Dem Gemeinderat drängt sich dieser Verdacht auf. Das Straßenbauamt streitet das kategorisch ab, die Baufirma Bunte gibt keine Auskunft.

B214

Auf der B 214 in Gehrde fließt der Verkehr wieder. Die Restarbeiten sollen nach dem Winter erledigt werden. Foto: Schmitz

Noch sind die Arbeiten nicht komplett fertig, doch auf der seit Anfang September gesperrten Straße rollt seit einigen Tagen wieder der Verkehr.

Als Anfang Dezember die Temperaturen fielen, wurde auf der Fahrbahn weiter asphaltiert, fiel Axel Meyer zu Drehle (CDU) auf. Sogar am 8. Dezember, als die Temperaturen unter dem Nullpunkt lagen, sei weitergearbeitet worden.

Was das für Folgen haben kann, demonstrierte Meyer zu Drehle in einer Sitzung des Gehrder Gemeinderates am Mittwochabend mit einem Fernsehbeitrag. Dort ging es um Straßenschäden in Sachsen. Dem Bericht zufolge empfehlen Experten, Asphaltierungsarbeiten bei Außentemperauren unter fünf Grad Celsius einzustellen. Bei niedrigen Temperaturen kühle der Asphalt zu schnell aus, Risse könnten entstehen. Die Branche spreche von „Nikolaus-Asphalt“. Seine Lebensdauer betrage nicht mehr als fünf Jahre, normalerweise halte eine Straßendecke zehn bis 15 Jahre, heißt es in der Fernsehreportage.

Anlieger hätten von Arbeitern erfahren, dass die Baufirma Bunte aus Papenburg die Gewährleistung für die Streckenabschnitte ablehne, die bei niedrigen Temperaturen entstanden seien, so Meyer zu Drehle. Die Baufirma habe auf ausdrückliche Anweisung des Niedersächsischen Straßenbauamtes in Osnabrück weitergearbeitet, angeblich, weil aus Gehrde Druck gemacht worden sei. Die Wallenhorster Niederlassung der Papenburger Baufirma Bunte gab dazu keine Auskunft.

Die Arbeiten zur Sanierung der Fahrbahn auf einem über drei Kilometer langen Abschnitt von Gemeindegrenze zu Gemeindegrenze begannen im September, erläuterte Bürgermeister Günther Voskamp (Grüne). Ursprünglich sollte die Straße einspurig bearbeitet werden, der Verkehr in einer Richtung durch die Baustelle weiter fließen.

Nach wenigen Tagen seien die Arbeiten aber eingestellt worden, weil die Berufsgenossenschaft festgestellt habe, dass die einspurige Baustelle zu eng sei und zu gefährlich für die Arbeitskräfte. Straßenbauamt und Baufirma hätten verhandelt und nach vier Wochen Verzögerung die Arbeiten auf einer voll gesperrten Straße fortgesetzt.

Die lange Bauzeit an der wichtigsten Straßenverbindung nach Gehrde wirkte sich nachteilig für den Ort aus. Kritik gab es von Gewerbetreibenden, Gemeinde und vom Bersenbrücker Samtgemeindebürgermeister Horst Baier.

Die Gemeinde Gehrde wirft dem Straßenbauamt außerdem vor, mit einer fehlerhaft ausgeschilderten Umleitung Ausweichverkehr auf kürzlich sanierte Gemeindestraßen gelenkt zu haben. Die Straßen seien nun beschädigt, die Gemeinde will Schadenersatz vom Straßenbauamt. Sie droht mit einer Klage, falls das Straßenbauamt nicht einlenke.

Schadenersatz lehnt Cord Luesse vom niedersächsischen Straßenbauamt ab. Die Umleitungen seien korrekt ausgeschildert gewesen und hätten nicht über Gemeindewege geführt. Das Straßenbauamt könne nicht verhindern, das Ortskundige und Besitzer von Navigationsgeräten Schleichwege nutzten. Es sei Aufgabe der Gemeinde, solche Wege in der Bauphase im Zweifelsfall zu schließen.

Die Wetterbedingungen seien nicht optimal gewesen, aber die Bauarbeiten seien in der Kältephase ausgesetzt und nicht weitergeführt worden. Lediglich am letzten Tag habe man bei niedrigen Temperaturen weitergemacht, um die Strecke nach monatelanger Schließung wieder für den Verkehr öffnen zu können. Dies könnten die Arbeiten gewesen sein, die Axel Meyer zu Drehle beobachtet hatte.

Dem Straßenbauamt, so sein Leiter Luesse weiter, läge keine Mitteilung der Firma Bunte vor, in der sie eine Gewährleistung ablehne.

Die neue Fahrbahn liegt deutlich höher als die alte. Die Auffahrten wurden vorerst provisorisch angeglichen. Nach dem Winter sollen die Provisorien endgültig ersetzt werden.

Autor: Martin Schmitz/NOZ 21. Dezember 2012 08:30 Uhr