Hans-Gert Pöttering:

Eine Delegation von Küstenfischern aus dem Weser-Ems-Gebiet hielt sich gestern auf Einladung von EVP-Fraktionschef Hans-Gert Pöttering zu Gesprächen mit führenden europäischen Fischereipolitikern in Brüssel auf. Ziel der Küstenfischer war es, in der laufenden Debatte um die Reform der EU-Fischereipolitik auf die Probleme der deutschen Küsten- und Krabbenfischerei aufmerksam zu machen.

Der Besuch geht auf eine Initiative von Hans-Gert Pöttering zurück, der die Gruppe um Dirk Sander (Nessmersiel) im Sommer nach einer Veranstaltung in Dornumersiel spontan zu ausführlichen Gesprächen nach Brüssel eingeladen hatte. Neben Dirk Sander und Manfred Göken nutzten auch Peter Breckling und Lothar Fischer vom Fischereiverband die Gelegenheit, ihre Anliegen im europäischen Machtzentrum vorzutragen.

Pöttering hatte für die Delegation Termine mit hochrangigen Gesprächspartnern arrangiert: dem Vorsitzenden des Fischereiausschusses im Europäischen Parlament, Struan Stevenson (GB), seiner Stellvertreterin Brigitte Langenhagen (Cuxhaven), dem niederländischen Abgeordneten Albert Maat sowie dem zuständigen Vertreter der Europäischen Kommission, Friedrich Wieland.

Die Delegation erläuterte, dass die deutschen Küstenfischer häufig mit veralteten und untermotorisierten Booten auf Fang ziehen müssen. Während die deutschen Schiffe mit einer durchschnittlichen Maschinenleistung von 72 Kw ausgestattet sind, fahren die kapitalstarken niederländischen Fischerei-Unternehmen im Durchschnitt mit 464 Kw-Motoren; die Tonnage der Niederländer liegt mit 168 to je Schiff mehr als fünfmal so hoch wie bei den deutschen Schiffen (32 to). Die Brüsseler Gesprächspartner zeigten Verständnis für diese Probleme, machten aber auch deutlich, dass es derzeit noch im Ermessen der nationalen Regierungen liege, ihre Flotten durch steuerliche Anreize oder finanzielle Zuschüsse zu fördern. Langenhagen unterstrich, dass es für die Entwicklung der Küste besonders wichtig sei, die Familienbetriebe der deutschen Kutterfischerei zu unterstützen. Hier gebe es auf Seiten der deutschen Regierung dringenden Handlungsbedarf.

Der von der Europäischen Kommission vorgelegte Vorschlag zur Reform der Gemeinschaftlichen Fischereipolitik solle einerseits für mehr Wettbewerbsgleichheit sorgen, besonders aber durch eine stärkere Regelung der Fangquoten eine nachhaltige Sicherung der Fischbestände in den europäischen Gewässern gewährleisten. Die EVP-Politiker sprachen sich abschließend einheitlich für Ausnahmeregelungen zugunsten der Krabbenfischerei aus, die bereits in der Vergangenheit Verantwortung für die Bestände bewiesen und eine nachhaltige Fischerei betrieben habe.

Hans-Gert Pöttering sagte zum Abschluss der Gespräche, die Gruppe habe mit ihrem Besuch nicht nur wichtige Informationen vermitteln können, sondern auch einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion geleistet. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Herausforderungen mit der Reform der Fischereipolitik zu lösen, ohne dabei die Sorgen der Fischer aus der Region zu vernachlässigen. Als mögliches Instrument wurde die Einrichtung eines „regionalen Beratungsausschusses“ diskutiert, der z.B. grenzübergreifende Marketing-Aktivitäten mit den Nachbarstaaten Dänemark und den Niederlanden fördern könnte.

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