Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsbereich

Interview des Vorsitzenden der CDU Badbergen Prof. Adolf E. Luger mit
Axel Meyer zu Wehdel

Vorsitzender:
Axel wie war die Ernte 2015 ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Der Sommer 2015 war ein schwieriges Erntejahr für die Landwirte. Nicht nur weil die Erträge der Getreideernte aufgrund des trockenen Frühjahres geringer als gewohnt ausfielen, sondern auch weil der Getreidepreis gerade mal kostendeckend war. Die Kartoffel- und Maisernte war durch das ungünstige Wetter im Herbst behindert, aber wir haben alles gut hereinbekommen. Allerdings konnten wir erst verspätet mit der Aussaat des Wintergetreides beginnen. Hoffentlich entstehen dadurch keine zusätzlichen Ausfälle.
Vorsitzender:
Du sprachst schon die gerade eben kostendeckenden Getreidepreise an. Wie sieht es denn bei der Veredelung aus ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Die Milch und Fleischpreise sind zu niedrig. Die Landwirtschaft war die letzten 15 Jahre in der glücklichen Position, daß Länder wie Russland, Brasilien, Indien und China nach immer mehr Lebensmitteln verlangten. Das bedeutete stabile Preise und Wachstum für die Landwirte. Doch nun gibt es eine Wirtschaftskrise in Süd Amerika, Chinas Börse geht in den Keller und Russland hat ein Einfuhrverbot für Europäische Agrarprodukte verhängt. Dem zu Folge stockt der Absatz von Agrarerzeugnissen ins Ausland.
Vorsitzender:
Es wird immer öfter angeprangert, daß die deutsche Landwirtschaft auch für den Export produziert. Ist das denn sinnvoll und erforderlich ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Wir bewegen uns in einer globalen Welt. Deutschland importiert viele Lebensmittel, da ist es doch verständlich, daß Deutschland seinerseits auch Lebensmittel exportiert, die in Deutschland in guter Qualität produziert werden. Der Staat hat in den letzten Jahren landwirtschaftliches Wachstum gefördert und angefeuert, damit sich Deutschland auch mit Agrarprodukten auf dem Weltmarkt positioniert. Die deutschen Landwirte sind diesem Aufruf gerne gefolgt.
Vorsitzender:
Welche Folgen hat der Wegfall wichtiger Auslandsmärkte für die deutschen Landwirte ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Die deutschen Landwirte müssen sich auf geringere Preise einstellen. Schon heute sind viele kleine Landwirte nicht konkurrenzfähig und überleben nur durch hohe Arbeitszeiten der Inhaber. Um Einkommenseinbußen vorzubeugen, gilt es für die Landwirte, nun Kosten zu sparen und die Produktion zu optimieren. Das geht sowohl im Ackerbau als auch in der Veredelung durch Viehzucht nur durch größere Einheiten.
Vorsitzender:
Ist das bei der aktuellen Politik durchführbar ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Aktuell weht der politische Wind aus einer anderen Richtung als vorher und die Bauern sollen plötzlich in kleinere, weniger konkurrenzfähige Strukturen gepresst werden. Die sprunghafte Politik insbesondere in Niedersachsen ist für die Landwirte schwer umzusetzen und extrem schädlich. Wenn in der Landwirtschaft Investitionen für die nächsten 10 bis 15 Jahre getätigt werden, dann kann die Politik den Kurs nicht alle 5 Jahre ändern.
Vorsitzender:
Die Landwirtschaft hat aber auch ihre Probleme mit den Medien, in denen die aktuelle politische Richtung sehr positiv dargestellt wird.
Axel Meyer zu Wehdel:
Die Bevölkerung wird wild gemacht, indem man die Landwirtschaft in ein umwelt-unfreundliches Licht stellt. Leider tragen die Medien hierzu bei, auch weil sich Skandale besser verkaufen als aufklärende Berichterstattung. Mit der Initiative Tierwohl setzen die Landwirte ein Zeichen, daß sie auf die Wünsche der Verbraucher eingehen. Sie zeigen auf, daß sich deutsche Agrarerzeugnissen nicht nur durch hohe Qualität, sondern auch durch höchste Tierhaltungsstandards von anderen Erzeugerländern absetzen.
Vorsitzender:
Es ist zu hoffen, daß diese Initiative ein positives Echo findet.
Noch eine letzte Frage: Wie sehen Sie die Zukunft unserer Landwirtschaft ?
Axel Meyer zu Wehdel:
Den Landwirten stehen schwierige Zeiten bevor und da kann man nur auf eine sachliche Zusammenarbeit mit der Politik hoffen. Wenn Landwirtschaftspolitik weiter aus einem ideologischen und idealistischen Blickwinkel gemacht wird, darf sich unsere Rot-Grüne Landesregierung nicht über Bauernproteste in Hannover wundern.
Ich hoffe, daß diese nüchternen Einschätzungen nicht nur den Landwirten helfen, sondern auch den Verbrauchern die Augen öffnen, um die Erkenntnis zu gewinnen, das wir unsere qualitativ hochwertige und soweit wie möglich umweltfreundliche Deutsche Landwirtschaft brauchen.
Vorsitzender:
Vielen Dank für Deine Bereitschaft, Stellung zu nehmen.

Biogas ohne Mais

Unter dem Motto „Biogas ohne Mais“ stand die Fahrradtour der CDU Badbergen, die sich den erneuerbaren Energien, insbesondere dem Biogas widmete. Das Ziel war, sowohl den möglichen Ersatz von Mais als Einsatzstoff  als auch eine nützliche Verwertung von Gülle kennenzulernen. Gleichzeitig konnte die Gelegenheit genutzt werden, die Expertise von Dr. Dieter Schillingmann zu nutzen, der sich intensiv mit der Optimierung des Zusammenspiels bei der Erzeugung regenerativer Energie aus den Quellen Biogas, Windkraft und Photovoltaik und der erforderlichen Energiespeicherung befaßt. Besucht wurden drei Biogasanlagen.

Zuerst wurde die große gewerbliche Biogasanlage der DEGEFA GmbH neben dem Schlachtbetrieb Artland besucht. Der Geschäftsführer Herr Fasthoff informierte die Teilnehmer persönlich über die Abläufe und die Technik. In dieser Anlage werden Bioabfälle verwertet, beispielsweise Panseninhalt aus der Schlachtung von Rindern in der Firma Artland und zugekaufter hochenergetischer Abfall aus verläßlichen und geprüften Quellen. Der früher geübte Einsatz von Abfällen aus Lebensmittelbetrieben und Gastronomie findet nicht mehr statt, da diese Abfälle nicht ausreichend kontrollierbar sind. Die sorgfältige Auswahl der Einsatzstoffe sorgt für eine hohe Gasausbeute und damit eine günstige Kostensituation. Das erzeugte Biomethan wird nach einer aufwendigen Aufbereitung in das Gasnetz eingespeist. Die eigene Vermarktung sichert bestmögliche Erlöse und sorgt damit zusammen mit der optimalen Beschaffung für die Rentabilität der Anlage.Fahrradtour-CDU-Badbergen-2
Die 250 kW Biogasanlage des Hofes Timmering in Vehs war die nächste Station. Auf diesem Hof mit etwa 500 Milchkühen und der zugehörigen Aufzucht fällt viel Gülle und Mist an. Beides wird zusammen mit Futterabfall in die Biogasanlage eingesetzt. Das erzeugte Gas wird in einem Blockheizkraftwerk verstromt. Der Strom wird ins Netz eingespeist, die Abwärme wird zu 90 % im eigenen Betrieb genutzt, beispielsweise zur Beheizung der Gebäude und des Fermenters sowie zur Trocknung von Heu oder Hackschnitzeln, die aus den eigenen Flächen gewonnen werden. Der flüssige Teil des Gärrestes wird wie Gülle auf dem Acker ausgebracht, ist wesentlich besser pflanzenverfügbar als Gülle und stinkt nicht. Da der erzeugte Strom vollständig in das Netz eingespeist werden muß, um die vom Gesetzgeber vorgesehene Vergütung zu erhalten, darf kein Eigenverbrauch stattfinden. Deshalb ist geplant, zusätzlich eine Photovoltaikanlage zu errichten, die den Eigenbedarf an Strom decken soll. Auf Nachfrage erklärte Herr Timmering, daß er die Nutzung von Mais zur Erzeugung von Gas prinzipiell ablehnt. Er sagte, Mais sei Futtergetreide und solle nur nach Nutzung durch das Vieh in Form von Gülle für die Erzeugung von Biogas eingesetzt werden. Prinzipientreue und zukunftsfähiges Wirtschaften passen also zusammen.Besuch-bei-Timmering-2
Das gleiche Konzept verfolgt der Hof Ferlage in Groß Mimmelage, allerdings ist die Anlage mit 75 kW kleiner. Da auf dem Hof nur 75 Milchkühe stehen, reicht der Anfall an Gülle und Mist nicht aus, um die Anlage betreiben zu können.  Daher ist eine Kooperation mit den Nachbarhöfen erforderlich, um die notwendige Menge an Gülle und Mist bereit zu stellen. Von einem Nachbarhof wurde eine Gülleleitung bis an die Biogasanlage gebaut, die an einem Gülletank endet, aus dem die Biogasanlage mit Gülle versorgt wird. Der Aufstieg der Teilnehmer auf das Dach des Fermenters ermöglichte nicht nur einen Blick in den Fermenter, sondern einen schönen Blick über die Landschaft bis hin zu den im Bau befindlichen Windkraftanlagen im Herberger Feld in Menslage. Diese Anlagen werden von einer mit der REW Schillingmann verbundenen Firma errichtet und sollen in einen angedachten Energiepark eingebettet werden.Besuch-Ferlage
Dank der Überzeugung der beiden vorausschauenden Landwirte, daß Mais nicht zur Biogaserzeugung genutzt werden sollte, konnte mit den beiden Anlagen der Nachweis erbracht werden, daß Biogaserzeugung ohne Mais Zukunft hat und rentabel sein kann. Die Förderung der Nutzung nachwachsender Rohstoffe wie Mais nach dem alten Erneuerbare-Energien-Gesetz wird mit diesen Anlagen als Irrweg entlarvt. Glücklicherweise wurde das EEG inzwischen in diesem Punkt geändert.
Ergänzt wurde die Information noch bei einem Besuch der Firme REW Schillingmann in Groß Mimmelage. Dr. Dieter Schillingmann informierte über technische Entwicklungen zur Optimierung von Biogasanlagen durch bessere Nutzung der Gärreste und Möglichkeiten der Speicherung von Überschußenergie aus Windrädern und Photovoltaik durch Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Der gespeicherte Wasserstoff steht danach zur Stromerzeugung in Spitzenlastzeiten zur Verfügung. In diesem Zusammenhang informierten sich die Teilnehmer auch über neue Entwicklungen bei Windkraft und Photovoltaik.Besuch-Schillingmann
Die Mitglieder der CDU Badbergen zeigten sich bei den nachfolgenden Gesprächen sehr aufgeschlossen für die Entwicklungen in diesem Bereich, die es ermöglichen, die benötigte Energie vor Ort zu erzeugen und die Bedarfsspitzen abzupuffern. Die CDU Badbergen wird die weitere Entwicklung und insbesondere Aktivitäten der Landwirte zur Energiegewinnung aus Gülle und Mist nach Kräften unterstützen.
Der krönende Abschluß war der Besuch bei Familie Revermann, die ihre Photovoltaikanlage vorführte und ihren wunderschönen Garten für einen gelungenen Grillabend zur Verfügung stellte. Es war dabei Zeit für Geselligkeit, aber auch, um das Erfahrene in Gesprächen weiter zu vertiefen. Es war eine rundherum gelungene Veranstaltung für die den Organisatoren Dr. Dieter Schillingmann und Frank Revermann ein herzlicher Dank gebührt.Besuch-Revermann

Fahrradtour der CDU Badbergen

Die CDU Badbergen veranstaltet am Samstag, den 11. Juli 2015 ihre traditionelle Fahrradtour, zu der nicht nur die Mitglieder, sondern auch Interessenten willkommen sind.
Wir treffen und um 14:00 Uhr am Heimathaus und fahren dann über mehrere Stationen nach Groß Mimmelage zu Frank Revermann, wo die Fahrradtour in geselliger Runde endet.
Das Motto der Fahrradtour ist Biogaserzeugung ohne Mais und weitere Informationen zu erneuerbarer Energie.
Eine schriftliche Einladung an alle Mitglieder und registrierte Interessenten wird noch folgen.
Es wäre schön, wenn unsere Mitglieder zahlreich teilnehmen und auch Interessenten an der CDU oder am Thema mitgebracht werden.
Anmeldungen (wegen der Bereitstellung von Speisen und Getränken am Endpunkt) bitte an Prof. Adolf E. Luger, Tel. 05433-9235 oder e-mail: luger@cdu-badbergen.de