Laudatio anlässlich der Überreichung an die Sächsische Staatskapelle Dresden des „Europäischen Preises für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes“

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
vor allem aber sehr verehrte Mitwirkende in der Sächsischen Staatskapelle Dresden,

Im kommenden Jahr, 2008, feiert die 1548 durch Kurfürst Moritz von Sachsen gegründete einstige „Hofkapelle“ und heutige Sächsische Staatskapelle Dresden ihren 460. Geburtstag. Sie ist damit wohl das einzige Orchester Deutschlands, das über mehr als viereinhalb Jahrhunderte hinweg ununterbrochen musiziert hat und zugleich stets zu den führenden Klangkörpern der verschiedenen Epochen gehörte.

Dies hat nicht zuletzt Ludwig van Beethoven lobend anerkannt, als er 1823 schrieb „Man Hört allgemein, dass die Hofkapelle in Dresden die beste in Europa sei“.

In diesen 460 Jahren hat dieses Orchester die europäische Musiktradition ganz wesentlich geprägt: Wagners „Tannhäuser“, „Der fliegende Holländer“, Richard Strauss’ „Salome“, „Elektra“ und auch „Der Rosenkavalier“ sind nur einige der vielen Werke, die die Staatskapelle uraufgeführt hat, und die heute fester Bestandteil des Konzert- und Opernrepertoires auf der ganzen Welt sind.

Die Liste der dem Orchester gewidmeten Werke ist aber viel länger: von Antonio Vivaldi über Robert Schumann, Franz Liszt, Paul Hindemith, Kurt Weill bis zu neueren Komponisten von Fritz Geisler, Udo Zimmermann, Wolfgang Rihm, Gia Kantscheli und Peter Ruzicka.

Seit seinem Bestehen wurde das Orchester immer wieder von Dirigenten aus anderen Ländern Europas geleitet. Neben dem Repertoire ist es diesem außerordentlichen Orchester gelungen, über die Jahrhunderte hinweg einen ganz eigenen Klang zu prägen und zu bewahren, von Generation zu Generation zu pflegen und weiterzugeben – was in Zeiten zunehmender Globalisierung, die man auch im Orchesterwesen feststellen kann, keineswegs selbstverständlich ist. Schon Richard Wagner schwärmte während seiner Dresdner Kapellmeisterzeit von seiner „Wunderharfe“, und bis heute hat die Staatskapelle einen wundervollen Klang bewahrt, der auf der ganzen Welt geschätzt wird und mit dem sie sich von jedem anderen Orchester weltweit unterscheidet.

Mit dem am heutigen Abend zum ersten Mal weltweit verliehenen „Europäischen Preis für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes“ sollen all diese Verdienste der Sächsischen Staatskapelle ausgezeichnet werden. Möge dieses Orchester, in der sächsischen Heimat liebevoll und stolz „Kapelle“ genannt, auch in Zukunft seinen einmaligen Status bewahren und dem Musikleben im wiedervereinigten Deutschland, im geeinten Europa und in der Welt weiterhin solch lebendige Impulse verleihen.

Ihnen wünsche ich viel Vergnügen mit dem Können, der Kunst und dem Klang der Sächsischen Staatskapelle Dresden!

  • Veröffentlicht in: Reden