Festakt in der Sylvester-Kirche! Niedersachsentag in Quakenbrück mit Stephan Weil!

Stephan Weil trägt sich in das goldene Buch der Stadt und der Samtgemeinde ein. Darüber freuen sich Claus Peter Poppe (links) und Bürgermeister Matthias Brüggemann (rechts). Foto: Katharina Preuth

noz 22.05.2017 Quakenbrück. Wo auch sonst? Der Festakt zum 98. Niedersachsentag ging am Samstag in Quakenbrück, der Heimat des großen Reformators Hermann Bonnus, über die Bühne. Zu Gast war neben Vertretern von Stadt, Samtgemeinde und Landkreis auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

Nachdem der niedersächsische Ministerpräsident einen Gruß sowohl im Goldenen Buch der Stadt Quakenbrück als auch im Buch der Samtgemeinde Artland hinterlassen hatte, ging es für ihn, flankiert von einer Schar Offizieller, über die Große Kirchstraße vom Rathaus hinüber zur St.-Sylvester-Kirche nebenan. Hier findet der Festakt zum 98. Niedersachsentag in diesem Jahr statt.
Niedersachsentag im Artland

Dass die Wahl im Reformationsjahr auf die Samtgemeinde Artland gefallen sei, sei nicht zufällig, erklärt Hansjörg Küster, Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB), der Ausrichter des Niedersachsentages ist. Das Land hingegen veranstaltet außerdem noch den „Tag der Niedersachsen“, er findet im September in Wolfsburg statt. „Gerade in diesem Jahr mussten wir ja in die Geburtsstadt des großen Reformators Hermann Bonnus kommen“, sagt Küster.

Das bedeutete also hohen Besuch in der Burgmannsstadt. In der renovierten evangelischen St.-SylvesterKirche angekommen, übernehmen Küster und Hausherr Pastor Wolfgang Thon-Breuker die Begrüßung. Dazu schütteln sie viele Hände.

Die offizielle Eingangsrede hält Julia Schulte to Bühne, Geschäftsführerin des NHB. Sie, wie auch die Redner nach ihr, versuchen sich an einer Erklärung des Heimatbegriffes, dem Thema des Niedersachsentages. „Heimatpflege ist eine große, wenn nicht sogar die größte Bürgerbewegung in Niedersachsen“, sagt Julia Schulte to Bühne mit Blick auf die 400 Vereine des Heimatbundes.

„Ein Stück Identifikation des Artlands ist der Basketball“, findet Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe und konkretisiert damit den Heimatbegriff für die Region. Für Pastor Thon-Breuker wiederum ist die Sylvesterkirche ein Teil der Heimat. „Wenn ich aus Badbergen den Turm St. Sylvester sehe, bin ich fast zu Hause“, sagt er.
Austausch der Mappen

Im Mittelpunkt steht das Austauschen zweier Mappen. Als Präsident des NHB übergibt Hansjörg Küster dem Ministerpräsidenten eine rote Mappe. Diese enthält Wünsche, Anregungen, Kritik und Lob, zusammengetragen von den Mitgliedern des Heimatbundes.

„Auch wenn Heimat für jeden Menschen etwas anderes sein kann, bedeutet es doch immer, eine emotionale Bindung an das eigene Lebensumfeld zu haben: sei es zur Landschaft, Geschichte, Kultur oder zu den Menschen“, zitiert Küster aus der roten Mappe. Der NHB-Präsident hat dabei vor allem die Menschen im Sinn, die sich in Deutschland und in Niedersachsen eine neue Heimat aufbauen müssen, weil sie aus ihrer alten vertrieben wurden.

Stephan Weil antwortet auf die Anliegen der Heimatvereine in Form einer weißen Mappe. In seiner Festrede sagt er: „Unsere Heimat ist Teil der tiefsten Bedürfnisse, die wir haben.“ Freunde und Familie würden Heimat ausmachen. Aber Heimat sei auch ein Ort, an dem die Menschen ihre Wurzeln hätten oder wo sie aufgenommen würden. Vielfalt und Verschiedenheit würden Niedersachsen prägen, „über Jahrzehnte ist es uns gelungen, daraus ein Ganzes zu bilden“, erklärt Stephan Weil.

Die Mappen lagen, in Form von Broschüren, am Eingang der Kirche aus. Diese gab es umsonst, käuflich zu erwerben dagegen war das aktuelle Niedersachsenheft. Titelthema dieser Ausgabe ist, passenderweise, das Artland. Im Anschluss an den offiziellen Teil fanden Exkursionen an Orte der Reformation im Artland und in der Stadt Quakenbrück und eine Führung durch das Hermann-Bonnus-Haus statt.

Ziele festgelegt! Heimatverein Quakenbrück mit komplett neuem Vorstand!

Mit einem komplett neuen Vorstand und Renate Rengermann (vorne, Zweite von rechts) an der Spitze startet der Heimatverein Quakenbrück seine Arbeit. Zu den Gratulanten zählten auch Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe (links) und Bürgermeister Matthias Brüggemann (hinten rechts). Foto: Bockstiegel

noz 16.05.2017 Quakenbrück. Was ist eigentlich ein Heimatverein? Diese grundlegende Frage braucht sich der Heimatverein Quakenbrück nicht mehr zu stellen, denn gleichzeitig mit der Wahl eines komplett neuen Vorstandes unter dem Vorsitz von Renate Rengermann wurden in der Mitgliederversammlung auch klar die künftigen Ziele festgelegt. Es gilt, Schwerpunkte nicht nur auf die Erhaltung und Pflege des historischen Stadtbildes zu setzen, sondern auch auf die Erforschung und Publizierung der lokalen Geschichte und natürlich Veranstaltungen durchzuführen.

Der Begriff „Heimat“ verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum, bezeichnet somit also keinen konkreten Ort, sondern schlichtweg Identifikation. Was kann nun im 21. Jahrhundert die Aufgabe eines Heimatvereins sein? Als 1909 einer der Vorgänger des heutigen Heimatvereins Quakenbrück als „Verschönerungsverein“ aus der Taufe gehoben wurde, gab es ein klares Verständnis von Heimat und deren Bewahrung: „Schon damals stand die Pflege des Stadtbildes ganz obenan“, so der kommissarische Vereinsvorsitzende Heinrich Böning.

1928 erfolgte eine „Wiederbelebung“ als „Verschönerungs- und Verkehrsverein“ mit Schwerpunkt auf der Fremdenverkehrswerbung und Herausgabe des ersten Werbe-Stadtprospektes.

Als 1950 die Neugründung als „Verkehrs- und Heimatverein der Stadt Quakenbrück“ erfolgte, wurde statutengemäß der amtierende Bürgermeister kraft Amtes auch Vorsitzender. Die Vereinsarbeit ist dann über Jahrzehnte in den Ausschüssen Heimatpflege, Kulturring und Museum geleistet worden, und das bis zur Neugründung des heutigen Heimatvereins Quakenbrück im Jahre 2012.

Unter dem Vorsitz von Thomas Schneithorst entwickelten sich zwar bereits etliche Aktivitäten, doch nachdem dieser bereits knapp zwei Jahre später zurückgetreten war, kochte die Vereinsarbeit lediglich „auf Sparflamme“. Indessen konnte im vergangenen Jahr die von Renate Rengermann erarbeitete „Stolperstein“-Broschüre herausgegeben werden, und es fanden Radtouren sowie gut besuchte plattdeutsche Abende statt.

Fortschritt und Bewahrung des Heimatgedankens in ausgeglichenem, doch durchaus kritischem Miteinander, das sind die Herausforderungen, die für den Heimatverein Quakenbrück in die Zukunft weisen und neue Forschungsfelder eröffnen. Die jetzt abgehaltene Mitgliederversammlung stimmt in dieser Hinsicht optimistisch, denn mit der Wahl von Renate Rengermann konnte eine schon im Vorfeld rührige Vereinsvorsitzende gewonnen werden. Ihr stehen Dorothee Felstermann als stellvertretende Vorsitzende und Theo Thoben als zweiter stellvertretender Vorsitzender zur Seite. Kassenwartin ist Karin Eicker und Schriftführerin Claudia Wüst. Als Beisitzer fungieren Heinrich Böning und Heiko Bockstiegel. Kassenpüfer sind Jürgen Wielage und Klaus Siegmann. Peter Hohnhorst wird dem Vorstand als beratendes Mitglied seitens der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen.

Der Heimatverein Quakenbrück ist Mitglied des Kreisheimatbundes Bersenbrück und des Wiehengebirgsverbandes und freut sich über ehrenamtliche Unterstützung in jeglicher Form, denn diese ist zur Bewältigung künftiger Aufgaben unentbehrlich. Das betonte auch Renate Rengermann, denn: „Wenn etwas wachsen will, braucht es dazu Wurzeln“. Erhaltung und Verschönerung der Stadt stehen nach wie vor ganz oben auf der Agenda.

Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe sah in der Neuformierung des Heimatvereins eine „hochkarätige Veranstaltung“, und Bürgermeister Matthias Brüggemann trat mit dem Bemerken, dass der Verein „vor großen Aufgaben“ stehe, diesem spontan als neues Mitglied bei.

Schon jetzt steht fest, dass es wieder Auszeichnungen mit der Plakette für gelungenen Denkmalschutz geben wird. Hier arbeiten Stadt und Heimatverein eng zusammen. Auch soll darauf hingearbeitet werden, in der Sommerzeit die Kirchen für Besucher tagsüber offen zu halten und die Hohe Pforte zu bestimmten Anlässen zu öffnen.

Aktuell ist der neu konstituierte Heimatverein involviert in den 98. Niedersachsentag des Niedersächsischen Heimatbundes, der am 19. und 20. Mai im Artland stattfindet und auch die Bedeutung von Umbrüchen und Kontinuitäten für die Heimat und unsere Gesellschaft thematisieren wird.