Begrüßungsrede anlässlich des Runden Tisches zum “Energy Globe Award”: ‚Climatise Yourope‘ Begrüßungsrede anlässlich des Runden Tisches zum “Energy Globe Award”: ‚Climatise Yourope‘

Sehr verehrte Frau Vorsitzende, Liebe Angelika Niebler,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Darunter auch mein geschätzter Vorgänger Josep Borrell,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich, zu Beginn dieser Round Table Diskussion des Ausschusses für Industrie, Energie und Forschung im Vorfeld der heutigen Energy Globe Gala im Plenarsaal unseres Hauses zu Ihnen sprechen zu können.

Ich möchte auch meine Anerkennung von der Seite des Präsidium des Parlamentes dem Vize-Präsidenten, Alejo Vidal-Quadras, der besonders bei dem Organisieren der Gala angagiert war, dem Kollegen Onesta, dem Ingo Friedrich und anderen sagen. Ich möchte Paul Rübig danken, dass er über langen Zeitraum dafür gesorgt hat, dass wir uns heute hier treffen können.

‚Climatise Yourope‘: Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt über dieses Thema zu diskutieren als heute.

Global warming, der Klimawandel, ist eine Herausforderung der höchsten Priorität für uns alle. Manche bezeichnen es sogar als Herausforderung, die dem Gewinn eines Krieges gleichkommt. Ich möchte lieber davon sprechen, dass wir den Frieden mit unserer Umwelt, unserer Schöpfung gewinnen müssen.

Das Bewusstsein der Bedrohung durch den Klimawandel ist gestiegen, fast 90 Prozent der europäischen Bürger sind besorgt über seine Auswirkungen. Der Kampf dagegen wird aber zu einem Kampf gegen die Uhr. Der erst vor wenigen Tagen vorgestellte zweite Teil des Klimaberichts des UN-Weltklimarates (IPCC) zeigt die Dramatik der Situation deutlich, vor den vorgelegten wissenschaftlichen Belegen kann man die Augen nicht mehr verschließen!

Steigende Temperaturen, wechselnde Wetterverhältnisse, Überflutungen in den einen und sich rapide ausbreitende Dürrezonen in anderen Teilen der Welt können unseren Planeten nachhaltig verändern und beschädigen. Wenn bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht wären, falls die weltweite Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2,5 Grad stiege; wenn vor allem die ärmsten Staaten der Welt unter Dürre oder Überflutungen am meisten zu leiden hätten: Dann braucht es eigentlich keiner weiteren Aufforderung mehr, um aktiv und energisch tätig zu werden!

Das Europäische Parlament ist davon überzeugt, dass sich die Europäische Union zu entschlossenen, schnellen und verantwortungsbewussten Schritten verpflichten muss. Ich habe diese Position auch beim Frühjahrsgipfel der EU-Staats- und Regierungschefs nachdrücklich vertreten. Ich will gerne hier gestehen, dass ich mich in den letzten Monaten in dieses Thema eingearbeitet habe und ich bin heute zu triefst davon überzeugt, dass es nicht 5 Minuten vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf und dass wir gemeinsam handeln müssen.

Dazu zählt auch die ernsthafte Bemühung um die Entwicklung neuer sauberer Energietechnologien sowie einer verbesserten Energieeffizienz, besonders hier in Europa. Mich hat heute Morgen sehr überzeugt, was die Frau Gandhi in der Pressekonferenz zu Energieverbrauch in Indien, in Europa und in den Vereinigten Staaten gesagt hat. Hier geht es um nichts weniger als um eine ‘neue industrielle Revolution’ – um die Verfolgung einer ehrgeizigen Forschungspolitik zur Förderung von Öko-Innovationen und zur Entwicklung neuer Technologien wie der CO2-Speicherung und Lagerung, wie es ja Europäisches Parlament und EU-Kommission beide empfehlen.

Nur eine solche wirtschaftliche und technologische Weiterentwicklung wird – als Vorbedingung einer nachhaltig positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten – der Europäischen Union global einen spürbaren Wettbewerbsvorteil verschaffen und gleichzeitig drastisch zu Emissionsreduktionen beitragen können.

Der Umstieg zu einer CO2-armen Wirtschaft bietet umfassende Möglichkeiten für wirtschaftliches Wachstum, vor allem jenen, die als erste auf dieses Zug der Zukunft aufspringen und sich so einen enormen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Auf dieser Basis müssen wir in der Europäischen Union einen funktionierenden Energiebinnenmarkt auf solidarischer Grundlage zwischen allen EU-Mitgliedstaaten entwickeln, der die Versorgungssicherheit gewährt, die Importunabhängigkeit steigert und die Nachhaltigkeit drastisch verstärkt. Und ich möchte mit allem Nachdruck sagen: Die Solidarität, der Gedanke der Solidarität ist die Grundlage der Europäischen Union und wenn dieser Grundgedanke verletzt wird hat die Europäische Union keine Zukunft. Der Gedanke der Solidarität gilt in der Energiepolitik in ganz besonderer Weise. In der Energiepolitik kann jedes Land der EU die Solidarität anklagen und einfordern. Und wenn ein EU-Land benachträchtigt ist in der Energieversorgung durch Drittstatten, außerhalb von der Europäischen Union, dann kann dieses Land mit Recht die Solidarität von der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten fordern. Die Solidarität ist natürlich nie eine Einbahnstrasse.

Öko-Technologien sind das Herzstück einer Strategie zur nachhaltigen Entwicklung in Übereinstimmung mit unseren europäischen Verpflichtungen sowohl im Rahmen des Kyoto-Protokolls als auch der Lissabon-Strategie!

Die Marschrichtung sollte daher klar sein: Verstärken wir die Forschungsanstrengungen in dieser Richtung und setzen wir klare und verbindliche Zielvorgaben, um die Entwicklung und die Anwendung besserer und umweltfreundlicherer Technologien zu fördern.

Gerade in der Entwicklung einer europäischen Energiepolitik wollen die meisten EU-Bürgerinnen und Bürger gemeinsames und effizientes europäisches Handeln sehen. Das Europäische Parlament hat als direkte Vertretung der Bürgerinnen und Bürger Europas hier eine besondere Verantwortung. Aber auch den Regierungen der Mitgliedstaaten bietet sich eine große Chance zu zeigen, dass gemeinsames europäisches Handeln spürbare Vorteile für die Bürger bringen kann.

Die Entwicklung einer europäischen Energiepolitik ist eine Frage der Notwendigkeit und, wie ich schon sagte, der Solidarität. Sie ist eine Aufgabe und Herausforderung für uns alle. Das wurde auch in der Berliner Erklärung vom 25. März so festgehalten, die ich gemeinsam mit der Präsidentin des Europäischen Rates und dem Präsidenten der Europäischen Kommission unterzeichnen konnte.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist aber nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung für die Europäische Union, es ist tatsächlich auch eine moralische Verpflichtung für die uns nachfolgenden Generationen.

Denn ein fortgesetztes Nichthandeln würde heute Probleme schaffen, für das zukünftige Generationen einen immensen Preis zahlen müssten. Und das ist nicht annehmbar.

Das Europäische Parlament wird seine aktive Rolle in dieser Frage spielen. Aber der Kampf gegen den Klimawandel kann nicht allein in der Europäischen Union oder gar alleine von ihr gewonnen werden.

Wir brauchen die Zusammenarbeit und Unterstützung internationaler Partner, nicht zuletzt auch der USA, China, Indiens oder Russlands und anderer Partnern. Wir müssen starke und verlässliche Partnerschaften mit diesen Staaten aufbauen, um eine schnelle globale Entwicklung sauberer und effizienter Energietechnologien sicherzustellen. Für die Europäische Union selbst bedeutet das, mit einer Stimme zu sprechen und aufzutreten!

Sowohl das Europäische Parlament selbst als auch die gesamte Europäische Union haben bereits ihre Bereitschaft zur Übernahme einer internationalen Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel gezeigt. Wir werden dies auch weiterhin unter Beweis stellen müssen.

Führungskraft besteht auch darin, zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen. Jetzt ist die richtige Zeit. Die Union sollte die Dynamik des Moments nutzen. Nicht nur aus Notwendigkeit heraus, sondern auch auf Grund unserer moralischen Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen.

Frau Vorsitzende, liebe Angelika Niebler,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Meine sehr verehrte Damen und Herren,
Ich bin zutiefst davon überzeugt, seitdem ich mich mit diesem Anliegen beschäftige, dass der Europäischen Union eine wirkliche Führungsrolle in der Welt in diesen Fragen zukommt, und dass wir so auf eine friedliche Weise durch eine friedliche Führungsrolle dazu beitragen können, um unsere Umwelt zu schützen, oder wie ich lieber sagen würde, um unsere Schöpfung zu bewahren.

Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben und wünsche uns heute Nachmittag eine spannende Diskussion! Vielen Dank!

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