Die Qual der Wahl?

14. Juli 2012

Jetzt hat Gehrde die Qual der Wahl

Der DSL Ausbau startet bald in Gehrde

Osnabrück/Gehrde. Es hat viel Mühe, Zeit und Geld gekostet, Gehrde mit schnellem Internet via Erdkabel zu versorgen. Jetzt, wo die Technik kommt, könnte LTE-Funk sie schon bald überflügeln.
Ein Vodafone-Sprecher teilt dem Bersenbrücker Kreisblatt mit, das Telekommunikationsunternehmen rechne damit, dass LTE auf Dauer im Privatkundenbereich den Kabelanschluss verdränge. Das bedeutet im Umkehrschluss, die knapp 80000 Euro öffentlicher Gelder, die in den Ausbau gesteckt werden, sind immer noch gerechtfertigt. LTE mit akzeptablen Datenraten gibt es derzeit nur in einem Teil Gehrdes, wann sich das ändern wird, ist unklar. Laut einer Pressemitteilung des Landkreises Osnabrück haben über 30 Gehrder Gewerbebetriebe in einer Umfrage 2009 fehlende Bandbreite bemängelt. Diese Betriebe beschäftigen rund 300 Arbeitnehmer.

Aufgrund dieser Umfrage stellte der Gemeinderat unter Bürgermeister Wilhelm Kröger damals einen Antrag an den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Der war erfolgreich, teilte nun laut der Presseerklärung Stefan Muhle in einem Treffen von Vertretern aus Politik und Verwaltung in Gehrde mit. Dem Ersten Kreisrat des Landkreises Osnabrück zufolge steuert EFRE über die N-Bank knapp 40000 Euro bei, der Landkreis Osnabrück und die Samtgemeinde Bersenbrück legen je knapp 20000 Euro drauf.

Nötig ist das Geld, um die „Wirtschaftlichkeitslücke“ zu schließen, wie der Mitteilung ebenfalls zu entnehmen ist. Der Telekommunikationssektor entwickelt sich sehr schnell und unübersichtlich, wie das Nebeneinander von Glasfaser- und Funktechnik zeigt. Andererseits sind die Profite eher dünn, die mit Investitionen in einen Ausbau auf dem dünn besiedelten flachen Land zu erzielen sind. Dieser Unwägbarkeiten wegen verlangen die Telekommunikationsunternehmen eine finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand, bevor sie Geld für den Netzausbau in die Hand nehmen.

In den kommenden Monaten werden in Gehrde fünf Kabelverzweiger installiert, die die Lichtimpulse aus dem neuen Glasfaserkabel von der Telekom-Verteilerstelle in Bersenbrück in Stromimpulse für das örtliche Kupferkabelnetz umwandeln. Sie sind mit VDSL-Technologie ausgestattet, die Übertragungsraten bis zu 50 Megabit pro Sekunde zulässt.

Diese Übertragungsraten nehmen im Kupferkabel schnell ab. Deshalb geht auch die Presseerklärung davon aus, dass die neue Technik nicht sämtliche 860 privaten Haushalte in Gehrde erreichen kann, zumindest nicht die in Randlage. Aber es ist davon auszugehen, dass schnelles Internet für das Dorf, das Gewerbegebiet und Einzelhäuser in einem bestimmten Umkreis bald kein Problem mehr sein wird. Und das war das erklärte politische Ziel von Landkreis, Samtgemeinde und Gemeinde: Der ländliche Raum darf bei dieser Schlüsseltechnologie nicht abgehängt werden.
Autor: Martin Schmitz/NOZ 13. Juli 2012 19:58 Uhr