Rede von Hans-Gert Pöttering Vorsitzender der EVP-ED-Fraktion vor dem Europäischen Parlament am Dienstag, den 15. Januar 2002

Wahl des Präsidenten des Europäischen Parlaments

Pöttering (EVP-ED) . – Herr Präsident, Herr Kommissionspräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser 15. Januar 2002 ist ein bedeutsamer Tag in der Geschichte des Europäischen Parlaments. Wir haben einen neuen Präsidenten gewählt und ich möchte Ihnen, Herr Präsident, für die Fraktion der Europäischen Volkspartei und der Europäischen Demokraten auf das Herzlichste gratulieren!

(Beifall)

Ich bitte die anderen Fraktionen – und ich werde zu den Kandidaten gleich etwas sagen – um Verständnis, wenn ich dieses sage: Es hat viele gegeben, die bezweifelt haben, dass es möglich ist, ein Mitglied eines kleineren Landes, den Vorsitzenden einer kleineren Fraktion, zum Präsidenten des Europäischen Parlaments zu wählen. Ich möchte Ihnen sagen, Herr Präsident, aber auch uns allen: Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir die Chance hatten – auch unsere Fraktion -, die Kultur in Europa deutlich zu machen, dass auch eine kleine Fraktion, ein kleines Land eine Chance hat, eine der wichtigsten Aufgaben in der Europäischen Union zu übernehmen.

(Beifall)

Dieses Europa wäre ein armes Europa, wenn es nur danach ginge, die verantwortlichen Positionen Persönlichkeiten aus den sogenannten größeren Ländern zu geben. Dieses Europa ist dann ein Europa, das die Würde aller Menschen, aller Europäerinnen und Europäer, achtet, wenn jeder eine Chance hat und wenn Persönlichkeiten aus Irland wie Sie Präsident des Europäischen Parlaments werden können oder auch unser hoch geschätzter Kollege Jacques Santer aus Luxemburg Präsident der Europäischen Kommission werden kann.

Dieses ist, glaube ich, die Botschaft heute: Wir bringen erneut zum Ausdruck, dass nicht Wenige dieses Europa beherrschen, sondern dass jeder seine Stimme, sein Gewicht und seine Verantwortung hat. Ich wünsche Ihnen, Herr Präsident, für Ihre Arbeit – und Sie nehmen diese Arbeit jetzt für das gesamte Europäische Parlament wahr – viel Glück, viel Erfolg für die gemeinsame Zukunft unseres alten, sich immer wieder erneuernden europäischen Kontinents.

Ich möchte Ihren Mitbewerbern ein Wort der Anerkennung sagen: Gérard Onesta, Francis Wurtz, Jens-Peter Bonde und ganz besonders auch David Martin. David Martin, ich erinnere mich gut daran, dass wir vor einigen Jahren in Edinburgh, der Hauptstadt einer weiteren kleinen Nation in Europa, in Schottland, eine Diskussion zusammen hatten.

Es ist viele Jahre her, und es ist mir damals besonders bewusst geworden – ich hatte keine besondere Verantwortung hier im Parlament -, dass es eine große Bereicherung, aber auch eine große Notwendigkeit ist, dass die Fraktionen im Europäischen Parlament, mögen sie auch unterschiedliche politische Ausrichtungen haben, in einem einig und verbunden sind, das ist die friedliche, die freiheitliche und die demokratische Zukunft unseres Kontinents. Deswegen möchte ich allen Mitbewerbern, insbesondere David Martin, auch heute ein herzliches Wort des Dankes und der Anerkennung sagen!

(Beifall)

Gestatten Sie mir ein letztes Wort! Herr Präsident, dieser Kontinent war geteilt. As viele 1979 in dieses Parlament gewählt wurden – in meiner Fraktion, in anderen Fraktionen -, da hätte niemand davon zu träumen gewagt, dass wir in einigen Jahren Kolleginnen und Kollegen aus der Mitte Europas hier im Europäischen Parlament willkommen heißen können.

Herr Präsident, ich möchte den Vorschlag machen, dass wir mit dem Tag der Vertragsunterzeichnung der Beitrittsvertäge mit den ersten Beitrittsländern Beobachterinnen und Beobachter hier in das Europäische Parlament einladen, damit sie diese Länder auch schon vorbereiten auf demokratische Wahlen in diesen Ländern im Jahre 2004.

Ich wünsche Ihnen, Herr Präsident, für unsere Fraktion alles erdenklich Gute! Es wird mir keiner verübeln, wenn ich dies heute für die Fraktion sage, deren Vorsitzender zu sein ich die Ehre habe und ich bin auch ein Stück stolz darauf, dass wir Wort gehalten haben. Auch Vertrauen ist wichtig in der Politik. Sie werden in unserer Fraktion – und ich sage das auch den anderen Fraktionen – immer einen Verbündeten haben, wenn es um die friedliche und die demokratische Zukunft eines starken und einigenden Europas geht!

Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit viel Erfolg und Gottes Segen!

(Beifall)

  • Veröffentlicht in: Reden

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